Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral…)

Die befreiende Botschaft Jesu kann viele Frauen nicht erreichen, weil sie in der römisch-katholischen Kirche eine Barriere frauenfeindlicher Ablehnung wahrnehmen. Das bedauert die junge deutsche Theologin Alina Oehler am 8. März in Rom. In der Kirche gebe es „vom Glauben her für die moderne Frau sehr wohl einen Platz“, sagte sie, die in Tübingen und Rom katholische Theologie, Politikwissenschaft und Philosophie studierte, im Gespräch mit „Vatican News“. „Es ist schmerzhaft, aber es ist Realität: in der Kirche herrscht an vielen Stellen […] eine Frauenfeindlichkeit, eine Abwertung von Weiblichkeit.“ Dabei widerspreche Frauenfeindlichkeit „der Tradition und dem Glauben, weil in der Kirche andererseits Frauen so hochgehalten werden“, wie z. B. Maria und die Kirchenlehrerinnen Katharina von Siena, Teresa von Avila und Hildegard von Bingen. Daher sei es ihr ein Anliegen, Männer in der Kirche aufzurütteln, dass sie Frauen ernst nehmen. (vn v. 8. 3.)

 

Für den Vatikan unüberhörbar fordert eine Initiative von Katholikinnen zum Weltfrauentag am 8. März Gehör und Mitsprache in der Kirche. Die ehemalige irische Präsidentin Mary McAleese war Hauptrednerin einer Konferenz zum Weltfrauentag, die am römischen Hauptsitz der Jesuiten stattfand. Die Initiative „Voices of Faith" setzt sich seit fünf Jahren für die Gleichstellung von Frauen in der katholischen Kirche ein und organisiert jedes Jahr am 8. März eine Konferenz in Rom. Dass Frauen nicht zum Priester geweiht werden können, nannte McAleese einen „als Theologie getarnten Frauenhass". Die Gründerin von „Voices of Faith", die Schweizer Anwältin Chantal Götz, betonte, es gehe darum, mit den Kirchenvertretern in Dialog zu treten und die Stimme von Frauen hörbar zu machen. Die Konferenz fand in diesem Jahr dort statt, wo der Jesuitenorden sonst seine Generalkongregationen abhält. Kurienvertreter waren bei der Konferenz nicht zu sehen, berichtete Götz. Man hoffe trotzdem, im Vatikan gehört zu werden. Rund um den Weltfrauentag schien es in Rom jedenfalls zu rumoren. Anfang März erschien in der Beilage „Donne Chiesa Mondo" („Frauen, Kirche, Welt") der Vatikanzeitung „Osservatore Romano" ein Beitrag, in dem Ordensfrauen über schlechte Behandlung durch Kleriker berichteten. Der Artikel sorgte international für Schlagzeilen. Gleichzeitig veröffentlichten 30 italienische Katholikinnen im Internet ein „Manifest für Frauen in der Kirche", in dem sie unter anderem einen „aktiveren Part im kirchlichen Dienst, inklusive der Sakramentenspendung" forderten und im Vatikan berät die Päpstliche Lateinamerika-Kommission über „die Frau als Säule der Kirche und Gesellschaft in Lateinamerika". (kap v. 9. 3.; JA v. 18. 3.)

 

Der Erzbischof von Palermo, Corrado Lorefice, hat Versäumnisse der römisch-katholischen Kirche im Umgang mit der Mafia eingeräumt. Die Kirche müsse um Entschuldigung bitten, weil sie Werte des Evangeliums gepredigt, aber gegenüber dem organisierten Verbrechen nicht praktiziert habe, sagte Lorefice laut der Zeitung „Giornale di Sicilia" bei einer Veranstaltung in Palermo am 9. März. Zugleich betonte er, die Haltung der Kirche habe sich in den vergangenen Jahren geändert. Lorefice verwies auf die von der Mafia ermordeten Priester Pino Puglisi (1937-1993) und Giuseppe Diana (1958-1994) sowie den Staatsanwalt und überzeugten Katholiken Rosario Livatino (1952-1990), der ebenfalls Opfer eines Anschlags wurde. Durch sie habe er gelernt, dass eine „freie und befreiende Kirche eine Kirche ist, die nicht Rückhalt und Privilegien bei der führenden Klasse sucht", so der Erzbischof. Auch Papst Franziskus verfolge diesen Kurs, gegen Unrecht zu kämpfen. (kap, kna u. vn v. 10. 3.)

 

Als Reaktion auf den Priestermangel in der römisch-katholischen Kirche beschreitet das Bistum Osnabrück neue Wege und bindet Laien stärker in Führungsfunktionen ein. Sie sollen künftig Gemeinden als hauptamtliche Beauftragte leiten dürfen, was bislang einem Priester vorbehalten war. Zunächst soll das neue Modell in Melle in der Pfarreiengemeinschaft Wellingholzhausen-Gesmold zum 1. Dezember 2018 eingeführt werden, teilte das Bistum mit. Vor einem guten Jahr hatte bereits das Erzbistum München und Freising ein ähnliches Pilotprojekt vorgestellt. Dadurch soll eine weitere Zusammenlegung von Pfarreien und Pfarrgemeinschaften zu noch größeren Einheiten im Bistum Osnabrück vermieden werden, sagte ein Bistumssprecher. Das sei vom Kirchenrecht gedeckt, wenn es nicht genügend Priester zur Leitung von Gemeinden gibt. Zur Sakramentenspendung steht ein moderierender Priester zur Seite, der aber nicht an dem Ort der Gemeinde lebt. (dpa u.www.sueddeutsche.de v. 15. 3.)

 

Am Palmsonntag übergeben die Teilnehmer der Vorsynode dem Papst ein Dokument, das in die Synodenvorbereitung einfließen wird. Die 27-jährige deutsche Theologin und Publizistin Alina Oehler im Interview mit „Vatikan News“: „Da gibt es meiner Ansicht nach aber auch eine Diskrepanz, was einerseits das Engagement von Frauen in der Kirche und andererseits eine fehlende Wertschätzung an vielen Stellen und auch institutionelle Barrieren betrifft. Darüber sollte man wirklich einmal sprechen […] und die Frauen auf Augenhöhe ernst nehmen, das finde ich sehr wichtig. Und da kann institutionell natürlich schon etwas passieren. […] Eine Katharina von Siena beispielsweise hat Päpste beraten, eine heute sehr geschätzte Kirchenlehrerin. Und dass man einfach mal wieder versucht, diesen Aspekt in Form eines Beratergremiums zu beleben.“ (vn v. 19. 3.)

 

Eine Ordensfrau wird Büroleiterin in der Ordenskongregation. Papst Franziskus hat einen weiteren Schritt hin zu mehr Frauen in kirchlichen Leitungsämtern getan: Wie der Vatikan am 23. März mitgeteilt hat, ist die an der „Kongregation für die Institute geweihten Lebens und Gesellschaften des Apostolischen Lebens“ wirkende Ordensschwester Annunziata Remossi zur Büroleiterin ernannt worden. Die ist eine mit einem Direktorenposten vergleichbare Position. Bislang war sie in dem Dikasterium als Offizialin tätig. (vn v. 23. 3.)

 

Der Linzer Bischof Manfred Scheuer hat seine grundsätzliche Offenheit für die Weihe von „viri probati“ [bewährte, verheiratete Männer] zu Priestern unterstrichen. In einem Interview sprach er sich aber gegen einen „Sonderweg“ in der Diözese Linz aus. Scheuer erinnerte daran, dass er das Thema bereits 2005 bei einer Bischofssynode eingebracht habe. „Inzwischen gibt es wieder Diskussionen, ob ein Experiment gemacht werden soll. Grundsätzlich würde ich das erhoffen.“ Doch das hieße für ihn kein „Abschaffen des Zölibats“. Über weitere Anliegen, die im Zuge der Kirchenreformdebatte immer wieder - etwa von der österreichischen Pfarrer-Initiative - angesprochen werden, wie zum Beispiel die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten, „muss intensiv geredet werden“. Forderungen, wie z.B. die Zulassung von Frauen zum Priesteramt, hätte allerdings „damals wie heute einen Riss für die Kirche bedeutet, den wir nicht überstehen würden“, gab Scheuer zu bedenken. (kap u. vn v. 24. 3.; JA v. 8. 4.)

 

Die deutschsprachige orthodoxe Gemeinde in Wien hat nun mit der Kapelle zum Hl. Johannes Chrysostomos (Hafnersteig 8, 1010 Wien) eine eigene Gottesdienststätte. (JA v. 25. 3.)

 

Papst Franziskus hat am Gründonnerstag mit Häftlingen im römischen Gefängnis „Regina Coeli“ die Abendmahlsmesse gefeiert und wusch auch zwei Muslimen und einem Buddhisten die Füße: „Ich bin ein Sünder wie ihr“. In einfachen Worten erklärte der Papst den Strafgegangenen den Ritus der Fußwaschung als dienende und liebende Geste Jesu an den Anderen. Jesus habe die alte Gewohnheit auf den Kopf gestellt, dass Könige und Kaiser sich von Sklaven die Füße waschen ließen. Die 12 Männer, an denen der Papst den Ritus der Fußwaschung vollzog, stammten aus Italien, von den Philippinen, aus Marokko, Moldawien, Kolumbien, Nigeria und Sierra Leone. Acht von ihnen sind Katholiken, zwei Muslime, einer ist orthodoxer Christ und einer Buddhist. (vn v. 29. 3.; JA v. 8. 4.)

 

Der deutsche Benediktinermönch und christliche Bestseller-Autor Anselm Grün sieht keine theologischen Gründe gegen Priesterinnen, Bischöfinnen oder eine Päpstin. „Hier geht es um geschichtliche Prozesse. So etwas braucht Zeit“, sagte Grün der „Augsburger Allgemeinen“. Der erste Schritt müsse nun sein, dass Frauen zu Diakoninnen geweiht würden. Auch gegen die Abschaffung des Zölibats gebe es keine theologischen Gründe, so der Münsterschwarzacher Benediktiner. Deshalb müsse die verpflichtende Ehelosigkeit für Priester jedem freigestellt werden. Über Papst Franziskus sagte Grün: „Er würde mit seinen Reformen bestimmt weitergehen wollen, will aber auch eine Kirchenspaltung nicht provozieren.“ Allein durch seine Sprache habe der Papst einen neuen Geist in die Kirche gebracht. „Unter seinen Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI. wurden Priester oft anonym angeschwärzt.“ Dieses Denunziationssystem gebe es nicht mehr. (kap v. 30. 3. JA v. 8. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Als erstes islamisches Land der Welt hat Pakistan den Brauch der Mitgift quasi verboten. Dem neuen Gesetz zufolge wird die Mitgift deutlich beschränkt, wenn auch nicht völlig abgeschafft. Die Regierung habe damit eine „historische Entscheidung" getroffen, die „wichtig für die Ärmsten der Nation" sei, sagte der Bischof von Hyderabad, Samson Shukardin, laut der Nachrichtenagentur „Fides“. Die Ausgaben für die Mitgift würden oft auf Kosten der täglichen Bedürfnisse gehen und besonders arme Familien nicht selten in Schulden stürzen. „Darüber hinaus ist materieller Reichtum sicherlich nicht der zentrale Aspekt der Ehe", betonte Shukardin. Er drängte das zuständige Ministerium, bei der Umsetzung des Gesetzes ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, „dass keine Frau Gewalt ausgesetzt ist, weil sie keine ausreichende Mitgift mitgebracht hat". In Pakistan waren bisher Geschenke und Mitgift in der Heiratsurkunde dokumentiert sowie festgeschrieben, wie im Falle einer Scheidung zu verfahren wäre. Vor Pakistan haben in den vergangenen Jahren bereits Indien wie auch das säkular verfasste Bangladesch die Praxis des Forderns und Annehmens von Mitgift verboten. In traditionell orientierten Teilen der Gesellschaft wird sie jedoch weiterhin im Geheimen praktiziert. (fides u. kap u. vn v. 1. 12.)

     

  • Die „Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz“ (RKZ), der Zusammenschluss der römisch-katholischen Kantonalkirchen, tritt offiziell für die Zulassung zum Priesteramt ein unabhängig von Zivilstand und Geschlecht. Auf Antrag der Landeskirche Baselland hat die Plenarversammlung der RKZ diese Zielsetzung in ihre Strategieplanung für die Jahre 2020 bis 2023 aufgenommen. Im gleichen Passus des Dokuments setzt sich die RKZ dafür ein, dass die Kirche den Frauen aufgrund ihrer gleichen Würde auch gleiche Rechte einräumt und das Volk Gottes an Entscheidungen beteiligt. Die Zustimmung der am 28. November per Videokonferenz abgehaltenen Plenarversammlung zu dem Antrag der Landeskirche Baselland erfolgte mit gut zwei Dritteln der Stimmen, teilte Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini der Baselbieter Synode mit. Die Landeskirche Baselland ist seit ihrer Gleichstellungsinitiative von 2014 durch ihre Kirchenverfassung verpflichtet, sich für dieses Anliegen einzusetzen. (www.kirche-heute.ch v. 2. 12.)

     

  • Der theologische Dialog zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche sollte von Initiativen des gemeinsamen Zeugnisses begleitet werden. Das betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. nach Angaben der Stiftung „Pro Oriente“ in der Liturgie zum Andreas-Fest im Istanbuler Phanar. Bei diesen „Initiativen des Zeugnisses" gehe es um Aktionen in gegenseitigem Vertrauen. An dem Gottesdienst in der St. Georgskathedrale nahm auch eine „brüderliche Delegation" aus dem Vatikan mit Kardinal Kurt Koch teil. Der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in Gang gekommene Dialog schreite mit „Beharrlichkeit, Realismus und vollem Vertrauen in die Göttliche Vorsehung" auf jenem Weg voran, der zum Ziel der so sehr ersehnten vollen Einheit führen werde. Das werde trotz der Einwände jener geschehen, die entweder den Wert der Theologie gering schätzten oder die Ökumene für eine Utopie hielten. Die jüngsten „tragischen Ereignisse der Gewalt im Namen Gottes und der Religion" machten den Wert und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs deutlich. Der Patriarch ist überzeugt, dass die Ausarbeitung einer allgemein akzeptierten christlichen Anthropologie eine wichtige Unterstützung für die Beziehungen von orthodoxer und römisch-katholischer Kirche bedeuten würde. Denn erst dann werden die Kirchen auf dem Weg der Wahrheit und der Liebe, den Quellen wahren Lebens und wahrer Freiheit in Christus, voranschreiten. (kap v. 2. 12.)

     

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