Hoffnungszeichen April 2026 - Innerkirchliche Reformansätze

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Eine Italienerin wird Chefin der vatikanischen Personalabteilung. Paola Fanelli, die neue Personal-Direktorin im Vatikan, hattte in Bologna studiert und verschiedene Führungsposition im italienischen Bankensektor inne. Sie folgt auf den Spanier Luis Herrera Tejedor. Neben Personalplanung und -auswahl ist sie mit Aus- und Weiterbildungsprogrammen für die Angestellten zuständig. (vn u. kap v. 1. 4.)

Der Wiener Erzbischof sieht die Notwendigkeit, kirchliche Bestimmungen an die Ergebnisse der Weltsynode anzupassen. Um die Beschlüsse wirksam umzusetzen, müssten sich laut Josef Grünwidl „manche Bestimmungen, Traditionen und auch kirchenrechtliche Regelungen ändern“, sagte er der Kathpress im Interview. Ein zentrales Anliegen ist ihm die Zusammensetzung von Beratungsgremien. Wie gelingt es, „dass Beratungsgremien, auch die des Bischofs, so zusammengesetzt sind, dass dort nicht nur geweihte Männer sitzen, sondern auch Getaufte teilnehmen können“, wobei er explizit Frauen und Männer nannte. In der Erzdiözese Wien gebe es bereits erste Schritte, wie etwa drei stimmberechtigte Frauen im Bischofsrat. Zudem verwies er auf Anregungen der Weltsynode, Frauen stärker in die Ausbildung in Priesterseminaren einzubeziehen. Derzeit stünden dem jedoch noch geltende kirchenrechtliche Bestimmungen entgegen. Bezüglich seiner jüngsten Aussage, dass das Kirchenrecht nicht verhindern könne, „was der Heilige Geist will“, präzisierte der Erzbischof, dass er sich auf das biblische Beispiel des Pharisäers Gamaliel beziehe. Und zur Frauenfrage: „Wenn diese Frage vom Heiligen Geist kommt und wenn das ein Zeichen der Zeit ist, dann wird sich das auch durchsetzen.“ Am 29. Juni wird Papst Leo XIV. Erzbischof Grünwidl in Rom als Amtszeichen das „Pallium“ überreichen. (vn u. kap v. 2. 4.)

Für einen portugiesischen Regens hängen die Priesterseminare im 20. Jahrhundert fest. Viele Priesterseminare seien nach Nuno Santos, Priesterausbilder in Coimbra, zu stark in überholten Strukturen verhaftet und haben „Schwierigkeit, das zwanzigste Jahrhundert zu verlassen", zitieren ihn vatikanische Medien. „Oft werden wir so ausgebildet, als müsse der Priester alles können, alles wissen, immer stark sein, immer eine Antwort haben - eine Art Supermensch. Doch genau dieses Bild ist der Anfang der Selbstzerstörung. […] Wir müssen lernen zu sagen: Ich kann das nicht, ich brauche Hilfe." Zudem plädiert Santos für eine deutlich stärkere Rolle von Frauen in den Priesterseminaren. Diese dürften nicht nur ergänzend eingebunden werden, sondern müssten auf zentraler Ebene der Ausbildung präsent sein. (vn v. 2. 4. u. kap u kna v. 3. 4.)

Der weltkirchliche „Synodale Prozess“ bringt die Frauenfrage zum Durchbruch. Für die Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar geschehe das aber nur „dank der Bemühungen von so vielen, die da mittun, mittragen, mitdenken und trotz aller Schwierigkeiten und Enttäuschungen nicht aufgeben." Solchen Menschen und dem Synodalen Prozess sei es zu verdanken, dass „die Frage nicht mehr ad acta gelegt werden kann, […] nicht zuletzt durch das Engagement von Frauen im deutschsprachigen Raum. Ohne diese Vorarbeit, Beharrlichkeit, manchmal Mut, manchmal Geduld, stünden wir heute weltkirchlich nicht da, wo wir sind. Aber was für uns hier im deutschen Sprachraum […] berechtigterweise auf Ungeduld stößt, ist an anderen Ecken der Welt oder in anderen Kontexten manchmal noch zu viel". Papst Leo XIV. habe ihr gegenüber darauf hingewiesen, dass diese Frage sehr oft eine kulturelle sei und darum gebeten, dass wir uns stärker vom Evangelium leiten lassen. […] Wichtig sei, dass „nicht nur Männer über die Frauen in der Kirche entscheiden, sondern auch die Frauen mit am Besprechungstisch sitzen. Zum Frauendiakonat sagt sie: „Es wird kommen, aber momentan scheint es für mich wahrscheinlicher, in der Kurie mehr Präfektinnen an der Spitze von Dikasterien zu haben. […] Den Zölibat fakultativ zu machen, wäre nach meinem Verständnis etwas einfacher als Frauen zu weihen." Denn die römisch-katholische Kirche kenne schon jetzt verheiratete Priester - etwa in der Ostkirche. […Es könnte sein, dass Rom] den Bischofskonferenzen die Möglichkeit geben wird, das jeweils einzeln für sich zu entscheiden.“ Dann stelle sich auch die Frage, „wie die Arbeit der Bischofskonferenzen künftig ausschauen wird. […Ob] Konsultationen mit repräsentativen Mitgliedern aus dem Volk Gottes einer Entscheidung vorausgehen", gab Csiszar zu bedenken. (kap v. 6. 4.)

Ein Kardinal kann sich „auf Dauer nicht vorstellen, wie eine Kirche bestehen kann, wenn […Frauen] keinen Zugang zum geweihten Dienst“ haben. Das sagte der luxemburgische Kardinal Jean-Claude Hollerich in einem Symposion an der Universität Bonn über „Synodalität und Praedicate Evangelium, zwei Grundelemente der Kirchenreform von Papst Franziskus“. Dazu ein Interview mit ihm in Vatican News: Aber „eine Weihe der Frauen auch zur Diakonin würde heute die Kirche spalten. Man sieht das in der anglikanischen Kirche, wo eine Frau als Erzbischof von Canterbury eingesetzt wurde. […] Eine ganze Reihe Kirchen sind aus der Kommunion der anglikanischen Kirchen ausgeschieden, bilden ihre eigene Gruppe. Und das würde auch in der katholischen Kirche passieren. Der Zugang zum Weiheamt kann nur durch einen Konsensus der ganzen Kirche geschehen. […] Ich glaube, dass es jetzt darauf ankommt, alles zu tun, was man für Frauen tun kann - außerhalb der geweihten Dienste. Indem man auch Priestertum und Diakonat reformiert in dem Sinne, dass es ein Dienst ist, nicht Ausübung von Macht. […] Dass Frauen Stellen besetzen können, wo sie partizipativ an den Entscheidungen der Kirche mitwirken, auch an den großen Entscheidungen, das scheint mir nur normal zu sein. […Zu] Diakonat, Priestertum, Bischofsweihe. Aber es gibt auch Äußerungen von Papst Benedikt, die das Diakonat etwas davon abheben. Also ich glaube, wir brauchen eine theologische Reflexion, was das Diakonat überhaupt ist. Aber ich könnte mir auch ein Subdiakonat [für die Frauen] vorstellen. Was dann keine Weihe ist, aber auch eine Partizipation in der Liturgie darstellt und eine Hilfe beim diakonalen Wirken der Kirche ist. […Es ist] legitim, dass Frauen [in der europäischen Kultur] mehr Dienste leisten können als in anderen Kulturen….“ (vn v. 10. 4.)

Ein Moraltheologe sieht „Amoris laetitia“ als Ansporn für weiteren Reformbedarf. Nach dem Bonner Moraltheologen Jochen Sautermeister habe das Rundschreiben von Papst Franziskus zwar neue Perspektiven eröffnet, sein Potenzial sei jedoch „bis heute noch nicht ausgeschöpft“, sagte er dem Portal katholisch.de. Zentral darin sei ein Perspektivwechsel: „nicht bewerten und verurteilen, sondern die Menschen in ihren konkreten Lebenssituationen wahrnehmen“. Ziel sei es, dass „niemand durch das Handeln der Kirche ausgeschlossen wird“. Die Öffnung des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene stehe dafür exemplarisch. Jedoch kämen Konfliktthemen wie Homosexualität und Polygamie kaum vor. Darum sei eine Weiterentwicklung geboten im Blick auf Erkenntnisse der Human- und Sozialwissenschaften. Für die Zukunft fordert er Veränderungen bei kirchlichen Normen. Fragen sollten stärker in den Ortskirchen geklärt werden, orientiert an den jeweiligen Lebensrealitäten. (kath.ch v. 11. 4.)

Der Limburger Bischof Bätzing ist für mehr Laien-Beteiligung. Ohne echte Beteiligung der Gläubigen hat die römisch-katholische Kirche laut dem ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz keine Zukunft. „Synodalität ist Beteiligung als echte Partizipation, ist Transparenz, ist Rechenschaft, ist gemeinsame Beratung und Entscheidung", sagte er im Frankfurter Presse Club. „Das, was alle angeht, soll von allen entschieden werden", so Bätzing. Die finale Entscheidungsverantwortung der Bischöfe sieht er nicht als Hindernis für gemeinsame Beratung von Laien und Klerikern. „Ich habe noch nie einen Beschluss nicht angenommen - weil ich Teil der Diskussion bin.“ (kap u. kna v. 15. 4.)

Katholische Verbände drängen auf Öffnung kirchlicher Ämter für Frauen. Unter dem Leitwort „Gott diskriminiert nicht" steht der diesjährige „Tag der Diakonin +plus“ am Fest der Heiligen Katharina von Siena am 29. April. Zu den Trägern des Aktionstags gehören die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), das Netzwerk Diakonat der Frau, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sowie der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Die Verbände verbinden den Aktionstag in der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München mit Forderungen nach mehr Gleichberechtigung und strukturellen Reformen in der Kirche. Die Initiative #meingottdiskriminiertnicht stand als Patin des Mottos. Diese hatte zuletzt mit einer Aktion Aufmerksamkeit erzielt: Neun Theologinnen und Theologiestudentinnen bewarben sich beim Priesterseminar Freiburg, obwohl Frauen der Zugang zum Priesteramt nicht offensteht. Die frühere kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil erklärte: „Frauen müssen endlich zu Diakoninnen geweiht werden. Frauen sollen ihre Berufungen endlich leben können - auch die zur Priesterin in der römisch-katholischen Kirche." (domradio v. 16. 4.)

Im Erzbistum München-Freising sind Segnungsfeiern für homosexuelle Paare künftig offiziell erlaubt. Kardinal Reinhard Marx hat in einem Schreiben den Seelsorgerinnen und Seelsorgern eine entsprechende Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) „als Grundlage ihres pastoralen Handelns empfohlen", bestätigte das Ordinariat. Die Handreichung mit dem Titel „Segen gibt der Liebe Kraft" war Anfang April 2025 beschlossen worden. Sie ermöglicht Segensfeiern für geschiedene, wiederverheiratete oder queere Paare. Man berief sich in ihrem Beschluss auf eine Erklärung von Papst Franziskus vom Dezember 2023, in der „Abstand genommen wird vom bisherigen kategorischen Nein zu Segnungen von Paaren, für die eine kirchlich sakramentale Ehe nicht möglich ist". (domradio v. 21. 4.)

Für Segensfeiern für schwule Paare hat Rom zwar „keine Billigung“, doch soll darüber weiter nachgedacht werden. Zuletzt hatte Kardinal Reinhard Marx für seine Erzdiözese München-Freising die Umsetzung einer im Vorjahr beschlossenen Handreichung zur Segnung von Paaren, die nicht kirchlich heiraten können oder wollen verfügt. Der Papst erklärte dazu im Rückflug von Äquatorialguinea nach Rom, „dass wir die förmlichen Segnungen von Paaren - in diesem Fall homosexueller Paare oder Paare in irregulärer Situation - nicht billigen“. Aber gleichzeitig bestätigte er, „was Papst Franziskus ausdrücklich erlaubte, als er gesagt hat, dass alle den Segen erhalten können". Der Ausspruch von Papst Franziskus, wonach die Kirche offen sei für „alle, alle, alle", soll zeigen, dass alle Menschen eingeladen seien, Jesus nachzufolgen. (kap v. 23. 4.)

Die Katholische Frauenbewegung Österreichs fordert einmal mehr die Frauenweihe. Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Vollversammlung der kfö war die Frage der Teilhabe von Frauen in der Kirche. Die kfö-Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl hielt dazu in einer Aussendung fest: „Frauen wirken nicht nur mit, sie tragen Kirche. Diese Realität muss sich auch in Verantwortung, Entscheidung und Sichtbarkeit widerspiegeln." Bei der Vollversammlung ging es um die Weiterentwicklung von Strukturen, finanzielle Absicherung und neue Modelle im Fundraising, sowie die Stärkung der gemeinsamen Verantwortung auf allen Ebenen. Rund um den 29. April, den Gedenktag der heiligen Katharina von Siena, begeht die kfö ihre traditionelle Katharinenfeier. Katharina von Siena (1347-1380) war Mystikerin, politische Akteurin „und eine Frau, die sich eingemischt hat", hieß es in der Aussendung: „Sie schrieb an Päpste und Entscheidungsträger und formulierte klar, wo Veränderung notwendig ist. […] Katharina hat nicht gewartet, bis man ihr das Wort erteilt. Sie hat gesprochen, weil sie etwas zu sagen hatte. Das ist für uns heute Auftrag und Maßstab zugleich", führte Angelika Ritter-Grepl aus. (kap v. 28. 4.)