Gleichberechtigte Teilhabe der Geschlechter als theologischer Imperativ

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Rita Famos, erste Präsidentin der Evangelisch-Reformierten Kirche Schweiz, hat ein neues Buch herausgegeben: Leadership. Weibliche Perspektiven (TVZ 2026)

Frauen in Führungspositionen sind längst keine Seltenheit mehr. Selbst im Vatikan steigen Zahl und Ansehen von Frauen in Leitungsämtern. Aber immer noch müssen sich Frauen in Führungsrollen gegen strukturelle Barrieren, Vorurteile und überkommene Rollenbilder behaupten – sowohl in der Kirche als auch in der säkularen Welt.

Rita Famos versammelt in ihrem Buch Stimmen von Bischöfinnen, Medizinerinnen, Theologieprofessorinnen und kirchenleitenden Frauen, die sich mit weiblicher Führung auseinandersetzen: persönlich, kritisch, zukunftsorientiert. Was macht gute Führung aus? Was ist von früheren Kämpfen zu lernen? Und was braucht die nächste Generation? Das Buch ist ein inspirierendes Plädoyer für Sichtbarkeit, Gerechtigkeit und eine neue Kultur des Führens für alle, die sich mit Geschlechtergerechtigkeit, Leadership-Kultur und gesellschaftlichem Wandel auseinandersetzen.

In ihrem persönlichen Beitrag schreibt Famos: "Gleichberechtigte Teilhabe der Geschlechter ist kein Nice-to-Have, sondern ein theologischer Imperativ" und unterstreicht damit, dass die Frauenfrage in der Verkündigung des christlichen Glaubens kein Rand, - sondern ein Hauptthema ist: Wie soll eine Kirche der Gerechtigkeit das Wort reden können, wenn sie in ihren eigenen Strukturen keine Gerechtigkeit kennt?!

Im podcast "Laut + Leis" von kath.ch begründet Famos ihre Haltung mit zwei biblischen Perspektiven. Die eine ist die Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau ("Gott schuf Mann und Frau zu seinem Ebenbild. Das heisst, Männer und Frauen können in alle Rollen und Funktionen hineinwachsen und sie unterschiedlich ausfüllen"), die andere ist das älteste Taufbekenntnis des Christentums in Gal 3,28 ("Hier ist weder Jude noch Grieche, weder Sklave noch Freier, weder männlich noch weiblich. Alle sind wir eins in Christus"). Damit macht sie deutlich: Das Fundament, auf dem die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit steht, ist die Bibel.

Rita Famos ist Präsidentin der Evangelisch-Reformierten Kirche Schweiz. Doch ihr Thema macht vor Konfessionsgrenzen nicht Halt, sondern betrifft auch die katholische und andere Kirchen. Bei der Weltsynode 2023/24 gab Papst Franziskus eine Studie in Auftrag, die zur Klärung der Frauenfrage in der katholischen Kirche beitragen sollte. Dise beschreibt ein «spezifisches Unbehagen unter vielen Frauen bezüglich ihrer Teilhabe am Leben ihrer Gemeinden». Zudem hält die Studie fest: "Eine wachsende Zahl von Frauen jeder Altersgruppe und in unterschiedlichen Teilen der Welt fühlt sich im Haus des Herrn nicht mehr zu Hause – bis hin zu dem Punkt, dass sie es vollständig verlassen." Diese Formulierungen in einem offiziellen Papier der katholischen Kirche machen klar, dass auch die Kirche von Rom erkannt hat, dass das Frauenthema kein Randthema ist. Doch wie damit umgehen? Die Antwort auf diese Frage wird nicht weniger als über die Zukunft der Kirche entscheiden.

Roman Fürst, 23.7.2026