Bin ich (k)ein gläubiger Christ?

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Der Passauer Bischof Stefan Oster meinte zu Maria Himmelfahrt, dass gläubige Christen sich mit dem CSD schwer täten. Roman Fürst fragt dagegen: Bin ich kein gläubiger Christ?

Es ist schon wieder passiert: Ein Bischof redet über christliche Werte und spricht ganz nebenbei jenen, die diese Werte nicht in der gleichen Weise vertreten wie er selbst mehr oder weniger das Christsein ab.

So geschehen zu Maria Himmelfahrt 2026 im bayrischen Wallfahrtsort Altötting, wo der Passauer Bischof Stefan Oster feiertagsgemäß eine Predigt hielt, die auf der Homepage seines Bistums als programmatisch gelobt wurde und bei der er die angeblich fortschreitende Entfernung der deutschen Gesellschaft vom biblischen Menschenbild kritisierte. Oster sieht in dieser Entwicklung eine Gefahr für die Demokratie, weil andere Menschenbilder als die der Bibel "beinahe automatisch" dazu tendieren würden, "dass das Auseinander und Gegeneinander der verschiedensten Interessen" zunehme und damit auch der Ruf "nach der einfachen und schnellen Lösung durch eine starke Autorität an der Spitze".

Als Beispiel für die fundamentale Veränderung der Gesellschaft führte Oster den Christopher-Street-Day an, wo Lebensweisen, sexuelle Präferenzen und angeeignete Identitäten zur Schau gestellt würden, mit denen sich gläubige Christen schwer täten.

Und da ist sie, die Übergriffigkeit gegen meinen christlichen Glauben - ganz nebenbei ausgesprochen, fast unmerklich artikuliert. Denn: Ich bin gläubiger Christ und tue mir anders als der Bischof trotzdem nicht schwer mit einem Christopher-Street-Day und den dort sichtbar hervortretenden Lebensweisen, sexuellen Präferenzen und auch nicht den dort wahrnehmbaren Identitäten. Dass letztere bloß angeeignet wären, wie Bischof Oster - ebenfalls fast nebenbei - anklingen lässt, würde ich allerdings nicht zu behaupten wagen, denn die humanwissenschaftlichen Forschungen der letzten Jahrzehnte legen anderes nahe.

Nun bin ich selbst kein "Fan" des Christopher-Street-Days - allein schon aus dem Grund, dass ich solche Menschenaufläufe grundsätzlich nicht recht mag; ich bin auch auf keinen Faschingsumzügen und selbst bei Prozessionen und Wallfahrten habe ich mich manchmal schon unwohl gefühlt. Aber wenn ein anderer Mensch gern hingeht, um auf diese Weise seinen Glauben, seine Philosophie oder seine Lebenshaltung zu zeigen und auch zu feiern - warum sollte ich damit ein Problem haben?

Ein Problem habe ich aber, wenn mir jemand mein Christ-Sein abspricht oder wenn jemand meinen christlichen Glauben dahingehend vereinnahmt, dass er behauptet, ich müsste mir von Glaubens wegen mit anderen Lebensentwürfen schwer tun. Muss ich nämlich nicht: Wenn Gott die Welt bunt geschaffen hat, will ich sie nicht auf zwei Farben reduzieren. Die Buntheit der Welt passt gut in das Bild meines christlichen Glaubens.

Roman Fürst, 18.8.2026