Hans Küng ist seit fünf Jahren tot. Mit ihm fehlt eine wichtige Stimme in unserer Kirche. Gott sei Dank gibt es so viele Bücher von ihm!
Ganz unabhängig von seiner Theologie aber erinnere ich mich sehr persönlich an ihn.
„Wir sind Kirche“ erhielt 1996 den von Herbert Haag gestifteten Preis „Für Freiheit in der Kirche“. Von Anfang an war Hans Küng Präsident der Stiftung. Die Preisverleihung fand damals in Tübingen statt, wo Herbert Haag und Hans Küng lehrten. Die Laudatio von Elisabeth Moltmann-Wendel berührt mich heute noch, wenn ich sie lese.
Anschließend waren Thomas Plankensteiner, Bernhard Deflorian und ich „im Hause Küng“ zum Abendessen im kleinen Kreis geladen. Jürgen und Elisabeth Moltmann, Herbert Haag, Hans Küng: welch erlauchte Gesellschaft! Welche Wertschätzung für unser Kirchenvolks-Begehren!
Damals also lernte ich Hans Küng aus der Nähe kennen. Er war ein liebenswürdiger Gastgeber, ein spritziger Unterhalter – und ein warmherziger Mensch. Natürlich waren unsere Gespräche voll mit Theologie und Weltethos (Küng hatte gerade die „Weltethos-Stiftung“ gegründet). Nichts davon war hochtrabend oder überfordernd, den ganzen Abend lang war es belebend und spannend, den Überlegungen an unserem Tisch zu folgen und interessierte Fragen zu beantworten.
Beim 80. Geburtstag von Hans Küng waren wir wieder geladen, diesmal nach Luzern. Wir erlebten ein wunderschönes Fest mit so vielen Menschen, die sich in Küngs Spur für Theologie und Kirche, Menschheit und Gesellschaft begeisterten. Und wieder strahlte Hans Küng Menschenfreundlichkeit und Gottverbundenheit aus. In seiner Nähe fühlte man sich einfach wohl.
Hans Küng war ein Gottesgeschenk für unsere Kirche. Ob sich die Kirchenleitung dessen bewusst ist? Dass Papst Franziskus Hans Küng 2016 in einem persönlichen Brief mit "Lieber Mitbruder" anredete und Küngs Vorstoß zu einer freien Diskussion über den seit 1870 geltenden päpstlichen Unfehlbarkeitsanspruch begrüßte, hat noch nicht zu jener Freiheit des Geistes geführt, die wir in der Kirche dringend bräuchten. Der fünfte Todestag von Hans Küng ist mir daher Erinnerung: nicht nur an die Vergangenheit eines großen Theologen, sondern auch daran, dass wir unsere Kirche in die Zukunft denken müssen!
Martha Heizer