Kommt jetzt das Predigtverbot für Diakone und Konzelebranten?

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Roman Fürst plädiert für dosierte Provokation gegenüber dem römischen Liturgiepräfekten..

Es ist wieder ruhig geworden um das römische Nein auf die Bitte der Deutschen Bischofskonferenz um Zulassung der Laienpredigt in der Eucharistiefeier. Waren die Wogen in den ersten Wochen nach Bekanntwerden des römischen Schreibens noch hoch gegangen, scheint nun vielerorts die Überzeugung zu wachsen, dass es zielführender sein kann, mit Rom nicht immer alles gleich ausdiskutieren zu wollen.

Der Erste, der sich in diesem Sinn geäußert hat, war der emeritierte Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner, der in seiner Reaktion auf das römische Veto nicht nur den Vatikan, sondern auch die deutschen Bischöfe kritisierte: "Sie hätten einfach den Entwicklungen in den Gemeinden vertrauen können und gar nichts fragen sollen"; die Praxis, also die Normativität des Faktischen, werde langfristig erweisen, dass ein römisches Verbot nichts nützen wird, Reform beginne meistens von unten.

Doch ob man die Antwort aus Rom wirklich einfach so stehen- und liegenlassen kann, ist noch nicht ausgemacht. Denn die römische Antwort war nicht nur ablehnend, sie war auch schwach und dürftig - und das in einem Ausmaß, dass sie zu theologischem Widerspruch geradezu herausfordert. Felix Neumann hat sich schon vor Wochen auf katholisch.de darüber gewundert, dass die Antwort aus Rom im Wesentlichen lediglich die universalkirchliche Rechtslage schildert, obwohl Bischof Wilmer ja gerade eine Abweichung von dieser Rechtslage beantragt habe. Vor allem aber kam Neumann bezüglich der von Kardinal Roche behaupteten untrennbaren Verbindung von Verkündigung des Evangeliums, Predigt und Vorsitz der Eucharistiefeier zu einem bemerkenswerten Schluss: "Konsequent angewendet, müsste man dann allen Diakonen das Predigen verbieten, ebenso wie allen Priestern, die der jeweiligen Messe nicht vorstehen."

In dieselbe Kerbe schlägt nun der Bischof von Mainz, Peter Kohlgraf. Der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz sagte im Interview mit katholisch.de am 10.8.2026: "In dem Schreiben des Liturgiepräfekten heißt es, dass nur der Priester, der die Messe feiert, derjenige ist, der dort predigt. Aber ein Priester, der konzelebriert, oder ein Diakon, der mitfeiert, dürfte dann konsequenterweise ebenso nicht in dieser Messe predigen." Kohlgraf will sich in der Diözese Mainz grundsätzlich an die vatikanische Vorgabe halten, dass Laien in der Messe keine Predigt halten, ergänzt aber: "In der Praxis hat es sich aber eingebürgert, dass das schon hin und wieder trotzdem vorkommt. Dort werde ich es ... nicht ändern."

Es bleibt nun also zu entscheiden, ob das römische Papier nun einfach in der Schublade verschwindet und man sich aus Kalmierungsgründen weder in Rom noch in Deutschland näher damit beschäftigt oder ob man sich nicht doch die Mühe macht, die pastorale Situation in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien, ... ehrlich in den Blick zu nehmen und sie mit unvoreingenommener theologischer Expertise ins Gespräch zu bringen. Letzteres wäre zielführender und vor allem auch der Weltkirche dienlich. Ob es aber mit Rom zu machen ist?

Vielleicht sollte die deutsche Bischofskonferenz in die Offensive gehen und mit Verweis auf das Schreiben von Kardinal Roche ein Predigtverbot für Diakone und Konzelebranten im Rahmen der Eucharistiefeier erlassen. Eine solche Provokation wäre mehr als spannend und vielleicht sogar fruchtbar.

Felix Neumann sieht auf katholisch.de freilich eine andere Aufgabe, die nun vorrangig zu erledigen ist: "Es muss theologisch und insbesondere ekklesiologisch argumentiert werden: Die Messe ist nicht Feier des Priesters, sondern Feier der Gemeinde, der der Priester vorsteht. Argumente für die Laienpredigt müssen aus dem Kirchenverständnis der Communio, der Gemeinschaft, entwickelt werden. Die Beteiligung von Laien darf nicht als möglicherweise sogar von demokratischen Sensibilitäten getriebene Gerechtigkeitsfrage präsentiert werden, sondern unter Verweis auf den in der Taufe grundgelegten Verkündigungsdienst aller Glieder des Volkes Gottes."

Roman Fürst, 12.8.2026