Anlässlich des Interanationalen Frauentages am 8. März 2026 stellte orf.at die Frage nach der Rolle der Frauen in der katholischen Kirche: Die Stellung der Frau in der Kirche sei rund um die Weltsanode 2021 bis 2024 eines der meistdiskutierten Themen gewesen, einige wichtige Fragen seien jedoch ausgeklammert worden und die Hoffnungen auf Weihämter für Frauen seien enttäuscht worden.
Die Theologin Sigrid Rettenbacher von der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz, die auch in den USA lehrt, offenbart im Interview mit orf.at ihre Sorgen: "Ehrlich gesagt ist es manchmal schwer, nicht die Hoffnung zu verlieren." Rettenbacher spricht gesellschaftliche Entwicklungen an, die schwer errungene Frauenrecht nun wieder in Frage stellen würden, und die Retraditionalisierung von Geschlechterrollen mit oft christlicher Begründung. Sie verweist darauf, dass Jesus sich stets auf die Seite der Marginalisierten gestellt habe: "Ich bin mir sicher, dass er heute seine Stimme für die Menschen erheben würde, die aufgrund von Geschlecht, Gender und Sexualität in ihrer Identität nicht von der Kirche anerkannt, an den Rand gedrängt oder ausgeschlossen werden."
Die Stimme für Gleichberechtigung zu erheben würde sich Rettenbacher auch von katholischen Männern wünschen: „Schweigen kann immer auch als Form der Zustimmung interpretiert werden.“ Die Theologin plädiert für eine ausführliche Auseinandersetzung mit der "privilegierten Position" der Kirchenmänner: "„Solange nicht ehrlich darüber nachgedacht wird, wie ein patriarchal-klerikales System funktioniert, sich selbst erhält und den Status quo absichert, schaut es mit Frauenfragen in der Kirche leider schlecht aus“; davo sei auch der „Umgang mit LGBTQIA*-Personen“ betroffen.
Foto: Laurenz Kaiser, Diözese Linz