Sehr geehrter Herr Bischof Ivo Muser,
bitte überdenken Sie das, was Sie in Ihrem Fastenhirtenbrief "Christus begegnen" zu den Wort-Gottes-Feiern in unserer Diözese gesagt haben. Einige Teil Ihres Briefes stellen eine Abwertung der Wort-Gottes-Feiern dar, was eine Zumutung für die ehreamtlichen Leiterinnen und Leiter ist. In der heutigen Situation der Kirche sollen Eucharistiefeier und Wort-Gottes-Feier als gleich wertvoll betrachtet werden. Der Empfang der Kommunion sollte ermöglicht werden, wenn Gläubige es brauchen und wünschen.
Sie weisen in Ihrem Fastenhirtenbrief auf die Tatsache hin, dass durch den aktuellen Priestermangel nicht mehr in allen Pfarreien eine sonntägliche Eucharistiefeier stattfindet. Zugleich betonen Sie, dass die vielerorts an Ihrer Stelle gehaltenen Wort-Gottes-Feiern zwar wertvoll sind, allerdings ohne Kommunionausteilung stattfinden sollen, außer in Krankenhäusern und bei der Krankenkommunion. Alle liturgischen Formen sollen zudem „die Sehnsucht nach der sonntäglichen Eucharistiefeier nähren und wach halten.“
Aus dieser Haltung höre ich eine deutliche Abwertung der Wort-Gottes-Feiern heraus. Das ist sehr zu bedauern. Ich habe selber als Religionslehrer viele Wort-Gottes-Feiern am Beginn und Ende des Schuljahres gehalten und stehe gelegentlich Wort-Gottes-Feiern in unserer Pfarrei vor. Sollte ich am Ende einer Wort-Gottes-Feier darauf hinweisen, dass es doch „besser“ gewesen wäre, hätten wir Eucharistie feiern können? Das zu tun ist eine Zumutung für mich, der ich ehrenamtlich und mit viel Geist und Herzblut eine Feier vorbereitet habe, die den Gläubigen Zuspruch und Anregung für ihr Glaubensleben sein soll. Ich halte eine Wort-Gottes-Feier für gleich wertvoll wie eine Eucharistiefeier und habe nie erlebt, dass Schülerinnen und Schüler gesagt hätten, eigentlich wäre eine Hl. Messe angebracht gewesen. Zudem steht im Evangelium „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Das dürfte wohl auch für jede Gemeinschaft, die sich am Samstag oder Sonntag in der Kirche zusammenfindet, gelten. An der Bedeutung der Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des gemeinsamen Gottesdienstes zweifle ich nicht. Derzeit ist allerdings die Wort-Gottes-Feier gleich wertvoll und nötig. Ich wünsche mir, dass dies von der Diözesanleitung auch so vermittelt wird.
Auch soll bei Wort-Gottes- Feiern der Empfang der Kommunion möglich sein, wenn Mitglieder der Pfarrgemeinde dies für ihr Glaubensleben brauchen und erwarten. Mir scheint, dass hinter Ihrem Verbot, Herr Bischof, die Sorge steht, dass die Katholikinnen und Katholiken den Unterschied zu einer Eucharistiefeier nicht mehr erkennen würden. Da unterschätzen Sie wohl die Gläubigen. Oder haben Sie Angst, dass dann die Priester nicht mehr nötig wären, dass die priesterzentrierte Struktur der Kirche sich auflösen könnte?
Diese Auflösung ist bereits im Gange. Derzeit ist wegen des Priestermangels eine umfassende Seelsorge nicht mehr möglich. Das wäre die eigentliche Aufgabe der Kirche, nicht nur die Spendung der Sakramente. Aus dem Priestermangel sollten Konsequenzen gezogen werden. So weiter wie jetzt, scheint mir nicht sinnvoll zu sein. Sie könnten wie Ihr Vorgänger Bischof Joseph Gargitter fragen, was uns Gott durch den Priestermangel sagen will. Es fällt auf, dass die Kirchenleitung zwar immer wieder betont, dass die Eucharistiefeier Quelle und Höhepunkt der feiernden Gemeinde ist, andererseits aber nicht die Zugangsbedingungen schafft, damit auch Frauen und verheiratete Männer diesen wichtigen Dienst für die Gläubigen in den Pfarrgemeinden ausüben können. Ohne Reformen wird die kath. Kirche keine gute Zukunft haben, bin ich überzeugt.
In der Hoffnung und Zuversicht auf eine zeit- und evangeliumsgemäße Kirche
Robert Hochgruber Tschötsch, 10. März 2026