Am 28.2.2026 wurde in Hildesheim der 48jährige Martin Marahrens von Heiner Wilmer, dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, zum Weihbischof geweiht. Mitkonsekratoren waren die beiden emeritierten Weihbischöfe von Hildesheim, Nikolaus Schwerdtfeger und Heinz-Günter Bongartz. Bei seiner Predigt sprach Diözesanbischof Wilmer vor allem vom bischöflichen Dienst der Verkündigung des Evangeliums sowie von Einheit und Gemeinschaft und beschwor in diesem Kontext auch die Bedeutung der Synodalität. Diese sei, so Wilmer, kein Verfahren, sondern vielmehr eine "geistliche Haltung"; der Dienst an der Einheit bedeute das Verschiedene zusammenzuhalten und auch die leisen und unbequemen Stimmen zu hören.
Bei diesen Worten mag sich mancher an die Predigt von Kardinal Schönborn bei der Weihe seines Nachfolgers Josef Gründwidl im Wiener Stephansdom fünf Wochen zuvor erinnert haben. Als ersten Rat nämlich gab der emeritierte Erzbischof von Wien seinem Nachfolger wörtlich mit "Höre auf die Menschen, die dir ehrlich die unangenehmen Dinge sagen! Wenn dem <Chef> nur >gute Nachrichten< gemeldet werden, ist der Schmeichelei Tür und Tor geöffnet!"
In Österreich hat ob dieser Worte manch kritischer Geist aufmerksam die Ohren gespitzt; in Deutschland wird es nun wohl nicht anders gewesen sein: Ist es nicht gerade in der Kirche immer wieder gang und gäbe, dass kritische Stimmen von Vornherein abgewehrt oder gar überhaupt ignoriert werden? Ein beredtes Beispiel dafür ist der Umgang der Österreichischen Bischofskonferenz mit den österreichischen Kirchenreformbewegungen unter dem Zusammenschluss von kirchenreform.at; diese haben die Bischofskonferenz 2025 schriftlich um ein Treffen ersucht, um miteinander ins Gespräch zu kommen, wie die Ergebnisse und Erkenntnisse der Weltsynode in der österreichischen Kirche umgesetzt werden könnten; außer einer Empfangsbestätigung gab es keine Reaktion. Ein zweites Schreiben Monate später blieb überhaupt gänzlich unbeantwortet.
Da stellt sich doch die Frage, wie ernst es jemandem mit derlei öffentlich geäußertem "Lob der Kritik" ist. Auch Kardinal Schönborn hat in seiner aktiven Zeit als Erzbischof von Wien oft erst sehr spät auf die Menschen gehört, die ihm oder allgemein unangenehme Dinge gesagt haben. Es ist ja vielleicht auch ein menschlicher Zug, bei Kritik manchmal lieber weghören zu wollen oder überhaupt gleich den Kopf in den Sand zu stecken. Aber synodal ist es eben nicht - und weiterbringen wird es auch nichts und niemanden.
Bleibt zu hoffen, dass Martin Marahrens und Josef Grünwidl das Lob der Kritik, das ihnen bei ihren Weihegottesdiensten ans Herz gelegt wurde, doch ernst nehmen und der Rat ihrer älteren Bischofskollegen nicht irgendwann unerhört verklingt!
Harald Prinz
Foto: Erzdiözese Wien, Stephan Schönlaub