Es war an sich ein schönes Datum, das Abt Maximilian Heim für die Ankündigung seines Rücktritts ausgesucht hat: das Fest des heiligen Bernhard von Clairvaux, der in der zisterzienischen Stiftstradition als großer Ordensvater verehrt wird.
Und die von Heim genannten Beweggründe für seinen Rücktritt klingen durchaus verständlich: Er steht dem Stift seit fast 16 Jahren vor, war zuvor schon Prior und Novizenmeister und zudem fast zehn Jahre Abtpräses der österreichischen Zisterzienserkogregation gewesen, bevor er dieses Amt 2025 mit der Begründung einer Herzerkrankung zurücklegte. Nun möchte er - so die Bekanntgabe am Fest des heiligen Bernhard - in die Seelsorge zurückkehren und als Theologe wirken. Auch empfindet er, dass das Amt in jüngeren Hände liegen sollte. Alles in allem die scheinbar verständlich Entscheidung eines 65Jährigen, der die Bürde der Ämter lang genug getragen zu haben meint.
Was in der Bekanntmachtung des Stiftes jedoch auffallend fehlt, ist der Hinweis darauf, dass es um das Stift in den letzten Jahren sehr unruhig geworden ist: Es gab anonyme Schreiben mit Vorwürfen der Nötigung und des Missbrauchs, die auch die Staatsanwaltschaft auf den Plan riefen und es gab schließlich eine vom Vatikan beauftragte Visitation des Stiftes, die explizit auch den „Leitungsstil der Abtei in seiner Gesamtheit sowie das persönliche Führungsverhalten des Abtes“ untersuchen sollte. Sollte das alles mit den Rücktritten von Maximilian Heim als Abtpräses und als Abt wirklich gar nichts zu tun haben?
Über die Ergebnisse der Visitation, die vom Abtprimas der Benediktinischen Konföderation, Jeremias Schröder, und der Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, Christine Rod, durchgeführt wurde, ist nur das bekannt, was das Stfit selbst kommunizierte. Demnach habe das vatikanische Ordensdikasterium das Stift unter anderem angewiesen, die interne und externe Kommunikation zu verbessern und klare strategische Prioritäten für die Gemeinschaft zu entwickeln. Außerdem sollte die theologische und spirituelle Ausrichtung des Klosters überprüft werden. Und auch die sinnvolle Heranführung junger Menschen an das Ordensleben sowie die Schärfung von Identität und Selbstbild des Stifts seien vom Vatikan angesprochen worden.
Doch es gab bald Vermutungen, dass die Leitung des Stifts die Visitatiosergebnisse geschönt dargestellt haben könnte. So meinte der Wiener Kirchenhistoriker Klieber im ORF bereits kurz nach der Bekanntgabe durch das Stift, dass hinter einer zunächst positiven Darstellung des Visitationsverlaufs "sehr deutliche Kritikpunkte" sichtbar würden; in deren Zentrum stünde die bisherige Aufnahme- und Entwicklungspraxis des Klosters; man habe "bislang vielleicht allzu sehr auf Quantität denn auf Qualität geschaut" und sei "vielleicht allzu großzügig und unkritisch" bei der Aufnahme von Traditionalisten aus verschiedenen Ländern gewesen. Dadurch sei ein großer Konvent entstanden, in dem sich auch Personen befänden, "die man anderswo aus guten Gründen von einem geistlichen Weg ausgeschlossen hat".
Im Hinblick auf die Leitung durch Abt Maximilian Heim sagte der Kirchenhistoriker damals, wenn ein Evaluationsteam feststelle, "dass meine Kommunikation verfehlt war, dass ich in der Auswahl des Nachwuchses zu großzügig war oder dass ich kein Konzept für die Zukunft habe", müsse man überlegen, "ob man diesen Prozess nicht in andere Hände legen müsste".
Nun also ist es soweit: Abt Heim legt die Leitung in andere Hände. Er macht den nötigen Schnitt. Aber es ist ein Schnitt mit ungenügender Transparenz. Mag ihm selbst dieser Schritt auch einen Abgang in Würde ermöglichen, so ist dem Stift damit womöglich nicht wirklich gedient. Denn wenn es Fehlentwicklungen gab - und dafür spricht viel -, dann kann nur deren Offenlegung und kritische Durchleuchtung nachhaltige Verbesserung bringen. So aber läuft das Stift Gefahr, bloß das vorderste Gesicht auszutauschen und ansonsten in ähnlicher Weise weiterzuwerken wie bisher.
Ob das der Grund ist, dass das Ordensdikasterium dem Stift anstelle einer Abtwahl die Wahl eines Administrators für eine Zeit von drei Jahren verordnet hat? Um dem Stift so eine gewisse Reflexionsphase zu verschaffen, eine kreative Pause zum Finden von Hebeln, mit deren Hilfe die Kurskorrektur zu schaffen ist?
Das letzte Kapitel rund um die Unruhen von Heiligenkreuz ist damit bestimmt noch nicht geschrieben.
Roman Fürst, 21.8.2026
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