Ein mehrtägiger Segeltörn in der wunderschönen kroatischen Inselwelt machte mich vor kurzem zur engagierten Verteidigerin der Kirche. Das ist umso bemerkenswerter, als ich mich ja für die Reformanliegen von „Wir sind Kirche“ engagiere. Und als solcher wird mir von "braven" Katholik:innen immer wieder einmal vorgeworfen, ich würde die Kirche nicht lieben.
Nun, unsere Segelcrew setzte sich aus einer bunten Schar von Frauen und Männern zusammen, die aus unterschiedlichsten Lebensfeldern kommen und sich vorher teils noch nie gesehen hatten; drei davon aus Überzeugung aus der Kirche ausgetreten, zwei - darunter ich - aus Überzeugung immer noch Mitglied der Kirche, eine Mitglied der Altkatholischen Kirche.
Auf so engem Raum plaudert man über Belangloses, kommt ins Philosophieren und immer wieder einmal auch auf Religiöses zu sprechen. Eine Gelegenheit dazu ergab sich beim Frühstück an Bord unseres kleinen Segelschiffs, das gerade in der Bucht von Rab ankerte. Ich konnte beiläufig die Frage der Gruppe nach dem in der Bucht gelegenen großen Gebäude mit Kirche beantworten, weil ich davor recherchiert hatte. Es handelt sich um das Kloster einer Priestergemeinschaft, die unter anderem auch am Millstätter See in Österreich eine Niederlassung hat.
Sofort kam das Thema auf „die unmöglich reiche Kirche, die sich die besten Plätze mit dem Geld erkaufe, das sie den gefügig gemachten Gläubigen abknöpfe“. Im Übrigen sei die Kirche ohnehin nur eine verlogene Gesellschaft, die die Bibel zu ihren eigenen Gunsten umgeschrieben habe und deren Geschichte blutige Schuld dokumentiere und auch heute noch nur ihren Machterhalt anstrebe. Schlagartig erinnerte ich mich an oft gehörte Aussagen von Schülern und Schülerinnen aus der Zeit, als ich noch an einer berufsbildenden höheren Schule als Religionslehrerin tätig war. Wie damals versuchte ich nun auch diesmal die Meinungen ernst zu nehmen und zugleich argumentativ zu relativieren. Ich hörte mich erzählen von wirtschaftlich unabhängig agierenden Klöstern, von der Ehrfurcht der handschriftlich tradierenden Mönche dem Wort Gottes gegenüber, das sie niemals gewagt hätten umzuschreiben. Auch das viele Gute, das wir als Gesellschaft heute noch unserer 2000-jährigen christlichen Geschichte verdanken, versuchte ich anzusprechen, all das basierend auf diesem Jesus Christus, der die Liebe predigte und den Egoismus, die Gier und das Machtstreben verurteilte. Dass ausgerechnet das „Bodenpersonal Gottes“, die Männer des Klerus, den Versuchungen von Macht und Ehre, von Geld, Egoismus und Missbrauch oft nicht widerstehen konnten und können – und damit all das Gute unglaubwürdig machen - musste ich als Tatsache freilich zugestehen. Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, die festgefahrenen Vorurteile meiner Reisegesellschaft ein wenig zu relativieren - jedenfalls waren es wertschätzende und durchaus tiefgehende Gespräche, die wir da miteinander führten. Und einmal mehr wurde mir bewusst, wie gering das Wissen um und das Interesse an der Kirche und dem von ihr tradierten Glauben im Allgemeinen noch ist.
Bei der stundenlangen, unter vollen Segeln sanften und ruhigen Überfahrt Richtung Heimathafen klangen die Gespräche in mir noch lange nach. Das Bild von der Kirche als im Wasser treibenden Boot drängte sich mir auf. Die gerade angenehm ruhige und träge See erinnerte mich ein wenig an die Selbstzufriedenheit unserer Kirche der Gegenwart. Sehen der Kapitän und seine Mannschaft (ja MANNschaft!) wohl ausreichend, dass das Wetter umschlagen kann oder vielleicht schon umgeschlagen hat und dass Gewitterwolken allzu rasch gefährliche Wetterlagen bringen können?
Astrid Krogger, 7.8.2026