Das dreifache Amt Jesu Christi

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Martha Heizer bereitet sich auf die Kirchenvolkskonferenz im Oktober vor. Und teilt vorab einige Gedanken.

Zur Vorbereitung auf die Kirchenvolks-Konferenz am 17. Oktober in Enns lese ich gerade das Buch unseres Hauptreferenten Thomas Ruster: „Balance of Powers“ (2019); trotz des englischen Titels ist es auf Deutsch geschrieben. Ich lerne viel dabei und es bestätigt mich sehr.

„Das traditionelle katholische Verständnis des Amtes und insbesondere des priesterlichen Amtes braucht nicht weitergeführt zu werden“, erläutert Ruster ausführlich und argumentiert dabei sowohl kirchengeschichtlich als auch ekklesiologisch. Zugleich legt er „Umrisse eines neuen Amtsverständnisses“ frei. Das belegt er umfassend mit biblischen Grundlagen. Wie immer ist die Tradition vielfältig: Recht unterschiedlich hat man im Laufe der Jahrhunderte die Rede von Jesus Christus als König, Priester und Prophet verstanden. Immer wieder wurde diese Rede theologisch angereichert. Ruster meint nun, „dass es einfach ansteht, diese Lehre endlich aus ihren verstreuten Vorkommen in der Geschichte herauszulösen und sie in ihrem ganzen angewachsenen Reichtum für heute zur Geltung zu bringen. In ihr liegt das Potential für eine neue Kirche, ein Potential, das in 2000 Jahren Geschichte gewachsen und dabei mit zentralen biblischen Überlieferungen verbunden ist“ (S. 142).

Auf den ersten Blick war mir gar nicht so deutlich bewusst, was für eine Möglichkeit dieser Ansatz für uns heute bietet. Inzwischen bin ich Feuer und Flamme dafür. Ruster legt nämlich dar, dass diese drei Ämter - er nennt sie präziser lateinisch: „munera“ -, sich gut unterscheiden ließen, auch wenn hin und wieder die Begabungen dafür zusammenfallen. Im Normalfall könnte man deshalb jeweils jene Menschen dafür ordinieren (beauftragen), die dafür besonders geeignet und ausgestattet sind. Dann gäbe es also beauftragte Leiter*innen (Königsamt, Zusammenhalt der Gemeinde, Lösung von Konflikten, Wahrung der Verschiedenheit ohne Verlust der Einheit), Lehrer*innen (Prophetenamt für Verkündigung, Predigt, Katechese usw) und Sakramentenspender*innen (Priesteramt für Beten, Segnen, Heilen und Heiligen). Keines dieser „munera“ ist an die sogenannte „Wandlungsvollmacht“ gebunden, weil es diese in dieser Form nicht braucht.

Interesse geweckt??

Das Buch ist 231 Seiten dick, diese paar Zeilen sind keine Inhaltsangabe. Sie sind lediglich dazu gedacht, Sie neugierig zu machen auf das Buch, auf unsere Kirchenvolks-Konferenz in Enns und das Referat, das Thomas Ruster dort halten wird. Auch die bald erscheinende Sommernummer unserer Zeitung wird dieser Thematik gewidmet sein.

Ich habe dieses spannende Buch übrigens nur mehr gebraucht erhalten. Es lohnt, sich schnell um ein Exemplar zu kümmern. Und vor allem: im Oktober nach Enns zu kommen!

Martha Heizer