Das Mauthausen Komitee, die katholische Aktion und das oberösterreichische Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus schlagen in einem gemeinsamen Brief an den Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) vor, die Dinghoferstraße in Linz umzubenennen.
Der Jurist Franz Dinghofer (1873-1956) war von 1907 bis 1918 Bürgermeister von Linz und in der Zeit der ersten Republik Dritter Nationalratspräsident sowie Vizekanzler (1926/1927) und Minister (1927/28). Im Anschluss an seine politische Tätigkeit war er bis zu seiner Pensionierung im Mai 1938 Präsident des Obersten Gerichtshofs.
Dinghofers Haltung war von einem deutschnationalen und antisemistischen Weltbild geprägt. Er selbst bezeichnete sich einmal als "radikalen Antisemiten". Das Mauthausen Komitee sieht in Dinghofer, der in der Zwischenkriegszeit Mitbegründer und langjährig führender Repräsentant der Großdeutschen Volkspartei war, als ideologischen "Wegbereiter der Reichspogromnacht und des Holocaust".
Nun wird eine Umbenennung der Dinghoferstraße, die eine der Hauptverkehrsstraßen durch die Linzer Innenstadt ist, gefordert. Wenn es nach den Unterzeichnern des Offenen Briefes geht, soll die Straße künftig nach dem kürzlich verstorbenen Linzer Altbischof Maximilian Aichern (1932-2026) benannt werden: „Der verstorbene Altbischof der Diözese Linz hat ein ehrendes Andenken durch eine Straßenbenennung zweifellos verdient, der Judenhasser, ‚Arisierer‘ und Nationalsozialist Franz Dinghofer hat es nicht“, betont Robert Eiter, Sprecher des OÖ. Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus.
Auch eine Reihe von Prominenten hat den Offenen Brief an Bürgermeister Prammer unterzeichnet, etwa Historiker:innen wie Helmut Konrad und Gabriella Hauch, Schaupieler:innen wie Harald Krassnitzer und Josef Hader, Schriftsteller:innen wie Elfriede Jelinek und Peter Turrini, frühere Politiker:innen wie Ferdinand Lacina und Rudolf Scholten, aber auch Moderatorin Chris Lohner; seitens der Kirchen scheinen von evangelischer Seite Michael Bünker und Michael Chalupka sowie Maria Katharina Moser und von katholischer Seite Helmut Schüller, Gabriele Eder-Cakl, u.a. auf.
Maximilian Aichern war von 1982 bis 2005 Bischof der Diözese Linz; er galt als "Sozialbischof Österreichs" und war äußerst beliebt. Das große Ansehen, das der Ordensmann über die Kirchengrenzen hinaus genoss, dürfte nun den Ausschlag für die Forderung gegeben haben, die Dinghoferstraße in Aichernstraße umzubenennen.
Orf.at berichtete am 29. Juli 2026 von einer Reaktion Prammers auf den Offenen Brief. Der Linzer Bürgermeister verwies auf eine Untersuchung durch eine Historikerkommission im Jahr 2022, die Dinghofer in die Kategorie 2 der belasteten Personen eingeordnet habe; gegenwärtig wären neue Namen für Straßen der Kategorie Zwei nicht vorgesehen. „Eine isolierte Umbenennung der Dinghoferstraße ohne neue historische Erkenntnisse würde die einheitliche Systematik und das Gesamtergebnis der Untersuchung infrage stellen“, so Prammer.
Ausdrücklich würdigte er aber den Vorschlag, eine Straße nach Bischof Maximilia zu benennen. Aichern sei aufgrund seiner Verdienste und seiner breiten Anerkennung vom Stadtarchiv bereits auf die Liste möglicher künftiger Namensgeber aufgenommen worden. Das Archiv empfehle nach dem Tod einer Persönlichkeit aber eine mindestens dreijährige Cooling-off-Phase. Eine Aichernstraße kommt damit frühestens 2029 in Betracht.
Foto: Hermann Wakolbinger / Diözese Linz