Was wäre die Feier der Osternacht ohne das Exsultet?! Schon als kleiner Ministrant war ich beeindruckt, wenn dieser "Gesang der Engelschöre" durch die nur vom Kerzenlicht erhellte Kirche drang. Wie wunderbar, wenn die Stimme des Priesters auch die kleinsten Winkel unserer Basilika erfasste und alles Volk andächtig dem Lob der Kerze lauschte!
Doch nicht immer waren es so reine Gedanken, die mir kleinem Ministranten da durch den Kopf gingen. Manchmal gab es da schon auch ein gewisses Ziehen um die Mundwinkel - dann nämlich, wenn die Ehre des Singens einem Priester zuteil wurde, der der großen Herausforderung im musikalischen Sinn nicht gewachsen war. Wie glücklich bin ich, dass in unserer Pfarrgemeinde das Exsultet heute ganz selbstverständlich in der Verantwortung eines Kantors oder einer Kantorin liegt und der Gesang der Osternacht daher über jedes Belächeltwerden erhaben ist!
Und da fand ich dieser Tage nun ganz zufällig eine Ausgabe des deutsch-lateinischen Osterlobs gemäß der römischen Originalmelodie aus dem Jahr 1979 und darin ein Vorwort des Bearbeiters und Herausgebers, P. Erwin Bücken SJ. Was er darin schreibt, erscheint mir im Hinblick auf die Beteiligung von Lai:innen an der Liturgie, der participatio actuosa und der Frage nach liturgischen Weiterentwicklungen als höchst aufschlussreich. Man beachte beim Lesen: Diese Zeilen wurden vor nahezu einem halben Jahrhundert geschrieben:
"Natürlich werden beide deutschen Bearbeitungen dieser Veröffentlichung da auf Ablehnung stoßen, wo ein Sänger sich zuviel zugemutet hat. Der Gesang des Osterlobes kann aber jetzt notfalls auch von sangesfähigen Laien vorgetragen werden. Diese Möglichkeit sollte einem ggf. dürftigen Priester- oder Diakonengesang vorgezogen werden, der im übrigen nicht gewinnen kann durch Bescheidung mit einer einfacheren, monotonen Melodie. Nicht jede Art von >simpel< (>simplex>) verdient im Rahmen liturgischen Gesanges die Qualifikation >archaisch-sakral< und wird ... dem festlich-frohen Jubel des Exsultet gerecht."
Und weiter: "Es bleibt zu hoffen, daß die vielen, die längst ein Ende der liturgischen Experimente verlangen, es begrüßen werden, daß kein neues deutsches Exsultet ausprobiert werden soll, sondern daß die alte Originalmelodie jetzt auch zum offiziellen deutschen Text erklingen kann."
Auch das ist eine interessante Bemerkung: der Hinweis auf die vielen, die ein Ende der liturgischen Experimente verlangen - 1979! Das Interessanteste am gesamten Vorwort aber scheint mir die Insistenz zu sein, mit der darin dargelegt wird, dass es viel besser sei, "sangesfähige Laien" mit der Aufgabe des Exsultet zu betrauen als Kleriker, wenn diese das Osterlob nur sehr "dürftig" vortragen könnten. Beim Exsultet hat sich diese Meinung im Lauf eines halben Jahrhunderts mittlerweile Gott sei Dank weitestgehend durchgesetzt. Beim Predigtdienst im Rahmen der Eucharistiefeier aber hinken wir immer noch nach. Aber auch hier behaupte ich: Der Verkündigung wegen sind die heranzuziehen, die es können! Denn auch da habe ich schon zu oft erlebt, wie ein Prediger - um es vornehm mit den Worten von P. Bücken auszudrücken - "sich zuviel zugemutet hat."
Harald Prinz
Foto: Christoph Huemer