Der Vatikan befürwortet die Leitung von Schweizer Diözesanregionen durch Laien. Charles Morerod, der Bischof von Lausanne, Genf und Fribourg, begann bereits im Jahr 2020, Laien an die Spitze von Diözesanregionen zu berufen – anstatt wie bisher Priester. Das Dikasterium für die Glaubenslehre habe ihm jetzt aktive Unterstützung zugesichert und in einem Brief an die Nuntiaturen gebeten, falsche Gerüchte zu dementieren und Klarstellungen vorzunehmen. Vom Dikasterium erhielt Morerod sogar die Erlaubnis, diese leitende Laien sogar „Vikare“ zu nennen. Die neuen Laienverantwortlichen stossen laut dem Bischof in der Bevölkerung auf „recht breite Zustimmung“. Wobei jede Neuerung eine gewisse Zeit brauche, bis sich die Menschen daran gewöhnt hätten. Ausserdem hätten etwa zeitgleich mit ihm Bischöfe in französischen Diözesen angefangen, Frauen in Führungspositionen zu berufen. Die Freiburgerin Aurelia Dénervaud-Pellizzari ist die neue Bischöfliche Beauftragte für die französischsprachige Bistumsregion Fribourg, der aus Frankreich stammende Theologe Philippe Becquart ihr Stellvertreter. Bei einer Kirche im Wandel müssten auch die Strukturen angepasst werden, sagt Dénervaud-Pellizzari. Ein ähnliches Beispiel gibt es auch aus Österreich: In der Diözese Gurk hat Bischof Josef Marketz im März 2025 Barbara Velik-Frank zu Österreichs erster Bischöflichen Vikarin bestellt, mit Zuständigkeit für Kirchenentwicklung und Synodalität. Marketz sagte in einem Interview: Wäre Velik-Frank ein Priester, so würde ihr das Amt einer Bischofsvikarin zukommen (kath.ch v. 7. 10. u. kap u. kna v. 8. 10.)
Ein kongolesischer Theologe betont: „Frauen sind keine Jüngerinnen zweiter Klasse“. Die Rechte der Frau sieht Constantine Katitu Kamba in der römisch-katholischen Kirche in Afrika stark beschnitten. Während seines Vortrags im Rahmen einer Bibelkonferenz in Nairobi (Kenia) hob er die große Bedeutung von Frauen hervor und forderte mehr Mitbestimmung. Er prangert an, dass Frauen in Afrika trotz zahlreicher Maßnahmen weiterhin diskriminiert werden: „Frauen sind keine Jüngerinnen zweiter Klasse. Sie müssen die Anerkennung, Würde und Gleichbehandlung erhalten, die ihnen zustehen. Sie sind Zeuginnen und Boten Jesu“. Trotz hoher Qualifikationen und ihres aktiven Beitrags zur Evangelisierung und Katechese, sei ihr Zugang zu Führungspositionen innerhalb der Kirche weiterhin begrenzt. Frauen spielten „weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung und Belebung des Lebens der Kirche und der weiteren Gemeinschaft“, daher dürfe der Beitrag der Frau nicht auf traditionelle Rollen beschränkt bleiben. „Dazu braucht es Maßnahmen, die sicherstellen, dass Frauen einen gerechten Zugang zu Führungsaufgaben und Bildung erhalten…“. (vn v. 10. 10.)
Ein Kirchenrechtler fordert eine tolerantere Sicht bei Kirchenaustritt. Der Paderborner Professor Rüdiger Althaus plädierte dafür, „eine Grauzone einzurichten für solche, die ausgetreten sind, aber noch zur Glaubensgemeinschaft gehören und den Glauben praktizieren wollen“. Er gab im Rahmen eines Studientages der Theologischen Fakultät Paderborn zu bedenken, dass ein Austritt nicht zwingend Rückschlüsse auf persönliche Glaubensüberzeugungen zulasse. Für die pastorale Arbeit bedeute das, sensibler mit ausgetretenen Gläubigen umzugehen. Ein Austritt, so Althaus, betreffe nicht die durch Gott geschenkte Heilsgemeinschaft – „denn wer getauft ist, bleibt getauft“. (kath.ch u. kna v. 13. 10.)
Das Bistum Aachen erlaubt Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare. Das Bistum Aachen bietet ab sofort Segensfeiern an für Paare, unabhängig von sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität oder Familienstand. Bischof Helmut Dieser erklärte die Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz „Segen gibt der Liebe Kraft. Segnungen für Paare, die sich lieben" vom 4. April 2025 zur pastoralen Leitlinie für das Bistum. Auch geschiedene und wiederverheiratete Paare seien ausdrücklich eingeschlossen. Ziel der Segensfeiern ist es laut Bistum, Paaren die Erfahrung von Gottes Zusage und Kraft in ihrer jeweiligen Lebenssituation zu ermöglichen. „Eine Segensfeier kann die Zusage Gottes erfahrbar machen und zeigen, dass Menschen mit ihrer Liebe und Verantwortung füreinander in der Kirche gesehen und angenommen sind". Feste liturgische Formen seien in der Handreichung nicht vorgesehen. Im Mittelpunkt stehe das gemeinsame Feiern von Liebe und Glauben. Die deutschen Bischöfe wiesen eine Konfrontation mit Rom zurück und erklärten, die Handreichung sei in Abstimmung mit dem vatikanischen Glaubensdikasterium erarbeitet worden. (domradio.de v. 13. 10.)
Der neuernannte Erzbischof von Wien ist für Reformen bei Frauen und Zölibat. Josef Grünwidl hat sich klar für Reformen in der römisch-katholischen Kirche ausgesprochen. Bei einer Pressekonferenz bekräftigte er seinen Wunsch nach einer Weiterentwicklung der kirchlichen Praxis und des Kirchenrechts Hinsichtlich des Zölibats betonte er, das ehelose Leben für Priester werde immer weiterbestehen, er plädiere jedoch für eine Änderung im Kirchenrecht hin zu einer freien Entscheidung. „Wir sehen an unseren Schwesternkirchen - den Orthodoxen und jenen der Reformation - dass es möglich ist, verheiratet zu sein und einen priesterlichen pastoralen Dienst in der Kirche auszuüben". Hinsichtlich der Stellung der Frau sagte er: Das Thema sei „mit der Weltsynode endgültig und deutlich auch in der Kirche angekommen". Präsenz und Mitarbeit von Frauen gebe es im kirchlichen Alltag schon längst, auf sie falle längst der Großteil des Engagements. „Ausbaufähig" sei jedoch ihre Einbindung in den Entscheidungen. Das Problem bestehe auf allen Ebenen der Kirche. In seiner bisherigen Funktion als Apostolischer Administrator der Erzdiözese habe er darauf reagiert und die Diözesanleitung um drei Frauen erweitert. Gleichermaßen wäre für ihn auch die Aufnahme von Frauen in das Kardinalskollegium denkbar. Differenziert positionierte sich Grünwidl zur Frage nach der Weihe von Frauen zu Diakoninnen oder Priesterinnen. „Das wäre eine derartige Veränderung in der 2.000-jährigen Tradition der Kirche, dass eine solche Entscheidung nur bei einem ökumenischen Konzil geklärt werden könnte." (kap u. vn v. 17. 10.)
Der Eucharistiefeier fehlt laut einer Bibelwissenschaftlerin die persönliche Begegnung. Nach der Neutestamentlerin Hildegard Scherer (Universität Duisburg/Essen) sei die ursprüngliche Mahlgemeinschaft leider zur formalen Liturgie geworden. Den Verlust der persönlichen Begegnung sieht sie als Folge des kirchlichen Wachstums und ihrer Strukturen. Doch angesichts der schrumpfenden Besucherzahlen lässt sich fragen, ob „vielleicht in den kleinen Ursprüngen auch ein Potenzial steckt, das heute wieder erfahrbar gemacht werden kann." Die ersten Christinnen und Christen hätten ihre Mahlfeiern in Häusern oder kleinen Gruppen begangen. Dabei sei Gemeinschaft erlebbar gewesen - das gemeinsame Brotbrechen, das Gespräch, das Teilen des Lebens. „Paulus ist es enorm wichtig, dass in der Gestalt der Mahlfeier tatsächlich Gemeinschaft, nicht aber Ausgrenzung und Herabwürdigung erlebt wird". Diese Dimension des Miteinanders könnte als Antwort auf das Bedürfnis nach Gemeinschaft, Anerkennung und gegenseitiger Stärkung heute neu entdeckt werden, betont sie. (domradio.de v. 20. 10.)
Papst Leo XIV. spricht über Kirchenreform - auch Frauen waren ein Thema. Die Veranstaltung mit rund 2.000 Vertreterinnen und Vertreter aus vielen diözesanen Synodenteams war Auftakt der dreitägigen Heilig-Jahr-Feier. Sie diente als erster gemeinsamer Schritt in der Umsetzungsphase der Welt-Bischofssynode für eine synodale Kirche. Dieses von Papst Franziskus angestoßene Reformprojekt endete im vergangenen Oktober mit einem Abschlussdokument. Papst Leo XIV. nahm als Bischof der peruanischen Diözese Chiclayo und anschließend als Leiter des vatikanischen Bischofsdikasteriums an der Weltsynode teil. Bei der Auftaktveranstaltung präsentierten jetzt sieben Vertreter verschiedener Weltregionen erste Ergebnisse der lokalen Umsetzungsphase. Dabei ging es auch um die umstrittene Frage nach einer stärkeren Beteiligung von Frauen in der Kirche. Hier blieb Leo XIV. vage und verwies darauf, dass Unterschiede in der Weltkirche „kulturell existieren." Er führte das Beispiel peruanischer Ordensfrauen an, die in einer Region ohne Priester Taufen und Trauungen vornähmen. Bei Widerständen gegenüber dem allgemeinen Reformprozess, der auch ungeweihte Gläubige in kirchliche Entscheidungen einbinden soll, riet er zur Geduld. Nicht alle hätten die gleiche Geschwindigkeit. Außerdem müssten Aus- und Weiterbildung auf allen Ebenen Priorität haben: in Schulen, Priesterseminaren, Erwachsenenbildung für Laien. Denn häufig entstehe Widerstand aus Angst und Unwissenheit, so der Papst. Einmal mehr bekräftigte Leo, dass Synodalität als eine Haltung in der Kirche gelebt werden solle. An vier Tagen stehen für die rund 2.000 Teilnehmenden aus allen Teilen der Welt Gesprächsrunden und Netzwerktreffen auf dem Programm. Aus Österreich nimmt eine rund 50-köpfige Delegation an der Veranstaltung teil. (kap u. vn v. 24. 10.)
Die Vorsitzende von „Wir sind Kirche"-Österreich sieht eine „echte Aufbruchsstimmung" und „einen Wind der Veränderung". Das dreitägige „Heilig-Jahr-Jubiläum der Synodenteams und Beteiligungsgremien" in Rom habe zwar „mehr Fest- als Debattencharakter" gehabt, dennoch habe sie eine „lebendige Debattenkultur" erlebt, sagte Martha Heizer. „Es tut sich was, aber es braucht Zeit, Energie und Nerven". Die erstmalige Einladung der Reformbewegung zu einem offiziellen Treffen im Vatikan bezeichnete Heizer als „wichtigen Schritt". Der Ball liege jetzt bei den Ortskirchen und Bischöfen: „Da muss etwas weitergehen.“ Auch an der Basis sei noch zu wenig von den bisherigen vielen positiven Schritten angekommen. Dass der Papst die „Frauenfrage" als eine kulturelle und nicht theologische bezeichnet habe, sei ein „Funken Hoffnung. […] Das deutet auf Dezentralisierung hin, also dass nicht alles weltweit gleich gelten muss, sondern regionale Entwicklungen möglich werden.“ Zur Amtsführung des Papstes meinte sie, Leo XIV. wirke „bemüht, es allen recht zu machen". Martha Heizer und ihr Ehemann Gert Heizer haben zugestimmt, am offiziellen Programm nicht teilzunehmen: „Es gab die Befürchtung, dass unsere Exkommunikation (2014) zu Kontroversen führen könnte", sagte sie. Man habe Verständnis für den Wunsch des Synodenbüros gezeigt. Insgesamt nahmen rund 2.000 Vertreterinnen und Vertreter aus nationalen Synodenteams, diözesanen Beteiligungsgremien und Initiativen an der dreitägigen Veranstaltung teil, die laut Vatikan der erste gemeinsame Schritt in der Umsetzungsphase der Weltsynode ist. Aus Österreich reiste eine 51-köpfige Delegation nach Rom. (kap v. 28.10)
Erstmals hat sich ein Papst mit der Leitung der internationalen Menschenrechtsorganisation „Ending Clergy Abuse“ (ECAglobal) getroffen. Matthias Katsch, Geschäftsführer und Sprecher vom „Eckigen Tisch“, war auch vor Ort. Außerdem fünf weitere Vorstandsmitglieder von ECA aus Kanada, USA, Argentinien und Uganda. Dies ist ein bedeutender Schritt im Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche. ECA setzt sich seit der Gründung 2018 dafür ein: eine echte Null-Toleranz-Politik, Anerkennung des Leids, eine angemessene Entschädigung für Betroffene und nachhaltige Präventionsmaßnahmen. Der Eckige Tisch soll im nächsten Jahr weitergeführt werden. (www.weact.de. v. 28. 10.)
Der Synodenrat im Vatikan gibt den Auftrag für eine allgemeine Kirchenversammlung 2028. Die Vorbereitungen für die erste universale Kirchenversammlung im Vatikan haben eine weitere Hürde genommen. Wie das Synodensekretariat mitteilte, beauftragte der XVI. Ordentliche Rat der Bischofssynode das Synodensekretariat mit der Vorbereitung der Versammlung im Jahr 2028. An ihr werden voraussichtlich mehrere hundert Bischöfe, Priester und Laien aus allen Kontinenten teilnehmen. Aus dem Austausch der vergangenen Tage – der nationalen und regionalen Synodenteams untereinander und mit dem Papst im Vatikan – seien einige Prioritäten hervorgegangen: die Fortbildung im synodalen Denken, die Verbindung zwischen dem „Hören auf das Volk Gottes" und seelsorgerischen und praktischen Entscheidungen, das Achten auf die unterschiedlichen Kulturen sowie das Eingehen auf jene, die angesichts der synodalen Prozesse Ängste und Enttäuschungen empfinden. Eine universale Kirchliche Versammlung in Rom für das Jahr 2028 war unter Papst Franziskus (2013-2025) beschlossen worden. (vn u. kap v. 29.10)
Für einen Pastoraltheologen ist eine „Pluralisierung der Ausprägung des Amtes“ notwendig. Richard Hartmann, emeritierter Professor für Pastoraltheologie und Homiletik an der Theologischen Fakultät Fulda im Interview in Auszügen: „Das Kirchenrecht steckt einen Rahmen ab, innerhalb dessen sich die Vielfalt der Pastoral entfalten kann. Ohne rechtliche Rahmung ist der Willkür Tür und Tor geöffnet. […] Nicht-Geweihte können sicher Leitung übernehmen, dann muss jedoch neu geklärt werden, wie die Sakramente gefeiert werden können. Hier braucht es meines Erachtens neue Regeln und Formen, in der Zulassung von Verheirateten, von Frauen und auch von Verantwortlichen und Geweihten im Zivilberuf. Die Texte der Weltsynode weisen hierin die richtige Richtung. […] Der Priester im Zivilberuf ist keine moderne Neuerfindung. […] Die Arbeitspriester lebten ebenso durch ihren Erwerbsberuf. […] Jede Leitung mit nur einer Spitze steht in der Gefahr des Machtmissbrauchs und ist in der Vielfalt der Aufgaben und Profile überfordert. Leitung ist in diesem Sinn auch nichts, was nur von Hauptberuflichen eingebracht wird. […Was das Amt des Priesters betrifft, braucht es] weiter Pluralisierung der Ausprägung des Amtes, verbunden mit einer Entlastung. […] Es braucht vorrangig neue Formen der gemeinsamen Leitung und engagierte Transparenz darüber, was wer mit welcher Autorität und Kompetenz tut. Solange leitende Dienste keine öffentliche Rechenschaft ablegen, wird ihnen misstraut. Auch das unterstrich die Synode. […] Zentral ist vielleicht noch die Bereitschaft auch in den Ausprägungen des Kircheseins eine grössere Pluralität zuzulassen und zu fördern, verbunden mit der Ambiguitätstoleranz, die sich an der Vielfalt freut, statt sich identitär abzugrenzen…“ (kath.ch v. 29. 10.)
Die deutsche Bischofskonferenz fordert die Anerkennung sexueller Vielfalt an Schulen. Mit einem neuen Papier will die Bischofskonferenz Diskriminierungen queerer Schüler verhindern. Ein wertschätzender Umgang sei wichtig. Der Vorsitzende der Schulkommission der Bischofskonferenz, der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers, schreibt dazu: Schule müsse ein Ort sein, „an dem Kinder und Jugendliche Schutz vor Diskriminierung und persönlicher Herabwürdigung finden, ein Ort, an dem sie Akzeptanz erfahren in ihrer individuellen Entwicklung und zugleich lernen, andere zu akzeptieren." Die Leitlinien mit dem Titel „Geschaffen, erlöst und geliebt" betonen die Achtung der Würde jeder Person. Schülerinnen und Schüler sollten Diskriminierungen entgegentreten und sensibel werden gegenüber verletzenden, ausgrenzenden Schmähungen anderer. Bei Lehrenden spiele ihr persönlicher Umgang mit queeren Jugendlichen in ihren Lerngruppen eine erhebliche Rolle. Sie werden angehalten, sich dazu auch fortzubilden. Sie sollten ein Klassenklima unterstützen, in dem sich Kinder und Jugendliche in der Suche nach ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität wahr- und ernstgenommen fühlen. Die Bischöfe rufen dazu auf, auch umstrittene Punkte in Kirche und Theologie im Unterricht entsprechend darzustellen, damit die Schülerinnen und Schüler sich ein eigenes begründetes Urteil bilden können. (domradio.de v. 31. 10.)