Emeritierter Dogmatik-Professor plädiert für Frauenweihe. Prof. Wolfgang Beinert im Interview mit domradio.de zu seinem neuen Buch „Die Form der Reform“: „Der Kern der Botschaft Jesu ist die radikale, also aus der Wurzel her kommende Nachfolge Jesu. Jede Reform muss auf Jesus Christus ausgerichtet sein. […] Wenn sich herausstellt, dass nach Jesu Willen Frauen und Männer gleichgestellt, gleichberechtigt und von gleicher Erlöstheit sind, dann kann man auch die Frauenordination nicht mehr behindern. […] Denn Erlösung meint christusförmig zu werden, also auch in persona Christi handeln zu können. Darin besteht nach kirchenamtlichen Aussagen das Wesen der Weihe. […] Die Kirche [ist] keine Demokratie, weil sie kein Staat ist. Sie ist auch keine Monarchie, Oligarchie oder Aristokratie. […] Die kirchliche Verfassung kennt Wahlen – erst vor kurzem haben wir eine Papstwahl erlebt. Sie kennt Mehrheitsentscheidungen, etwa die Vorschrift eines Quorum von einer Zweidrittelmehrheit. Sie kennt leitungsunabhängige Gremien (für die Finanzen). Die Kirche ist also gewiss keine Demokratie, aber sie hat demokratiegenerierte Leitungsinstanzen. Man könnte auch von Synodalität sprechen. […] Seit dem Decretum Gratiani, das Mitte des 12. Jahrhunderts veröffentlicht wurde, versteht sich der Klerus als der herausgehobene, eigentliche, alles bestimmende Teil der Kirche. Die Laien gelten nur als Konzessionschristen von seinen Gnaden. […] Natürlich muss es Strukturen geben. Aber diese haben samt und sonders Dienstcharakter. […] Auf der nördlichen Halbkugel […] sind die Christinnen und Christen in der Kirche am Scheideweg angelangt. Ohne Reformen im tiefen Sinn kann sie durchaus marginalisiert oder minimalisiert werden, so wie es in der Antike dem afrikanischen Christentum ergangen ist. Ist sie aber bereit, auf dem Weg durch die Zeit auch zeit-gemäss zu handeln, versteht sie es also die Freude des Evangeliums den Zeitgenossen zur Freude am Evangelium werden zu lassen, wird sie erneut blühen und zum Segen werden.“ (kath.ch v. 6. 7.)
Papst Leo XIV. hält an dem von seinem Vorgänger Franziskus festgelegten Zeitplan für die Umsetzung der Welt-Bischofssynode fest. Der Zeitplan sieht zunächst bis Ende 2026 Beratungen und Initiativen in den einzelnen Ortskirchen vor. Im ersten Halbjahr 2027 sind laut einem Vatikanpapier Versammlungen auf Bistumsebene geplant, um das bisher Erreichte auszuwerten, im zweiten Halbjahr 2027 wird das dann auch auf Ebene der einzelnen Bischofskonferenzen – nationalen wie internationalen – geleistet. Im Frühjahr 2028 sollen Kontinental-Versammlungen stattfinden und im Oktober desselben Jahres schließlich eine allgemeine „Kirchliche Versammlung“ im Vatikan. Entscheidend sei, dass das Schlussdokument als Kompass diene. Dazu gehöre, „dass die Möglichkeiten aller Getauften, Männer und Frauen, zur Teilhabe und Ausübung ihrer differenzierten Mitverantwortung ausgeweitet werden“. Erster Verantwortlicher bleibe allerdings der Ortsbischof. Er soll sich von „synodalen Teams und Organismen“ (in denen auch Laien sitzen) beraten lassen. Solche Teams müsse es auch auf nationaler und kontinentaler Ebene geben. Papst Leo hat zu den bisherigen zwei „Studiengruppen“ – eine davon zum Thema Frauendiakonat – zwei weitere hinzugefügt: eine zur Liturgie, die andere zu Statuten von Bischofskonferenzen, kirchlichen Versammlungen und Lokalsynoden. Wie die „Kirchliche Versammlung“ im Oktober 2028 aussehen und ablaufen soll, darüber schreibt das Vatikandokument nichts. (vn v. 7. 7.)
Eine Professorin für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Universität Münster plädiert für die Frauenweihe: Hier Auszüge aus dem Interview von Dorothea Sattler in der Zeitschrift „Kirche In": „Die beiden auf dieses Thema [Frauenweihe] bezogenen lehramtlichen Dokumente — zum einen das Schreiben der Glaubenskongregation „Inter Insigniores" aus dem Jahr 1976, zum anderen die Enzyklika „Ordinatio Sacerdotales" von Johannes Paul II. aus dem Jahr 1994 — stellen zunächst eines klar: Auf den Ebenen der Schöpfungsordnung und auch der Erlösungsordnung hat die Frau den gleichen Rang wie der Mann, denn in Christus Jesus gibt es weder Mann noch Frau, weder Sklaven noch Freie, weder Juden noch Heiden — so sagt Paulus (vgl. Gal 3,28). Die in der mittelalterlichen und sogar noch in der neuzeitlichen Tradition zu findende Beschreibung der Unterordnung der Frau unter den Mann aufgrund von anthropologisch begründeten Defiziten findet sich in den lehramtlichen Schreiben nicht. […] Im Blick auf die ununterbrochene Tradition des Ausschlusses von Frauen aus der sakramentalen Ordination ist zunächst auf die unsichere Quellenlage in den ersten Jahrhunderten zu verweisen. […] Kleine Gruppen, die unter starken Anfechtungen dennoch sich zu Jesus Christus bekannten, haben sich in ihren Häusern versammelt. Einzelne Namen sind überliefert, die in den frühen Gemeinden Leitungsdienste übernahmen — darunter auch Frauen: Junia, Phöbe, Lydia und andere. Wir erinnern heute an sie. Zweifellos hat bei der Feier der Eucharistie die Leitung durch einen Mann sehr bald schon dominiert. Anders war es bei der Taufe. Es gibt viele Zeugnisse, die die amtliche Rolle der Frau – wohl auch aus Gründen der Schicklichkeit – bei der Taufe von erwachsenen Frauen belegen. Im Osten hat sich diese Tradition noch über das erste Jahrtausend hinaus so gehalten. […] Ich bin mit vielen meiner Kolleginnen und Kollegen in der Theologie der begründeten Überzeugung, dass bisher noch keine letztverbindliche Lehre vorgetragen wurde. […] Es stehen drei Optionen zur Wahl: der stille Rückzug; die Etablierung einer von der römisch-katholischen Kirche getrennten, eigenen Gemeinschaft oder das geduldige, mühsame, unverzagte Voranschreiten auf einem steinigen Weg. Ich habe mich für die dritte Option entschieden. Ich hoffe auf eine universalkirchliche Entscheidung, die den Weg frei macht für verantwortliches Handeln in den Ortskirchen der Welt, an denen ein sakramentales Dienstamt von Frauen aufgrund der eigenen kulturellen Prägung erwünscht ist.“ (Kirche In 07/2025)
Der Limburger Bischof ermutigt, die Handreichung seiner Diözese für Segensfeiern umzusetzen. Für Bischof Georg Bätzing sollen laut Amtsblatt des Bistums die Möglichkeiten genützt werden, die die Handreichung für die Gestaltung von Segensfeiern für wiederverheiratete Geschiedene und Homosexuelle bietet. Die Empfehlung stützt sich auf die Voten des Bistumsteams, des Seelsorgerats und des Diözesansynodalrats. Ende April hatte die Gemeinsame Konferenz von Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) die Handreichung mit dem Titel „Segen gibt der Liebe Kraft. Segnungen für Paare, die sich lieben“ verabschiedet. Die Segnungen verstehen sich als Angebot für „Geschiedene und Wiederverheiratete, Paare aller geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen sowie Paare, die aus anderen Gründen nicht das Sakrament der Ehe empfangen wollen oder können“. (kath.ch v. 10. 7.)
Die neue Vorsitzende der Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands möchte die Frauenpredigt als Normalität sehen. Themen wie Frauen in allen Diensten und Ämtern sowie Anerkennung vielfältiger Lebensformen gelte es, deutlich nach vorne zu bringen, sagte Anne König in einem Interview des Portals katholisch.de. So sei es in vielen Gemeinden üblich, dass Frauen predigen dürften. Mancherorts seien sie dafür aber immer noch auf den guten Willen des Priesters angewiesen. „Es sollte aber zur Normalität werden, dass Frauenpredigten ein fester Bestandteil des Kirchenalltags sind." Die kfd werde nicht müde, „immer wieder für unsere Forderungen nach Gleichberechtigung, wozu auch die Frauenweihe gehört, einzustehen". Einige Fragen - etwa die nach der Frauenweihe - seien bei der Weltsynode jedoch ausgeklammert worden, kritisierte König. In diesem Zusammenhang erwarte sie von Papst Leo XIV., aber auch von Bischöfen, die Anliegen gläubiger Frauen ernst zu nehmen. (domradio.de v. 12. 7.)
Ein Schweizer Bischof ist für mehr Gewaltenteilung und Unabhängigkeit der Ortskirchen von Rom. Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Charles Morerod dazu im Interview der „Neuen Zürcher Zeitung": Im Kirchenrecht bezeichnet Partikularrecht das Recht, das für Teilkirchen oder Teilkirchenverbände ergänzend zum allgemeinen Kirchenrecht gilt. Es ermöglicht, spezifische Bedürfnisse und Gegebenheiten der jeweiligen Ortskirchen zu berücksichtigen. Partikularrecht kann vom universalen Kirchenrecht abweichen, allerdings ist dafür die Genehmigung des Heiligen Stuhls erforderlich. Auch für mehr Gewaltenteilung in der Kirche spricht sich Morerod aus. Diese würde das Bischofsamt stärken und die Arbeit erleichtern. (kath.ch u. kap u. kna v. 17. 7.)
Der Augsburger Bischof will zur Umsetzung von Reformbestrebungen ein „Synodales Team" einberufen. Die Mitglieder sollen im Herbst benannt werden und aus Haupt- und Ehrenamtlichen bestehen: „Mir ist wichtig, dass es kein Gegeneinander zwischen dem deutschen Weg und dem Weltprozess gibt. […] Ich freue mich darüber, dass nun klar ist, wie die Synodalität auf Diözesanebene weiterentwickelt werden kann." Demnach wird die Umsetzung des Abschlussdokuments der Weltsynode vom 26. Oktober 2024 in fünf Phasen ablaufen. Zunächst sollen bis Dezember 2026 die Ergebnisse in den Bistümern sowie auf nationaler und internationaler Ebene umgesetzt werden. Dabei sollen synodale (also gemeinschaftliche) Beratungsmethoden und -strukturen geschaffen und erprobt werden. (domradio.de v. 18. 7.)
Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands fordert „Öffnung aller Weiheämter". Die kfd im Erzbistum Freiburg unterstützt Studentinnen, die Priesterinnen werden wollen. Außerdem kritisiert sie Diskriminierung von FLINTA* innerhalb der römisch-katholischen Kirche. FLINTA* ist ein Sammelbegriff für nichtmännliche Personen unterschiedlicher Sexualität. Der Diözesanverband der Frauengemeinschaft fordert „die Öffnung aller Weiheämter für alle Geschlechter sowie die grundsätzliche Neugestaltung des Weihe- und Amtsverständnisses innerhalb der katholischen Kirche". In der Diözese vertritt der Verband nach eigenen Angaben rund 16.000 Frauen in mehr als 300 Pfarrgruppen und setzt sich für die Interessen von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft ein. (domradio.de v. 21. 7.)