Die erste islamisch-theologische Fakultät Deutschlands an der Universität Münster ist gegründet.
Sie setzt auf wissenschaftliche Unabhängigkeit und ist ein Meilenstein. Der Münsteraner Islamtheologe Mouhanad Khorchide dazu: Die neue Fakultät kann künftig eigenständig promovieren und neue Forschungsschwerpunkte setzen: Er nennt u. a. eine „Public Theology", die sich mit religiösen Fragen zu Themen wie Sexualität, Umweltschutz oder Extremismus beschäftigt. Auch ein Studiengang „Islam und soziale Arbeit" für angehende Seelsorger ist geplant. Die Umwandlung des „Zentrums für Islamische Theologie“ in eine Fakultät stärkt die akademische Selbstständigkeit. Fakultäten entscheiden eigenständig über Berufungen, Studiengänge und ihre wissenschaftliche Entwicklung. Damit wird die islamische Theologie in Münster institutionell den christlich-theologischen Fakultäten gleichgestellt. Ein islamischer „Beirat“ bleibt bestehen. Khorchide betont, „auf Lehrinhalte, Koran-Auslegung und Personalentscheidungen" habe der Beirat keinen Einfluss. Es gibt keine Instanz, die für alle Muslime sprechen oder verbindlich über Glaubensfragen entscheiden könnte. Deshalb entwickelten die Bundesländer unterschiedliche Modelle, um die konfessionelle Anbindung der universitären Theologie zu sichern. In Nordrhein-Westfalen wacht z. B. ein „Beirat“ mit Vertretern muslimischer Religionsgemeinschaften darüber. Ein Vetorecht bestehe, wenn grundlegende Glaubenslehren infrage gestellt würden. Leider gibt es „eine Kluft zwischen moderner Islamtheologie und dem traditionellen Islamverständnis vieler Moscheegemeinden", sagt Khorchide. Während viele Prediger Koran und Sunna wörtlich auslegten, verstehe die universitäre Theologie beide Quellen historisch. (domradio v. 1. 7.)
In Pakistan verhinderte eine interreligiöse Solidarität einen Angriff auf Christen. In Karachi konnte dank des rechtzeitigen Eingreifens von Politikern, islamischen Gelehrten und Führern lokaler Gemeinschaften eine Gewalt gegen Christen verhindert werden. Auslöser im Stadtteil Baldia Town war die Behauptung, eine christliche Mutter und ihr Sohn hätten Seiten des Korans entweiht und per Post an mehrere Empfänger verschickt. Aus Angst vor Übergriffen verschanzten sich die Christen in ihren Häusern. Es kam zu Sachbeschädigungen. Eine weitere Gewalteskalation konnte durch den Einsatz eines massiven Sicherheitsaufgebots verhindert werden. Besonders bemerkenswert war das Engagement muslimischer Religionsvertreter verschiedener islamischer Glaubensrichtungen. Gemeinsam mit Politikern und Studenten islamischer Seminare stellten sie sich schützend vor die Häuser christlicher Familien und riefen die aufgebrachte Menge zur Besonnenheit auf. Auch führende islamische Gelehrte wandten sich an die Demonstranten. Sie betonten, Gewalt gegen Unschuldige widerspreche den Lehren des Islam und gefährde das friedliche Zusammenleben der Religionsgemeinschaften in Pakistan. Christliche und muslimische Vertreter forderten in einer gemeinsamen Erklärung eine umfassende, unparteiische und rechtsstaatliche Untersuchung. Schuld oder Unschuld müsse ausschließlich im Rahmen eines ordentlichen Gerichtsverfahrens festgestellt werden. Islamische Religionsführer riefen die Imame der Region dazu auf, ihre Freitagsgebete den Themen religiöse Harmonie, Geschwisterlichkeit und friedliches Zusammenleben zu widmen. Der Vorfall gilt als Beispiel dafür, dass ein entschlossenes gemeinsames Handeln von Religionsvertretern, Politik und Sicherheitsbehörden in Pakistan eine Eskalation nach einem Blasphemievorwurf verhindern konnte. (asianews u. vn v. 12. 7.)
Ein Rabbiner lehrt an römisch-katholischer theologischer Fakultät. Im Wintersemester 2026/27 der katholisch-theologischen Fakultät in Trier wird der Rabbiner Jehoschua Ahrens sein erstes Seminar über jüdische Perspektiven auf Christentum und Islam anbieten. Der 47 Jahre alte Honorarprofessor für Abrahamitische Religionen sagte der Zeitung „Paulinus“: „Ich glaube, […] das Bereichernde sind ja aber eben gerade die unterschiedlichen Perspektiven. […] Natürlich gibt es tiefgreifende theologische Unterschiede zwischen Judentum und Christentum, die man nicht aufheben kann: Christologie, Trinität - da werden wir uns nicht einig. Müssen wir aber auch gar nicht." Die jüdische Religion, aus der das Christentum hervorgegangen ist, könne eine Verständnishilfe für die Christen von heute sein, so Ahrens. (kap u. kna u. vn v. 17. 7.)
Mehrere deutsche Islamverbände verurteilten den islamistischen Anschlag auf den Christopher-Street-Day in Berlin. Der Ditib-Bundesverband schrieb dazu: „Solche Taten stehen in unvereinbarem Widerspruch zu den Grundwerten unserer Religion." Der Zentralrat der Muslime in Deutschland äußerte sich ähnlich: „Gewalt gegen Unschuldige findet im Islam keine Rechtfertigung. Wer Religion instrumentalisiert, um Hass zu schüren oder Gewalt auszuüben, handelt gegen die ethischen Grundsätze des Islam". Auch Rat der Islamischen Gemeinschaften Hamburg verurteilte die Tat: „Wir stehen gemeinsam ein für Menschlichkeit, für eine offene Gesellschaft, für die unantastbare Würde jedes Menschen und für ein friedliches Zusammenleben", sagte der Vorsitzende Fatih Yildiz bei einer Gedenkveranstaltung in Hamburg. Nach der CSD-Parade in Berlin war ein Auto in die Menschenmenge gerast. Dabei wurde eine Person getötet, mindestens 29 weitere teils schwer verletzt. (kap u. kna v. 27. 7.)
Nach CSD-Attentat in Berlin wollen Muslime ein Zeichen für Frieden setzen. Unter dem Motto „Muslime für Frieden – Gemeinsam gegen Extremismus“ lädt die Khadija Moschee Berlin zu drei öffentlichen Dialogaktionen und einem offenen Freitagsgebet zum Thema Islamismus ein – eine Reaktion auf den Christopher-Street-Day-Anschlag.Die Berlinerinnen und Berliner sind eingeladen Fragen zu stellen, Sorgen anzusprechen und mit Muslimen ins Gespräch zu kommen. Scharjil Khalid, Imam und Sprecher der Ahmadiyya Muslim Jamaat Berlin-Brandenburg, sagt in der Pressemitteilung: „Dass der Islam für diese entsetzliche Tat instrumentalisiert worden sein soll, erfüllt uns mit doppelter Trauer. Umso wichtiger ist es jetzt, dem Extremismus entschieden entgegenzutreten und Extremisten nicht die Deutungshoheit über den Islam zu überlassen. Mit unseren Dialogaktionen möchten wir deutlich machen, dass zwischen extremistischen Tätern und der friedlichen Lehre des Islam unterschieden werden muss.“ Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist der älteste und drittgrößte Islamverband Deutschlands und gehört zu den weltweit am stärksten von den Islamisten verfolgten muslimischen Gemeinschaften. (vn v. 28. 7.)
Ein US-Erzbischof stellt sich hinter einen geplanten Moscheebau. John C. Wester, Erzbischof von Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico, positionierte sich klar gegenüber dem geplanten Bau einer Moschee im North Valley von Albuquerque: „Unsere muslimischen Nachbarn haben das gleiche gottgegebene und verfassungsrechtlich geschützte Recht auf freie Religionsausübung wie jede andere Glaubensgemeinschaft, einschließlich unserer eigenen", schrieb er der Nachrichtenagentur KNA. Er begründete dies mit dem Konzilsdokument „Dignitatis humanae“. Er appellierte, sich „in einer Zeit, in der sich Spaltungen leicht vertiefen können", für Respekt, Dialog und friedliches Zusammenleben zu entscheiden. „Was wir brauchen, ist die Bereitschaft, zuzuhören, zu lernen und im anderen einen Nachbarn statt eines Fremden zu erkennen. Interreligiöse Beziehungen bereichern unser gesellschaftliches Leben und stärken das soziale Gefüge, auf das wir alle angewiesen sind". Antimuslimische Stimmung habe „keinen Platz im Herzen eines Christen". (kap u. kna v. 29. 7.)
Ein Islamwissenschaftler fordert eine „sanfte“ Männlichkeit für muslimische Männer. Im Interview mit domradio.de führt Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie und Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster dazu aus: „Unter jungen Muslimen wird unter Männlichkeit Dominanz, Kontrolle und das Streben nach Macht und Demonstration dieser Macht verstanden oder missverstanden. Diese Männlichkeit wollen sie allen zeigen. Und das führt dann zur Radikalisierung. Junge Muslime sagen dann: ‚Ich möchte den anderen Männern meine Stärke zeigen und wie männlich ich bin. Ich möchte aber auch der Gesellschaft beweisen und zeigen, wie männlich und wie stark, wie dominant ich bin. Ich mache allen Angst, denn die beschäftigen sich jetzt tage- oder wochenlang mit meinem Anschlag.‘ […] Tatsächlich gibt es Interpretationen von Stellen im Koran, die meinen, die Männer seien für die Frauen verantwortlich […] und daraus entwickeln sich dann patriarchalische Bilder von Männlichkeit, die religiös konnotiert sind. Auf der anderen Seite haben wir auch im selben Koran andere Vorbilder, also Role-Models für ein ganz anderes Männerbild. Zum Beispiel Jakob, der seinen Sohn Josef vermisst. Er kriegt Depressionen, heißt es, er weint. Hiob beklagt, dass er sich schwach fühlt. Das widerspricht dem dominanten Männlichkeitsbild, das sagt, ein Mann kennt keine Schmerzen, ein Mann weint nicht. […] Leider wird diese sanfte Männlichkeit kaum angesprochen. […] Wir brauchen Räume der Erfahrung von Anerkennung bei jungen Menschen im jungen Alter schon, wenn Sie diese Hilfsbereitschaft, diese Empathie zum Ausdruck bringen. Wir machen in Schulen Experimente, da kochen dann die jungen Männer für ihre Mitschülerinnen und bekommen dafür Anerkennung. Das ist für sie dann ein Aha-Effekt, wenn sie merken: Ich wusste nicht, dass ich gut ankomme bei den Mädchen, wenn ich koche oder wenn ich aufräume. Ich dachte immer, um Anerkennung zu bekommen, muss ich laut werden und ein Macho sein, um den Mädchen zu imponieren…..“ (domradio.de v. 29. 7.)