Eigentlich bedeutet das Wort "katholisch" - vom Altgriechischen katholikós kommend - "allumfassend" und meint damit die Gesamtheit all jener Menschen, die sich in ihrem Glauben zum dreifaltigen Gott des Christentums bekennen. Zugegebenermaßen wird es immer legitim sein, darüber nachzudenken, ob es nicht doch auch etwas gibt, das sich nur katholisch nennt und es doch nicht ist. In Zeiten wie diesen würde ich etwa meinen, dass das demonstrativ zur Schau gestellte Aschenkreuz auf der Stirn des amerikanischen Kriegsministers eine solche Diskussion wert wäre. Dass Kardinal Woelki in der Kölner Chrisam-Messe aber gerade sonntägliche Wortgottesfeiern mit Kommunionspendung für die Grenzziehung zwischen Katholisch und Nicht-mehr-Katholisch auserkoren hat, ist mehr als nur daneben. Es ist ein Schlag ins Gesicht der um den Tisch des Herrn Versammelten.
Als Bischof wäre Kardinal Wölki eigentlich der Hirte seiner Gläubigen. Es wäre demnach seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die spirituellen Bedürfnisse der Gläubigen so gut wie möglich erfüllt werden können. Nach katholischer Lehre würde dazu auch die sonntägliche Eucharistiefeier zählen und eigentlich wäre es nicht zu viel verlangt, zu erwarten, dass in jeder Pfarrkirche wenigstens eine sonntägliche Eucharistie in einer Form gefeiert werden kann, die geeignet ist, die Menschen in ihrem Glauben und Leben zu stärken. Dass dies schon lange nicht mehr der Fall ist, liegt nicht in der Verantwortung der Gläubigen, sondern in der Verantwortung der Bischöfe. Sie haben es verabsäumt, dafür Sorge zu tragen, dass die Kirche genügend gute Priester hat. Zölibat und Männlichkeit waren den Bischöfen wichtiger als die Sehnsucht der Gemeinden nach der Eucharistie.
Wen wundert es, dass die Gemeinden da selbst aktiv werden und nach Lösungen suchen? Sind die Menschen als Getaufte und Gefirmte nicht bevollmächtigt, ihren Glauben selbst in die Hand zu nehmen, erst recht, wenn die Bischöfe sie derart im Stich lassen? Und ist die Wortgottesfeier mit Kommunion wirklich eine Gefährdung der Eucharistiefrömmigkeit oder könnte man sie nicht sogar im Gegenteil als Hinweis darauf deuten, wie wichtig den Gläubigen die gemeinsame Sonntagsfeier und der Empfang der Eucharistie sind?! Immerhin ist es in Köln etwa Vorschrift, dass die konsekrierten Hostien unmittelbar vor der Wortgottesfeier extra aus einer Nachbargemeinde geholt werden. Müsste man solche Bereitschaft, Christus auf diese Weise in die eigene Sonntagsgemeinde hereinzuholen, nicht als heilige Wertschätzung der Eucharistie verstehen?
Aber dem Kardinal geht es womöglich gar nicht um die Eucharistie. Sondern eher um die Bedeutung des Priesters: Der Priester soll das Alleinstellungsmerkmal für die Leitung der sonntäglichen Zusammenkunft haben. Es darf nicht sein, dass die Gemeinde ohne Priester feiern kann. Und schon gar nicht, dass sie es mit Freude tut. Aus diesem Grund wird diskreditiert, was in den Gemeinden jahrelang gut umsorgt gewachsen ist, den Glauben genährt und das Leben der Menschen gestärkt hat. An eine gedeihende und Frucht bringende Saat wird die Sichel gelegt!
Aber diese Rechnung wird nicht aufgehen: Wer den sonntäglichen Feiern die Kommunion nimmt, untergräbt das letzte Vertrauen der Menschen, dass die Kirche das Jesuswort "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" ernst nimmt; die Gläubigen werden sich Formen und Rituale außerhalb der Kirchen finden und einmal mehr wird offensichtlich sein, wie wenig die Kirche die Zeichen der Zeit verstanden hat. Dabei wäre es so einfach: Von denen, die heute Wortgottesfeiern leiten, wären viele bereit, sich morgen schon zum Priester oder zur Priesterin weihen zu lassen. Und die Eucharistie wäre gerettet. Voraussetzung wäre freilich, dass man den Menschen vorher nicht schon das Katholisch-Sein abgesprochen hat.