Seit Jahren und Jahrzehnten gehört das sogenannte "Frauen-Thema" zu den oftgenannten Reformthemen der katholischen Kirche. Beim Kirchenvolksbegehren 1996 mit einer halben Million Unterschrift allein in Österreich war ihm eine der Hauptforderungen gewidmet, immer wieder machen verschiedene Initiativen - in den letzten Jahren insbesondere "Maria 2.0" - auf die Benachteiligung der Frauen in der katholischen Kirche aufmerksam und aktuell wird sogar auf der Ebene der Weltkirche unumwunden zugegeben, dass die Kirche in der Frage der Geschlechter ein faktisches Problem hat.
Im Schlussdokument der Weltsynode 2024, das laut Papst Franziskus "Teil des ordentlichen Lehramts des Nachfolgers Petri" ist, heißt es wörtlich: "Aufgrund der Taufe erfreuen sich Frauen und Männer gleicher Würde im Volk Gottes. Dennoch stoßen Frauen weiterhin auf Hindernisse, wenn es darum geht, ihre Charismen, ihre Berufung und ihre Rolle in allen verschiedenen Bereichen des kirchlichen Lebens umfassender anzuerkennen. Dies geht zu Lasten des Dienstes an der gemeinsamen Sendung der Kirche ..."
Die strukturelle Benachteiligung von Frauen in Kirche und Gesellschaft soll nun auch vom neuen Netzwerk "Frauen.Führen.Kirche" beleuchtet werden. Den Initiatorinnen zufolge - Regina Petrik, Generalsekretärin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts und Maria Habersack, Vorstandsvorsitzende der Vereinigung der Ordensschulen Österreich - verfolgt das Netzwerk das Ziel, Frauen in Leitungsfunktionen sichtbar zu machen, zu vernetzen und gezielt zu stärken. "Die Kirche ist weiblich, aber nicht in ihren Leitungsstrukturen", kritisierte Eder-Cakl in Wien.
Dabei kam sie auch auf die Ämterfrage zu sprechen: Unter den weltweit 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken seien etwa 700 Millionen Frauen. Diese könnten nichts dafür, dass sie als Frauen geboren wurden, sagte Eder-Cakl: „Sie sind genauso getauft und berufen, die Liebe Christi weiterzugeben. Deshalb brauchen Frauen als Getaufte auch die sakramentale Bestärkung für ihr Tun. Also: sieben Sakramente für alle.“
Das Netzwerk mahnt aber auch ganz konkrete Schritte für die Kirche in Österreich ein. Im Schlussdokument der Weltsynode heißt es wörtlich: "Diese Versammlung fordert die vollständige Umsetzung aller Möglichkeiten, die bereits im kanonischen Recht in Bezug auf die Rolle der Frau vorgesehen sind, insbesondere an den Stellen, an denen sie noch nicht ausreichend umgesetzt sind." An dieser Forderung der Weltsynode - und damit des ordentlichen Lehramtes - scheinen die Initiatorinnen von "Frauen.Führen.Kirche" anzuschließen, wenn sie etwa darauf hinweisen, dass auch das Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz nicht zwingend mit einem Mann besetzt sein müsse und eine entsprechende Statutenänderung der Bischofskonferenz kirchenrechtlich möglich sei. So haben ja auch die nordische (seit 2009) und die deutsche (seit 2021) Bischofskonferenz eine Generalsekretärin.