"Bei allem Respekt: Der Papst ist auch nur ein Mensch!" - Dieser Gedanke schoss mir durch den Kopf, als ich in den VATICAN-News vom 22. Juli 2026 las, mit welchen Worten der Kirchenrektor von Vallepietra seine Freude bezüglich des Überraschungsbesuches von Papst Leo an diesem Vormittag kundtat.
Nicht, dass man sich nicht freuen dürfte, wenn unter den Besucherinnen und Pilgern unerwartet auch der Heilige Vater auftaucht und dieser nicht nur dem Heiligtum einen Besuch abstattet, sondern sich auch Zeit nimmt für Begegnungen und Gespräche. Für die Menschen, die an diesem Tag einfach einen Ausflug oder eine Wallfahrt nach Vallepietra machten, war es sicher eine besondere Freude, dass der Papst von seinem Urlaubsdomizil in Castel Gandolfo just an dem Tag einen Abstecher ins Heilgtum der Sanctissima Trinità machte, als auch sie dort waren.
Außergewöhnlich war es auch für den Kirchenrektor: „Es war wirklich etwas ganz Besonderes. Heute war ein wunderschöner, angenehmer Tag mit einer leichten Brise. Und dann diese in Weiß gekleidete Gestalt mitten unter den Menschen ..." - An dieser Stelle stockte ich beim Lesen. Ob sich der Rektor in seinen Formulierungen hier nicht doch etwas versteigt? Als ob der Papst nicht selbst auch ein Mensch wäre! Es gemahnt an Papolatrie, den Pontifex als "in Weiß gekleidete Gestalt mitten unter den Menschen" zu beschreiben. Solche Zuschreibungen mögen den Erzengeln geziehmen oder den Heiligen, die sich in einer Erscheinung zeigen. Aber nicht einem Menschen. Auch nicht dem Papst.
Warum ich mich darüber so echauffieren kann? Weil uns die übertriebene und unkritische Verehrung des Papstes - um nicht das Wort Vergötterung zu verwenden, was Papolatrie auch bedeuten kann - die Möglichkeit nimmt, das Reden und Handeln des Papstes mit der Kraft des Verstandes nüchtern zu beurteilen und wir stattdessen wieder eine Aura der Unfehlbarkeit um den Papst herum aufbauen, die der Kirche noch nie gut getan hat. Eine solche Papstverehrung mag emotional nachvollziehbar sein, aber vernünftig ist sie nicht.
Roman Fürst, 23.7.2026
Foto: Around Rome