Die Kritik an der geplanten berufsbegleitenden Priesterausbildung in Österreich hat nun auch zu einer Reaktion von Richard Tatzreiter, dem Regens der diözesanen Priesterseminare von Wien, St. Pölten und Eisenstadt geführt. Im Gespräch mit kathpress antwortete er auf Kritik, die von "christlichen Basisgemeinden" geäußert wurde und betonte dabei, dass auf diesem Wege die moderne Lebensrealität mit wichtigen Elementen der klassischen Priesterseminar-Ausbildung verbunden werden solle. Er unterstrich die Zugehörigkeit der Kandidaten zu einem konkreten Priesterseminar und sah die eingeforderten "Momente der gemeinschaftlichen Sozialisation" im neuen Modell durchaus berücksichtigt.
Ein wesentlicher Punkt klingt freilich auch in diesem zweiten kathpress-Bericht nur am Rande an: die theologische Ausbildung im Rahmen eines Studiums. Wenn es bei kathpress wortwörtlich heißt "Grundlagen des neuen >zweiten Weges< bleiben einerseits das theologische Studium zumindest auf bachelor-Niveau oder höher, an einer Hochschule, Universität oder auch per Fernstudium", dann stellt sich bei aufmerksamer Lektüre doch die Frage, ob man hier nicht "werden" mit "bleiben" verwechselt. Denn wo gab es das bisher: Priesterwerden im Fernstudium oder Priesterwerden mit nur bachelor-Niveau?
Ja, es gab immer wieder Ausnahmen von der Regel: Männer, die ohne theologischen Abschluss geweiht wurden. Die Frage sei erlaubt, ob es gut war, diese Ausnahmen zu genehmigen. Die Bischöfe Schönborn und Schwarz mögen sich diese Frage stellen. Nun aber ist man drauf und dran, die Ausnahme zur Regel zu machen: Künftig geht es auch offiziell billiger: Mann muss du sein, 45 musst du sein - dann brauchst du kein ganzes Theologiestudium mehr. Aber wehe du bist eine Frau, dann hilft dir auch die beste Theologie nicht weiter!
Aber ich will nicht selbst auch ungerecht sein und dem neuen Papier - das übrigens immer noch nirgends offen nachzulesen ist -, auch seine gute Intention lassen: Kann es nicht tatsächlich Menschen geben, die erst in vorgerücktem Alter Interesse und Begabung entdecken (Berufung verspüren) und die für andere seelsorglich tätig sein wollen, ohne dafür die hohe Theologie studiert zu haben? Sind nicht auch viele Ständige Diakone segensreich in der Seelsorge tätig, ohne ein ganzes Theologiestudium absolviert zu haben? - Dazu kann nur geantwortet werden: Ja, ABER ...! Denn man darf keinesfalls vergessen, was mit der Priesterweihe alles verbunden und verbandelt ist. Und hierbei ist vor allem an die Leitungsvollmacht zu denken. Es ist eines, jemanden mit einem seelsorglichen Dienst zu betrauen (aus dem er/sie außerdem auch wieder entlassen werden kann), oder jemanden in ein Amt hineinzuweihen, das ihn per definitionem auf einen höheren Stand hebt und ihm Leitungsvollmacht verleiht bis ans Ende seiner Tage.
Regens Tatzreiter sprach im Gespräch mit kathpress von einer "kleinen, aber wachsenden Zielgruppe" von Interessenten. Was aber, wenn diese Zielgruppe größer wird? Wenn es populär wird, sich mit einer mageren theologischen Ausbildung zu begnügen, weil einem - erst einmal zum Priester geweiht - in der Not der Zeit sowieso alle Wege offenstünden? Ich gestehe: Ich habe schon zu viele flache Predigten gehört und zu viele standesversessene Priester erlebt als dass ich diesem neuen Weg vertrauen könnte.
Und wenn Regens Tatzreiter nun erzählt, dass er sich freut, dass man eine Innovation geschafft hat, dann juckt es mich schon zu sagen: Echt innovativ wäre es, die Berufungen von Frauen ernst zu nehmen und diesen die Aufnahme in ein Priesterseminar zu ermöglichen: Da muss ich nicht erst bei 45-60 Jahren ansetzen, da gibt es auch Junge, da gibt es außerdem theologisch voll Ausgebildete, da gibt es sogar Zölibatäre und Ordensschwestern! Deren Berufung ernsthaft zu prüfen, das wäre eine Innovation! Aber was die Regentenkonferenz da vorgelegt hat, ist nichts anderes als ein unausgegorener Versuch, im Rahmen eines längst gescheiterten Systems doch noch irgendwie zu Priestern zu kommen. Aber dieses "Irgendwie", so fürchte ich, wird sich bitter rächen.
Harald Prinz