Auf den Niederösterreichseiten der Tageszeitung "Kurier" erschien am 9. 4. 2026 ein ganzseitiger Artikel mit dem Titel "Rom fordert >Reflexion der Ausrichtung<". Weiter hieß es: "Stift Heiligenkreuz. Das Dikasterium für das geweihte Leben im Vatikan hat die Visitation im Kloster im Wienerwald abgeschlossen und den Mönchen fünf Aufträge zur Umsetzung erteilt."
Patrick Wammerl und Joseph Kleinrath fassen in ihrem Artikel die im Auftrag des Vatikan erfolgte und nun beendete Visitation des Stiftes Heiligenkreuz zusammen. Am Ende der von Sr. Christine Rod MC und dem Benediktiner-Abtprimas Jeremias Schröder OSB durchgeführten Visitation gibt es demnach nun vatikanische Anweisungen für die weitere Entwicklung, nämlich dass sich die Mönchsgemeinschaft in den kommenden Monaten und Jahren a) mit einer "Reflexion der theologischen und spirituellen Ausrichtung", b) mit besserer Kommunikation nach innen und außen, c) mit strategischer Zukunftsplanung, d) mit einer "Vertiefung der Heranführung junger Menschen an das monastische Leben und das Priestertum" und e) mit der "Schärfung von Identität und Selbstbild des Stiftes Heiligenkreuz" beschäftigen müssen.
Visitatorin und Visitator betonten zugleich die positive Spiritualität des Ortes und eine große Kooperationsbereitschaft der Mönche, die das Stift als „spirituellen Ort“ und dynamische Gemeinschaft erscheinen lässt. Doch soll sie sich intensiv mit den nun gegebenen Anweisungen auseinandersetzen, um Identität, Selbstbild und Zukunftsfähigkeit des Stifts zu schärfen. Eine solche „Schärfung“ scheint dem Kloster im Laufe der Jahre abhandengekommen.
Der Bericht zeigt unmissverständlich, dass die Krise nicht in erster Linie mit einem einzelnen Vorwurf endet, sondern mit einem umfassenden Reformauftrag an die Mönchsgemeinschaft.
Dem gut recherchierten Kurierartikel schließe ich mich vollinhaltlich an, meine aber zusätzlich:
Die Tatsache, dass auch eine Ordensfrau mit der Visitation in einem „Männerkloster“ beauftragt wurde, ist in der katholischen Kirche ein eher seltenes, durchwegs positives Novum.
Die Zukunftsfragen dieser Ordensgemeinschaft müssen anschaulich und allgemein verständlich gelöst werden, will man nicht das Mönchtum generell einer öffentlichen und nicht nur kircheninternen Missbilligung und somit einer Ablehnung aussetzen. Das nämlich haben sich viele katholische Ordensgemeinschaften nicht verdient.
Peter Karl Gardowsky