Weihnachtspredigt zu Ostern

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In der Basilika St. Laurenz in Enns wurde am Ostersonntag 2026 über Weihnachten gepredigt. Hier der Wortlaut.

Darf man zu Ostern über Weihnachten predigen, liebe Mitchristinnen und liebe Mitchristen?

Ich tu es trotzdem … Am Christtag waren wir auch hier versammelt, zum feierlichen Weihnachtsgottesdienst, der Chor hat gesungen, der Weihrauch ist zum Himmel gestiegen, Festtagsfreude lag in der Luft. In dieser Festtagsstimmung haben wir Gottesdienst gefeiert, haben uns besonnen auf das Geheimnis unseres Glaubens, das sich damals im Stall von Betlehem in einem kleinen Kind offenbart hat.

Wir haben christliche Mahlgemeinschaft gehalten und die Kommunion miteinander gefeiert. Ich habe die Kommunion wie so oft vor dem Altar ausgeteilt. Und Sie wissen alle, wie das so abläuft: Der die Kommunion austeilt, sagt „Der Leib Christi“ und der sie empfängt, antwortet mit „Amen!“. Aber da – gar nicht bei mir – sondern in der Reihe daneben, war heuer zu Weihnachten auf einmal etwas anders. Da habe ich nämlich gehört, wie jemand statt „Amen“ etwas anderes gesagt hat. Und aus dem Augenwinkel habe ich wahrgenommen: Gestrahlt hat sie dabei. Und gesagt hat sie „Mir haum a Christkindl kriagt!“: eine Frau aus unserer Gemeinde war es, die am heiligen Abend Uroma geworden ist.

Jetzt kann man vielleicht sagen: Naja, das hätte sie nach dem Gottesdienst auch noch erzählen können. Aber nein: Die Freude dieser Frau war so groß, so verständlich groß, dass sie das freudige Ereignis der Kommunionspenderin neben mir einfach mitteilen musste: Das hat ihr so viel bedeutet, dass das einfach nicht warten konnte. Gestern Abend übrigens, in der Feier der Osternacht, haben wir dieses Christkindl getauft, und die Uroma war auch dabei und hat ihrem Florian liebevoll ein Segenskreuzerl auf die Stirn gemalt.

Warum ich Ihnen das heute erzähle: wegen der Freude der Uroma: Diese Freude war so groß, dass sie nicht warten konnte. Ihre frohe Botschaft musste hinaus zu den Leuten, musste hinaus in die "Welt".

Und so ähnlich denke ich mir, wird es damals auch in Jerusalem gewesen sein. Auch da war es zunächst eine Frau, Maria von Magdala, und dann waren es noch andere Frauen und irgendwann wurde es auch den Männern bewusst: "Jesus lebt!" Und egal ob Frauen oder Männer: Ab dem Zeitpunkt, wo sie das verstanden hatten, wo sie dieser Botschaft des Lebens in ihrem Herzen Raum gegeben haben, konnten sie nicht mehr ruhig bleiben. Wie die Uroma vor dem Altar, der es die frohe Botschaft förmlich herausgestoßen hat, hielten sich auch die Jüngerinnen und Jünger Jesu nicht mehr an irgendwelche Etiketten und Gepflogenheiten, sondern es riss sie gleichsam von ihren Stühlen und aus ihren Gewohnheiten; die Frohe Botschaft hat sie in Bewegung gesetzt. Wir haben im Evangelium gehört, dass Petrus und der andere Jünger zum Grab gelaufen sind – das hätten sie den jüdischen Gepflogenheiten nach eigentlich nicht tun dürfen: Jüdische Männer laufen nicht in der Öffentlichkeit, sie gehen mit gediegenem Schritt, sie schreiten in Würde. Aber all das ist vergessen, es reißt sie zum Grab - zum leeren Grab wohlgemerkt. Und später reißt es sie hinaus in die Welt. Denn was sie erfahren haben, ist nicht nur zu groß für ihr Herz, sondern auch zu groß für Jerusalem, die Frohe Botschaft muss hinaus in die ganze Welt.

Das ist Freude, liebe Mitchristinnen und liebe Mitchristen, das ist erlöste Freude. Lassen wir uns anstecken davon! Freuen wir uns über Ostern! So wie die Uroma zu Weihnachten vor dem Altar gesagt hat „Wir haum a Christkindl kriagt“, könnten wir alle zu Ostern sagen „Wir haben einen Auferstandenen bekommen!“ Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was das für uns bedeutet?: Wir haben einen Auferstandenen bekommen!??

Harald Prinz / Zeichnung: Waltraud Kim