Die tagelangen Spekulationen in den Medien über eine mögliche Absetzung von Toni Faber als Wiener Dompfarrer sind zu Ende: Am Pfingstsamstag bestätigte Erzbischof Josef Gründwidl im ORF-Hörfunk die Neubesetzung der Dompfarre Wien ab Sommer 2027. Als Grund nannte er die 30jährige Amtszeit von Faber und dessen Erreichen des Pensionsalters im kommenden Jahr; Faber werde aber weiterhin in der Seelsorge und auch am Stephansplatz tätig sein.
Hinter den Kulissen wird freilich diskutiert, ob Fabers Abgang nicht auch damit zu tun habe, dass der medienaffine Faber immer wieder öffentlich mit einer Frau an seiner Seite auftritt - auch am Opernball - und damit das kirchliche Zölibatsgesetz aushebelt. Grünwidl, der betonte, dass er Faber schätze und seit 45 Jahren mit ihm in guten Gesprächen sei, hatte erst vor wenigen Tagen dazu gesagt: "Beim Zölibat hat er eine Lösung gefunden, mit der ich mir schwertue. Wir sind im Gespräch, um eine Lösung zu finden."
Die österreichischen Kirchenreformbewegungen fordern anlässlich der medialen Aufregung, die vor allem auch auf socal media hochkocht, einmal mehr eine dringende Reflexion des "unseligen Zölibatsgesetzes". Martha Heizer, die Vorsitzende von "Wir sind Kirche" in Österreich wies in einer Aussendung darauf hin, dass für einen Priester seelsorgliche Kompetenz wichtiger sein sollte als die Lebensform und dass Beziehungsfähigkeit auch für Priester von Bedeutung sei.
Auch Faber und Grünwidl sprechen sich offen für eine Reflexion des Zölibatsgesetzes aus. Im April 2026 hatte Grünwidl in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung erklärt "Ich wäre glücklicher, wenn man über diese Frage nachdenkt und dann sagt, wer sich für das zölibatäre Leben berufen fühlt, soll das so leben – aber dass es auch die Möglichkeit gibt, mit Familie Priester zu sein". Aber nicht nur beim Zölibat, sondern auch in der Frauenfrage fordert Erzbischof Gründwidl Veränderungen: "Wenn wir die Ergebnisse der jüngsten Weltsynode ernst nehmen, dann müssen sich auch manche Bestimmungen, Traditionen und auch kirchenrechtliche Regelungen ändern".