Papst Leo zeigt Mut gegenüber der Trump-Administration, obwohl diese Auseinandersetzung durchaus das Potential einer Kirchenspaltung hätte - z.B. mit Bischof Barron an der Spitze. Den Papst hindert das nicht: Er agiert und spricht auf der Grundlage der katholischen Soziallehre und vertritt die Prinzipien einer Politischen Ethik für die Menschheitsfamilie. Wenn es wirklich zum Bruch kommt, sollte man den potentiellen Abtrünnigen in den USA und anderswo sagen "Geht mit Gott, aber geht! Wenn ihr euch wieder an Jesus und seinem Evangelium orientiert, dann könnt ihr zurückkommen."
Einen ähnlichen Mut der Kirchenleitung wünsche ich mir in der Frage der Frauenweihe: Eine weitere "Vertröstung" in einer derart existentiellen Frage für die Kirche ist kontraproduktiv: sie zeigt, dass man die "Zeichen der Zeit" nicht verstanden hat bzw. nicht verstehen will und dass man die eigene Leitungs-/Dienstverantwortung nicht ernst nimmt. Schon der heilige Papst Johannes XXIII. sprach Mitte des letzten Jahrhunderts zu Recht von der Frauenfrage als "Zeichen der Zeit"! Warum nur versteht die Kirche dieses Zeichen immer noch nicht? Warum nur hat sie keinen Mut, das Thema offensiv anzugehen?
Mit Zustimmung des Papstes könnte es durchaus auch eine dezentrale Entscheidung für jene Länder (etwa in Mitteleuropa und Amazonien) geben, in denen die Frauenweihe auf eine breite Zustimmung des Volkes Gottes in der jeweiligen Kultur trifft. Die Menschen anderer Kulturen hätten dann nicht das Recht, den Zustimmenden die Frauenweihe zu verbieten. Sie würden sie aber auch nicht sofort mitmachen müssen. Was es jedoch auf alle Fälle braucht, ist die Stärkung des innerkirchlichen Dialogs in diesen Fragen. An einem solchen kommen wir nicht vorbei.
Axel Stark / Foto: Diözese Linz, Laurenz Kaiser