Der argentinische Priester Carlos Miguel Buela starb am 23. April 2023. Zu diesem Zeitpunkt war gegen ihn im Vatikan ein Prozess anhängig, in dem es um sexuelle Übergriffe unter Zwang oder Gewalteinwirkung ging. Gegen den 2021 bereits erfolgten Schuldspruch des vatikanischen Sondertribunals hatte Buela Berufung eingelegt und war schließlich verstorben, bevor das Tribunal rechtskräftig endgültig urteilen konnte. In der Folge hielten wegen des Fehlens einer rechtskräftigen Verurteilung führende Teile des von ihm gegründeten Männerordens weiter an einem ehrenden Andenken ihres Gründers fest. Dem will der Vatikan mit dem nun erfolgten Schuldspruch offensichtlich entgegenwirken.
Dabei wird den vatikanischen Behörden im Hinblick auf Buela selbst inkonsequentes Verhalten vorgeworfen: Missbrauchsvorwürfe gegen Buela waren spätestens seit den 1990er-Jahren bekannt; damals musste Buela deswegen auch die Ordensleitung niederlegen. Doch 2001 wurde er erneut zum Ordensoberen gewählt, erst 2010 wurde er nach weiteren Vorwürfen sexueller Übergriffe nach Ermittlungen der vatikanischen Ordensbehörde als Oberer abgesetzt. Da seine mutmaßlichen Opfer jedoch Erwachsene waren, wurde Buela ohne weiteres Strafverfahren zunächst in ein französisches und dann in ein spanisches Kloster zwangsversetzt. Doch auch dort dürfte er gegen die ihn verhängten Auflagen verstoßen und weitere sexuelle Übergriffe begangen haben.
Die nun rechtskräftig erfolgte Feststellung der Schuld des Verstorbenen geschah laut Mitteilung der vatikanischen Ordensbehörde vom 29.9.2026, um "die Wahrheit als Akt der Gerechtigkeit gegenüber den von Carlos Miguel Buela geschädigten Menschen wiederherzustellen"; zudem solle diese Information den von Buela gegründeten Ordensgemeinschaften helfen, ihren Auftrag und ihr Selbstverständnis zu überdenken und neu zu definieren.