Am 15. Juli 1986 wurde Hans Hermann Groër von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Wien ernannt - eine folgenschwere Fehlentscheidung Roms, die seinen Vorgänger, Kardinal Franz König schockierte und die österreichische Kirche in die Krise stürzte.
40 Jahre danach rollt die Wochenzeitung "Die Furche" in ihrer Ausgabe vom 8. Juli 2026 die Ereignisse auf und lässt neben der langjährigen Privatsekretärin und Büroleiterin von Kardinal König, Annemarie Fenzl, auch den deutschen Jesuitenpater Andreas Batlogg zu Wort kommen. Dieser stellt die Frage: "Könnte 'so etwas' wieder passieren: 'Groër reloaded' sozusagen?" und liefert auch gleich seine Antwort dazu: "Unwahrscheinlich, denke ich. Aber ausgeschlossen ist nichts."
Batlogg meint zwar, dass Österreichs Diözesen in den letzten Jahren mit Bischofsernennungen gut gefahren wären, stellt aber nichtsdestotrotz einen Mangel an Transparenz fest. Im Hinblick auf die Ernennung von Josef Gründwidl zum Erzbischof von Wien schreibt Batlogg: "Das Ergebnis ist erfreulich, das Prozedere jedoch verbesserungswürdig."
Laut Batlogg hätten prominente Theolog:innen und Reformbewegungen eine Reihe von konkreten Vorschlägen gemacht und auch auf der Weltsynode sei das Thema diskutiert worden; eine noch unter Papst Franziskus gegründete Studiengruppe unter Vorsitz des emeritierten Bischofs von Münster, Felix Genn, habe mehr Laienbeteiligung bei Bischofsernennungen eingemahnt und auch der Synodale Weg der deutschen Kirche habe gefordert, Laien bei der Bestellung des Diözesanbischofs einzubeziehen.
Nun wäre es gut, so Batlogg, "wenn der Papst und die Kurie die Bedürfnisse und die Wünsche vor Ort wirklich zur Kenntnis nähmen". Dass mit Leo XIV. nun jemand Papst sei, der vor seiner Wahl zwei Jahre Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe war und als gelernter Kirchenrechtler auch das Verfahrensprozedere gut kennt, dürfe laut Batlogg nicht außer Acht gelassen werden. Letztlich gehe es freilich darum, Macht von oben nach unten abzugeben.