"Bin ich kein gläubiger Christ?" - so fragte Roman Fürst bereits kurz nach der betreffenden Predigt von Bischof Oster in Altötting auf kirchenreform.at. Denn: Oster hatte in seiner Predigt eine fortschreitende Entfernung der deutschen Gesellschaft vom biblischen Menschenbild kritisiert und darin eine Gefahr für die Demokratie gesehen, weil andere Menschenbilder als die der Bibel "beinahe automatisch" dazu tendieren würden, "dass das Auseinander und Gegeneinander der verschiedensten Interessen" zunehme und damit auch der Ruf "nach der einfachen und schnellen Lösung durch eine starke Autorität an der Spitze".
Als Beispiel für die fundamentale Veränderung der Gesellschaft hatte Oster den Christopher-Street-Day angeführt, wo Lebensweisen, sexuelle Präferenzen und angeeignete Identitäten zur Schau gestellt würden, mit denen sich gläubige Christen schwer täten.
Diese Verallgemeinerin hat Fürst auf kirchenreform.at scharf kritisiert: "Und da ist sie, die Übergriffigkeit gegen meinen christlichen Glauben - ganz nebenbei ausgesprochen, fast unmerklich artikuliert. Denn: Ich bin gläubiger Christ und tue mir anders als der Bischof trotzdem nicht schwer mit einem Christopher-Street-Day und den dort sichtbar hervortretenden Lebensweisen, sexuellen Präferenzen und auch nicht den dort wahrnehmbaren Identitäten. ... Ein Problem habe ich aber, wenn mir jemand mein Christ-Sein abspricht oder wenn jemand meinen christlichen Glauben dahingehend vereinnahmt, dass er behauptet, ich müsste mir von Glaubens wegen mit anderen Lebensentwürfen schwer tun. Muss ich nämlich nicht: Wenn Gott die Welt bunt geschaffen hat, will ich sie nicht auf zwei Farben reduzieren. Die Buntheit der Welt passt gut in das Bild meines christlichen Glaubens."
Nun äußert auch das katholische LSBT+-Komitee – ein Zusammenschluss verschiedener katholischer und christlicher Gruppen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen – deutlichen Widerspruch gegen die Predigt des Passauer Bischofs. In einer Pressemitteilung vom 24.8.2026 heißt es, man teile zwar Osters Überzeugung, dass die christliche Tradition wichtige Impulse für das Verständnis der Würde jedes Menschen gebe. "Dennoch ist seine Predigt missglückt, weil er seine anfänglich nachvollziehbaren Worte von der Menschenwürde mit abwertenden Aussagen über queere Menschen, Christopher-Street-Days und gesellschaftliche Vielfalt verbindet."
Die Kritik des LSBT+-Komitees ist deutlich: "Oster hat sich als Theologe wie auch als Seelsorger disqualifiziert".
Und das Komitee betont, dass es nicht zulässig ist, jemandem aufgrund der geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung den christlichen Glauben abzusprechen oder die Mutmaßung auszusprechen, "dass queere Menschen deshalb lesbisch, schwul, bisexuell, trans, intergeschlechtlich oder nicht-binär sein könnten, weil ihnen der Glaube an Gott fehlt oder sie sich vom christlichen Menschenbild entfernt hätten." Und weiter fast wie ein Bekenntnis: "Als queere Christ:innen glauben und beten wir, feiern Gottesdienste und verstehen unser Leben in Einklang mit unserer Beziehung zu Gott. Unsere geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung ist ein bedeutender Teil unseres Lebens."