Es gibt nicht viele Pfarrblätter, die den aktuellen Fragen rund um die katholische Kirche viel Platz einräumen. In der röm.-kath. Kirchengemeinde im deutschen Konstanz ist das anders. In deren Pfarrmagazin wird in der Sommerausgabe 2026 die Enzyklika von Papst Leo XIV. über Künstliche Intelligenz ebenso vorgestellt (und in einzelnen Textauszügen abgedruckt) wie das seit Jahren schon aktuelle Thema des Pilgerns (mit ganz konkreten Tipps für Routen direkt vor der Konstanzer "Haustür").
Dass ein Pfarrblatt auch kritischere Themen in den Blick nehmen kann, zeigt die darauf folgende Doppelseite: Mit Verweis auf Goethe wird auf die Gretchenfragen der katholischen Kirche hingewiesen, von denen zunächst die Zölibatsfrage genannt wird, dann aber eben auch die sogenannte Frauenfrage: "Nun sag, wie hast du´s mit der Frauenweihe?"
Es is eine interessante Einführung, die Autor Daniel Gerber da in aller Kürze vorlegt: Er erinnert an das Zweite Vatikanische Konzil und an die Eingabe von "zwei deutschen Frauen ... an die Männer des Konzils": "Sie forderten die Gleichstellung von Frauen. Auch diese sollten zum Diakonat und zum Priesteramt Zugang haben." Dass das Konzil nicht weiter auf die Eingabe einging, ist für Gerber keine Überraschung.
Auch an die Würzburger Synode wird erinnert, auf der die deutschen Bischöfe, andere Amtsträger und Laien u.a. formulierten, "dass die Stellung der Frau in der Kirche und Gesellschaft es heute unverantwortlich erscheinen lässt, sie von theologisch möglichen und pastoral wünschenswerten amtlichen Funktionen in der Kirche auszuschließen."
Auch auf erfolgte sogenannte ">illegale Diakoninnenweihen, die zur Exkommunikation führten" wird hingewiesen wie auch auf den "Tag der Diakonin" (29.4.) und das "Netzwerk Diakonat der Frau". Nur die "Donaupriesterinnen" von 2002 bleiben unerwähnt.
Gerber schildert die geschichtliche Entwicklung der Frage in den vergangenen Jahrzehnten ohne Hetze, weist auch darauf hin, dass die Gegner der Frauenweihe postulieren, dass zu Geschichte und Theologie des Diakonats noch mehr geforscht werden müsse, verschweigt aber auch nicht das große Unbehagen, das der Ausschluss der Frauen von den Weiheämtern zunehmend auslöst, wie auch der Bericht der vatikanischen Studienkommission zum Frauendiakont selbst bemerkt.
Dass seit gut einem Jahrzehnt immer mehr Frauen Führungsämter in der Kirche bekleiden, stellt laut Gerber für Kritiker ein Feigenblatt dar, mit dem die Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen verborgen werden sollen.
Gerbers Schlusserkenntnis: "Was die Forschung in den vergangenen Jahren ... zunehmend gezeigt hat: dass es in der frühen Kirche schon Diakoninnen gab. Die Kirche unserer Zeit wird dennoch wohl weiterhin auf Diakoninnen verzichten müssen."