Es war die kanaanäische Frau aus dem Sonntagsevangelium (Mt 15,21-28), die den Papst zu bemerkenswerten Worten unmittelbar vor dem Angelusgebet in Castel Gandolfo inspirierte: In ihr sieht Papst Leo XIV. ein Beispiel für einen Glauben, der sich nicht entmutigen lässt.
„Obwohl sie nicht zu seinem Volk gehört und in einer fremden Gegend lebt, versucht sie beharrlich, mit Jesus zu sprechen, indem sie ihm wie eine Jüngerin folgt, die bereits eine Bindung zu ihm hat. Sie wären einander eigentlich nie begegnet, doch der Glaube war auf geheimnisvolle Weise bereits in ihr erwacht“, erläuterte der Papst.
Auf ihrem Glaubensweg sei sie sich jedoch mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert: Die Jünger betrachteten sie als eine „lästige Person“ und Jesus selbst widersetze sich ihrem Bitten. Dennoch habe sie in Jesus den Messias erkannt und vertraue darauf, dass bei ihm auch ihre leidende Tochter Hilfe finden würde.
Und letztlich sei es ihre Demut, Hartnäckigkeit und Glaubensstärke, die für ein unerwartetes Ergebnis sorge: Jesus lasse sich von dieser Begegnung berühren und überraschen.
In all dem liege auch eine Aufgabe für die Kirche, resummierte der Papst: „Auch heute kann sich die Kirche vom Wirken Gottes überraschen lassen und den Frieden Christi über die bereits gezogenen Grenzen hinaus weitergeben. Ihre Mission wird durch die göttliche Gnade vorweggenommen, die im Verborgenen der Gewissen wirkt, sodass wir bei jeder Begegnung – selbst bei jenen, die unsere Pläne durcheinanderbringen – die Ohren spitzen, die Augen öffnen und das Herz für das öffnen müssen, was Gott uns sagen will.“
Die Kirche dürfe sich also nicht von selbstgezogenen Grenzen bestimmen lassen, sondern sollte aufmerksam wahrnehmen, wo Gottes Gnade bereits wirkt – auch dort, wo Menschen oder Situationen ihre bisherigen Vorstellungen infrage stellen, so der Papst, der hinzufügte, dass wir von der kanaanäischen Frau „Demut und Entschlossenheit“ lernen könnten.
„Dank ihres Glaubens lernen wir, dass Gottes Tisch für alle gedeckt ist und dass niemand nur mit den Krümeln vorliebnehmen muss (vgl. Mt 15, 26-27), weil alle beim Vater einen eigenen Platz haben. Im Lichte dieses Glaubens werden jene Ungleichheiten, Diskriminierungen und Barrieren unerträglich, die die Würde allzu vieler Söhne und Töchter Gottes mit Füßen treten.“
Aus der Sicht der Kirchenreformbewegungen ist diesen Worten von Papst Leo nichts hinzuzufügen. Dem Papst ist im Hinblick auf diese Katechese vorbehaltlos zuzustimmen. Und es ist zu begrüßen, dass er ausdrücklich nicht nur von der Würde von Gottes Söhnen, sondern auch der von Gottes Töchtern spricht, die da mit Füßen getreten wird.
Vorerst einmal sind die Worte des Papstes freilich nicht mehr als eine biblisch gut fundierte Diagnose. Der nächste Schritt muss sein zu fragen, was das für die Kirche im Konkreten bedeutet und was daraus zu folgern ist. Denn die Kirche lebt nicht nur von Worten, sondern auch von Taten.
Harald Prinz, 17.8.2026