Kommunionfasten auf Südtirolerisch

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Der Bischof von Bozen-Brixen nützte ausgerechnet den Fastenhirtenbrief, um darzulegen, dass Wortgottesfeiern ohne Kommunion stattfinden sollen.

Man wird Ivo Muser, Bischof von Bozen Brixen, nur wenig entgegensetzen können, wenn er in seinem Fastenhirtenbrief 2026 darlegt, dass die Kirche aktuell große Veränderungen erlebt, die sich auch in der Pastoral widerspiegeln und in der Liturgie niederschlagen. Auch dass sich der Priestermangel immer deutlicher auswirkt, wird niemand leugnen. Heikler ist vielleicht schon die ebenfalls getroffene Feststellung eines Gläubigenmangels, der an die Substanz vieler Pfarr- und Gottesdienstgemeinschaften gehe, wie der Bischof schreibt: Kann man wirklich so ohne Weiteres einen Gläubigenmangel diagnostizieren, nur weil viele Menschen nicht mehr in die Kirche kommen? Haben sie deshalb ihren Glauben verloren? Oder kommen sie nicht mehr in die Kirche, weil sie dort nicht mehr finden, was sie sich in ihrem Glauben und Suchen erhoffen?

Diese Frage ist keine periphere. Und sie hat sogar unmittelbar mit der im Fastenhirtenbrief getroffenen Entscheidung des Bischofs zu tun, Menschen, die aufgrund des Fehlens eines Priesters sonntags keine Eucharistie feiern können, nicht zur Kommunion gehen zu lassen. Denn natürlich kann man argumentieren, dass Christus auch im Wort gegenwärtig ist; aber kann man Gläubigen deswegen die Gegenwart Christi im Brot vorenthalten? Würde umgekehrt jemand auf die Idee kommen, Eucharistiefeiern ohne biblische Lesungen zu fordern, weil Christus ohnehin im Brot gegenwärtig sei und es daher die Gegenwart Christi im Wort nicht auch noch bräuchte? Vor allem aber: Hat Jesus beim letzten Abendmahl, als er Brot und Wein mit den Seinen teilte, nicht für alle Zukunft den klaren Auftrag gegeben "Tut dies zu meinem Gedächtnis!"?

Der von Bischof Muser vorgeschriebene Weg wird nur dazu führen, dass mehr und mehr Gläubige sonntags nicht mehr zur Kirche kommen. Viele werden sich sagen "Beten und singen und erst recht Bibellesen kann ich zuhause auch." Man wird sie zu Recht erinnern, dass es auch um die sonntägliche Versammlung geht, um die Gemeinschaft und um ein Zeichen für die Welt. Alles richtig. Aber ob sie darauf hören werden? Oder nicht doch sagen "Wenn es keine Kommunion mehr gibt ..."

Der erfolgversprechendere Ansatz wäre, den Weg der permanenten Notlösungen zu verlassen und ehrlich darauf hinzuschauen, dass die Kirche um des Glaubens willen endlich ihre Strukturen ändern muss: Auch in Südtirol gibt es beherzte Männer und Frauen, vollausgebildete Theolog:innen wie auch Christinnen und Christen, die sich neben einem anderen Beruf aus reinem Interesse und innerem Antrieb mit Bibel und Theologie auseinandersetzen und von denen viele bereit wären, im Dienst ihrer Gemeinde Liturgie zu leiten und dabei auch der Eucharistie vorzustehen. Warum nur lässt man sie nicht?

Ivo Muser geht einen anderen Weg. Ignoriert Jesu Gebot "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" und nimmt der Kirche in seiner Diözese die Chance, sich bestmöglich in einem christlichen Sinne zu entfalten. Mangelverwaltung ist angesagt statt Auferstehungshoffnung. Für einen Hirtenbrief in der vorösterlichen Bußzeit klingt das ziemlich nach Themenverfehlung.

Roman Fürst