Katholischsein könne man nicht nur aus den Dogmen und den lehramtlichen Schreiben heraus entwickeln, sagte die Salzburger Dogmatikerin Franca Spies am 4. August im Rahmen der Salzburger Hochschulwochen; wie jeder einzelne Mensch die eigene katholische Identität verstehe, müsse sich im Dialog klären. Spies verwies dabei auf die Weichenstellungen durch das Zweite Vatikanische Konzil mit seiner Öffnung hin zum Judentum und anderen Religionen.
"Es gibt keine fixierte katholische Identität, die ein für alle Mal feststeht" so Franca Spies, die im Juni 2026 in Salzburg ihre Antrittsvorlesung hielt und nun auch die diesjährigen Salzburger Hochschulwochen eröffnet hat. Letztlich sei die katholische Identität Aushandlungssache, auch wenn es freilich Eckpfeiler gebe, an denen sich diese Aushandlung orientierten müsse.
Das erinnert mich an meine Zeit am Institut für Religionspädagogik an der theologischen Fakultät in Innsbruck. Herlinde Pissarek-Hudelist und ich haben oft gemeinsame Seminare mit anderen Fachbereichen der Theologie angeboten. Da habe ich nun durchaus noch einige „dogmatische Röhrengucker“ in Erinnerung (wobei es solche auch außerhalb der Dogmatik gab). Mit großer Verwunderung haben diese wahrgenommen, dass sich ihre festgefahrenen Lehrsätze in der Auseinandersetzung mit anderen durchaus aufweichen ließen und sogar verändern konnten – innerhalb gewisser „Eckpfeiler“ natürlich - wir stimmen ja nicht über die Auferstehung ab, wie ich immer sage. Es geht nicht nur darum, dass ein möglichst guter Zugang zur Lehre gefunden werden muss, sondern es gilt darüber hinaus anzuerkennen, dass auch eine Schulklasse, ein Bibelkreis, ein Obdachlosenheim zum Ort theologischer Erkenntnis (zum Locus theologicus) werden kann; dass es wichtig ist, sich darauf einzulassen, anstatt einfach nur zu dozieren und zu meinen, dass sich „Katholisch-Sein“ von oben herab festlegen ließe. Nicht wenige haben gemerkt, dass sich dabei auch ihre eigene katholische Identität zumindest modifizierte.
Franca Spies kann ich nur von Herzen zustimmen, wenn sie sagt, dass es keine fixierte katholische Identität gibt, die ein für alle Mal feststeht.
Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung gemacht habe und schon so früh lernen durfte, was „Synodalität“ meint: Hinhören, Dialog, Auseinandersetzung, Bereitschaft auch zur eigenen Veränderung.
Martha Heizer, 5.8.2026