Ende der deutschen Theologie?

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Die Zahl der Theologiestudierenden im deutschen Sprachraum bricht ein. Die Frage ist: Warum?

Was aufmerksam Beobachtende schon lange festgestellt haben, ist nun auch statistisch belegt: Die Zahl jener Frauen und Männer, die an den deutschen Universitäten Theologie im Vollstudium betreiben, ist massiv eingebrochen. Besonders dramatisch fällt der Rückgang der Theologiestudierenden im Fünfjahresvergleich an den staatlichen theologischen Fakultäten Deutschlands aus - ihnen dürften in den letzten sechs Jahren 50 % der Auszubildenden abhanden gekommen sein! Aber auch die kirchlichen Hochschulen leiden unter einem deutlichen Rückgang, im Durchschnitt sind es immerhin gut 20 %. Dass es einzelne Ausreißer gibt wie etwa die Pallottiner-Hochschule in Vallendar oder die neugegründete Kölner Hochschule für Katholische Theologie kann den Gesamteindruck nur mäßig mildern: Deren Zuwächse hängen zumindest zum Teil mit auswärtigen Studierenden aus der Weltkirche zusammen, über die man sich zwar freuen darf, die aber nicht darüber hinwegtäuschen können, dass sich immer weniger Deutsche für das Theologiestudium entscheiden können.

Seit die Zahlen des Statistischen Bundesamt der Bundesrepublik Deutschland vorgelegt wurden (Mitte Februar 2026), üben sich die unterschiedlichen Akteure in einer Beleuchtung der Ursachen und Hintergründe. Je nach Blickwinkel und Eigeninteresse wird dabei entweder Bedauern über die nun auch statistisch dokumentierte Entwicklung geäußert oder fast jubilierend der "Tod der Theologie in Deutschland" beschworen.

Es gilt wohl, die Kirche im Dorf zu lassen: Zum einen ist zu sehen, dass die Geisteswissenschaften als solche in der aktuellen Bildungslandschaft einen schweren Stand haben - im erwähnten Zeitraum gibt es da ein Studierenden-Minus von 12,5 % -, zum anderen ist auch die spezifisch kirchliche Situation im 21. Jahrhundert zu beachten. Denn trotz anderslautender Wünsche einer Mehrheit des Kirchenvolkes sind Frauen und Nicht-Zölibatäre immer noch vom Priesteramt - und damit dem früheren eigentlichen Grund des Theologiestudiums - ausgeschlossen, immer noch gelten nicht so sehr theologische Qualifikationen, sondern vielmehr Männlichkeit und Ehelosigkeit als die eigentlichen Voraussetzungen für das Priesteramt. Deutlich wird das soeben in Österreich, wo die Regentenkonferenz der Priesterseminare im Auftrag der Bischofskonferenz ernsthaft andenkt, dass man sich bei Spätberufenen durchaus auch mit dem Bachelor zufriedengeben könnte. Wer theologische Qualifikationen derart gering achtet, möge sich bitte nicht wundern, dass sich bald keine jungen Leute mehr in Theologie einzuschreiben trauen. Immerhin hat, wer den Weg der Kirche interessiert verfolgt, ja auch mitbekommen, wie ungeliebt qualitätsvolle kritische Theologie in den Augen der hohen Würdenträger ist. Da hilft es auch nicht, wenn im Nachklang von Jahrzehnten oder halben Jahrhunderten kritische Theologen doch wieder eine gewisse Ehrerbietung seitens der Amtskirche erfahren, wie es etwa bei Yves Congar, Henri de Lubac, sogar Hans Küng und vielen anderen der Fall war. Wer sich fürs Theologiestudium entscheidet, möchte schon in seinen jungen Jahren Wertschätzung oder wenigstens Ernsthaftigkeit erfahren und nicht erst quasi posthum als alter Greis. Das Problem, dass sich viele junge Menschen nicht mehr zu einer theologischen Vollausbildung durchringen, ist daher zumindest AUCH hausgemacht.

Roman Fürst