Hoffnungszeichen Oktober 2025 - Zu den 60-Jahr-Veranstaltungen der Konzilserklärung „Nostra aetate“

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Papst Leo XIV. sieht den Dialog der Religionen als Hoffnung für die Menschheit. In einer Gedenkfeier anlässlich der Konzilserklärung „Nostra aetate" vor 60 Jahren sagte der Papst vor Vertreterinnen und Vertretern zahlreicher Religionsgemeinschaften: „Vor 60 Jahren wurde ein Samenkorn der Hoffnung für den interreligiösen Dialog gesät. Ihre heutige Anwesenheit zeugt davon, dass dieses Samenkorn zu einem mächtigen Baum herangewachsen ist, dessen weit ausladende Äste Schutz bieten und üppige Früchte der Verständigung, Freundschaft, Zusammenarbeit und des Friedens tragen." Er erinnerte daran, dass die römisch-katholische Kirche am 28. Oktober 1965 erstmals offiziell erklärt hatte, dass sie nichts von dem ablehne, was in anderen Religionen „wahr und heilig ist" und dass sie diese „mit aufrichtiger Ehrfurcht betrachtet". Daher lehne die Kirche „jede Form von Diskriminierung oder Drangsalierung aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Lebensumständen oder Religion ab. […] Als Religionsführer, die wir von der Weisheit unserer jeweiligen Traditionen geleitet werden, haben wir eine gemeinsame heilige Verantwortung: unseren Gläubigen dabei zu helfen, sich von den Fesseln der Vorurteile, der Wut und des Hasses zu befreien. [...] Es ist eine heilige Aufgabe für die gesamte Menschheit…“ (kap u. vn v. 29.10)

Einige interreligiöse Stimmen zum 60. Geburtstag von „Nostra Aetate": Die evangelische Pastorin Angela Kunze-Beiküfner ist Hochschulpfarrerin in Magdeburg. Sie bezeichnet sich als „großer Fan" der Erklärung. „Ich finde das einfach wunderbar, was in diesen 60 Jahren gewachsen ist. Es fing ja an mit dem jüdisch-christlichen Dialog, mit den muslimischen Geschwistern, mit den asiatischen Religionen, afrikanischen Religionen - und es ist wunderbar, was heutzutage da einfach auch schon selbstverständlich geworden ist.“ Jaron Engelmayer, Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, betont, das Dokument habe für die Juden „heute noch eine ganz besondere Bedeutung. […] Seither ist eine Gemeinsamkeit entstanden, ein Dialog, vertrauensvoll auf Augenhöhe, der von jüdischer Seite sehr geschätzt wird." Es gebe aber auch Herausforderungen. Gesprächsbedarf und Kommunikation seien weiterhin nötig. Avichai Apel, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und Vorsitzender der Rabbiner-Konferenz in Deutschland, berichtet, dass gerade in jüngster Zeit wieder viel über „Nostra Aetate" nachgedacht werde. Es gebe aber aktuell wieder aufflammenden Antisemitismus: „Antisemitismus hat sich leider verbreitet. Und manche fragen sich: ,Bleiben wir in christlichen Ländern oder müssen wir nach Israel ziehen?‘ " Die Feierlichkeiten zu 60 Jahren „Nostra Aetate" seien aber Hoffnungszeichen für die Zukunft. Mohammed Abdelrahem, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Paderborner Institut für Islamische Theologie, hat sich mit „Nostra Aetate" in seiner Dissertation beschäftigt. „Ich als Muslim finde, es ist ein historisches Dokument, das das Christentum im Besonderen und auch die anderen Religionen im Allgemeinen einen Schritt nach vorne gebracht hat.“ Kristina Kühnbaum-Schmidt, die Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland und Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB), glaubt, dass es „immer wichtiger" werde, „dass wir als Angehörige verschiedener Religionen in der Welt miteinander unterwegs sind, dass wir Brücken bauen, dass wir kooperieren, insbesondere zum Thema Frieden." (vn v. 29. 10.)

Ein Fachkongress zu Religionsdialog in Rom debattiert über Juden und Christen. 60 Jahre nach Veröffentlichung des Konzilstextes „Nostra aetate" über das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zu anderen Religionen haben Fachleute unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften das Dokument als Meilenstein im Dialog der Religionen gewürdigt. Der Auftakt der Tagung an der Päpstlichen Universität Gregoriana war überschattet von Ausführungen des in Neapel lehrenden Theologen Mario Imperatori. Er hatte eine Parallele zwischen der Schoah und dem Vorgehen der israelischen Truppen im Gaza-Streifen behauptet. Nachdem sich die Tagungsleitung davon distanziert hatte, spielten diese Behauptung keine Rolle mehr. Noam Marans vom American Jewish Comitee erklärte, dass seither auch der Dialog zwischen anderen Glaubensgemeinschaften und dem Judentum Fortschritte gemacht habe. Die Tatsache, dass der Text kurz sei, habe dessen Wirksamkeit beflügelt. Er hoffe, dass auch die jüdisch-islamischen Beziehungen sich künftig wieder zum Guten wenden würden. Als protestantischer Theologe betonte Axel Töllner (Neuendettelsau/Deutschland), dass „Nostra aetate" auch die Kirchen der Reformation in ihrem Verhältnis zum Judentum positiv beeinflusst habe. Wegen der Zersplitterung der protestantischen Kirchen habe es dort aber trotz vieler positiver Ansätze leider keinen vergleichbaren „Nostra-aetate-Moment" gegeben. Vertreter ostasiatischer Religionen haben kritisch angemerkt, dass die Religionen Asiens in „Nostra aetate" vergleichsweise kurz abgehandelt oder ganz außer Acht gelassen werden. (kap v. 30. 10.)