Klösterliche Leere

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Jos Wouters, Generalabt der Prämonstratenser, berichtet in schonungsloser Ehrlichkeit über ungeeignete Klosterinteressenten und die dramatischen Folgen.

Die Prämonstratenser sind der fünftältetse Orden der Welt. Doch ihre Zukunft ist nicht so groß wie die Vergangenheit - im Gegenteil: Die meisten europäischen Abteien hätten keine Zukunft - so Gerneralabt Jos Wouters gegenüber dem "Nederlands Dagblad" am 22.4.2026. Wer sich heute noch für ein Klosterleben interessiere, sei oft nicht dafür geeignet, immer häufiger handle es sich bei Interessenten um psychisch labile Menschen. "Aus einem Überlebensreflex heraus nehmen Klöster solche Menschen auf, obwohl sie völlig ungeeignet sind", so Wouters; die Kirche sei in der Gesellschaft zu einem Randphänomen geworden: "Und sie zieht Menschen aus Randgruppen an."

Anlass für die offenen Worte Wouters war eine Recherche des "Nederlands Dagblad" zu Missständen in der niederländischen Abtei Berne, in der es Machtkämpfe und seit Jahren eine Struktur der Angst geben soll. Der Generalbt stellte das nicht in Abrede, sondern ergänzte vielmehr, dass in vielen Abteien eine schlechte religiöse Kultur herrsche; innere Schwäche würde oft durch Herrschsucht kompensiert: "Religion wirkt dann wie ein Exoskelett, ähnlich wie bei einem Hummer, der kein inneres Skelett hat: Sie ist außen hart, um die Schwäche im Inneren zu verbergen." Über unterschiedliche religiöse und liturgische Ansichten würde dann unerbittlich gestritten und das führe zu einer vergifteten Atmosphäre in den Abteien. "Die Menschen innerhalb einer Gemeinschaft werden dann zu Gegnern, und es kann kaum noch ein gewöhnlicher, normaler, freundschaftlicher, kameradschaftlicher, brüderlicher Kontakt stattfinden." Als Generalabt stoße er dabei an seine Grenzen, denn er habe nicht die Kompetenz, in die autonomen Abteien einzugreifen und Ergebnisse von Visitationen würden oft einfach ignoriert.

Das Eingeständnis, dass sich oft gerade solche Männer für das Ordensleben interessieren, die dafür nicht geeignet sind, trifft freilich nicht nur den Prämonstratenserorden, wie beispielsweise auch das Visitationsergebnis zur österreichischen Zisterzienserabtei Heiligenkreuz Anfang April 2026 nahlegte. Kirchenreformkreise beklagen das Problem schon lange, nehmen dabei aber auch die Situation der Priesterseminare in den Blick. Auch dort ist es oft so, dass sich für einen Eintritt vor allem Männer interessieren, die dafür nicht geeignet sind.