In den Social Media herrscht oft ein rauer Ton, insbesondere bei den Kommentaren, die User:innen posten können. Unter dem Schutz der Anonymität, die das Internet gewährt, werden Höflichkeit und Anstand oft völlig vergessen, brechen mitunter alle Dämme, die eine gute Erziehung einst gelehrt hat. Dass dies auch bei christlichen Themen und seitens christlicher Kreise der Fall ist, hat nun die Leiterin der Kommunikationsabteilung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, Friederike Frücht, in einem Beitrag für katholisch.de dargelegt.
Frücht zeigt sich irritiert über den Stil, den manche Christ:innen in den Social Media pflegen: "Ausgerechnet dort, wo von Nächstenliebe, Menschenwürde und Barmherzigkeit die Rede ist, wird der Ton bisweilen scharf. Wer eine andere Meinung vertritt, wird schnell einer Schublade zugeordnet: zu konservativ, zu progressiv, zu angepasst, zu unbequem. Aus einem einzelnen Satz wird ein Urteil über den ganzen Menschen. Dabei erinnert uns das Evangelium immer wieder daran, genauer hinzusehen. Jesus begegnet Menschen nicht als Vertreter einer bestimmten Gruppe oder Position. Er sieht den einzelnen Menschen mit seiner Geschichte, seinen Brüchen und seinen Hoffnungen. Er hört zu, bevor er urteilt. In den sozialen Medien geschieht oft das Gegenteil. Dort zählt die schnelle Reaktion. Ein Kommentar ist rasch geschrieben, ein Urteil schnell gefällt. Was dabei verloren geht, ist die Begegnung. Hinter jedem Profil steht jedoch ein Mensch – mit Erfahrungen, Zweifeln und Überzeugungen. Ein Mensch, der mehr ist als eine Meinung oder ein einzelner Beitrag. Vielleicht wäre das ein guter christlicher Vorsatz für unsere digitale Kommunikation: nicht zuerst zu fragen, welcher Fraktion jemand angehört, sondern wer dieser Mensch ist. Nicht jede Meinung muss geteilt werden. Aber jede Person verdient Respekt."
Früchts Beitrag auf katholisch.de erschien am 29.6. 2026, am Festtag Peter & Paul. In Rom erinnerte an diesem Tag Papst Leo XIV. beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz an die Unterschiedlichkeit von Petrus und Paulus - nicht nur in Herkunft, Ausbildung und Charakter, sondern auch in der Verkündigung des Evangeliums. Dass die beiden Gründungsväter der Kirche nicht immer einer Meinung waren, ist auch aus der Apostelgeschichte bekannt. Der Papst betonte, dass Petrus und Paulus dennoch keine Gegner gewesen seien, sondern "fast zum Symbol für viele andere Unterschiede (geworden seien), die der eine Geist zur Einheit zusammenfügt". Das Zeugnis von Petrus und Paulus habe entscheidend dazu beigetragen, dass die christliche Präsenz in der Geschichte nicht auf Herrschaft, sondern auf Dienst, Einheit und Versöhnung ausgerichtet sei.
Von solcher Bereitschaft zu Versöhnung oder auch zu "Einheit in Verschiedenheit" ist in manchen vermeintlich christlichen Kommentaren auf Social Media nicht viel zu spüren. Entsprechend klar ist Fürsts Standpunkt: "Die Kommentarfunktion mag kein Ort der Nächstenliebe sein. Für Christinnen und Christen sollte sie aber werteorientiert genutzt werden. Gerade dort zeigt sich, ob unsere Werte nur gepostet oder tatsächlich gelebt werden. Vielleicht halten Sie bei Ihrem nächsten Kommentar einmal kurz inne, bevor Sie ihn posten."