Unerwartete Unterstützung für Kurienreform von Papst Franziskus

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Kardinal Marc Ouellet überrascht im Osservatore Romano mit klarem Plädoyer für Lai:innen in Leitungspositionen der vatikanischen Kurie.

Schon einen Tag nach seiner Wahl am 8. 5. 2025 bestätigte Papst Leo XIV. die Mitglieder der römischen Kurie in ihren Ämtern - vorläufig, wie der Vatikan damals betonte. Dies war eine wenig überraschende, durchaus übliche Vorgangsweise, die es dem neuen Papst ermöglichen sollte, ohne Zeitdruck über die wichtigsten Positionen der Kurie und des Vatikans zu entscheiden.

Wurde anfangs noch kolportiert, dass die Personal-Entscheidungen des Papstes im Herbst 2025 gemeinsam bekanntgegeben werden sollten, scheint der Papst die Besetzungen der Kurie nun eher Schritt für Schritt anzugehen. Dabei dürfte er den Weg seines Vorgängers fortsetzen und die Präsenz von Frauen in der Kurie stärken, wie etwa die Berufung von Sr. Simona Brambilla in das Dikasterium für die Bischöfe am 14.2.2026 zeigt. Unter Konservativen sind Berufungen von Nicht-Geweihten in die Kurie naturgemäß umstritten - insbesondere, wenn es die Berufung in eine Leitungsposition ist, die zuletzt Bischöfen und Kardinälen vorbehalten war. Deutlichstes Beispiel: die Berufung von Sr. Simona Brambilla zur Präfektin des Dikasteriums für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens durch Papst Franziskus am 6. 1. 2025.

In einem Kommentar auf VaticanNews sowie im Osservatore Romano am 16.2.2026 hat sich nun der als konservativ bekannte Kurienkardinal Marc Ouellet, der von 2010 bis 2023 selbst Präfekt der Bischofskongregation war, offen und deutlich zur betreffenden Reform von Papst Franziskus bekannt. Unter Berufung auf das Zweite Vatikanische Konzil verwies er darauf, dass das Weiheamt nicht die "einzige Quelle jeder Form von Regierung in der Kirche" sei und dass der Heilige Geist durch Charismen auch in Laien wirke. Explizit kritisierte der Kardinal, dass das aktuelle Kirchenrecht das Wort "Charisma" ignoriere und in dieser Frage daher ein neuer Dialog zwischen Theologie und Kirchenrecht nötig sei.