Priesternot treibt seltsame Blüten

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Kommentar von Astrid Krogger zum österreichischen Sonderweg der Priesterausbildung für 45- bis 60Jährige

Die Not der Kirche, für ihre heilbringende Tätigkeit nicht genügend Priester zur Verfügung zu haben, treibt immer buntere Blüten: Nun soll es möglich werden, sich als älterer Mann und Quereinsteiger zum Priester weihen zu lassen. Notwendig dazu ist nur ein berufsbegleitendes theologisches Fernstudium auf Bachelorniveau, sowie ein paar Präsenzstunden im Priesterseminar.

Ich verstehe schon die große (Priester)Not, der das Ansinnen entspringt, jedoch hindern die innerkirchlichen Scheuklappen offensichtlich einmal mehr zu sehen, wie sehr dieser Vorstoß (wieder einmal) einer Abwertung gleichkommt: einer Abwertung von theologisch gut ausgebildeten verheirateten Männern aufgrund ihres Lebensstandes und noch viel mehr theologisch gut ausgebildeter Frauen aufgrund ihrer geschlechtlichen Merkmale.

Ich kenne den Mechanismus dieser Scheuklappen selbst: Jahrzehntelang habe ich mich als voll ausgebildete Theologin brav eingefügt in diese „gottgegebene“ kirchliche Ordnung, die mich als Frau auf den zweiten Platz verweist. Ich habe trotz eines theologischen Doktorats brav die Ausbildung zur Wortgottesfeierleiterin mitgemacht und mich von einem afrikanischen Pfarrer belehren lassen, dass frau (!) einem Priester nicht widerspricht. Aber langsam lege ich diese Scheuklappen ab. Immerhin ist die zentrale Botschaft von Weihnachten, dass Gott Mensch wird. Mensch, nicht Mann! Also worauf kommt es an? Oder sollten wir tatsächlich besser von der Mannwerdung sprechen, da die Kirche doch immer wieder betont, dass nur ein Mensch mit männlichen Geschlechtsmerkmalen Christus repräsentieren, also Priester sein kann?? Nicht was ein Mensch im Kopf und im Herzen hat, ist demnach vorrangig wichtig, um Priester zu sein, sondern … ich erspare mir Details.

Nun – man möge mir den Zynismus verzeihen: Was die neue Ausbildungsschiene anbelangt, erweist sich der Trend der letzten Jahrzehnte, nicht mehr kirchlich zu heiraten, als eklatanter Vorteil! Egal wie viele (uneheliche) Kinder Sie haben, lieber Kandidat, egal ob Sie in einer Beziehung sind: Wenn Sie sich zum Priester berufen fühlen, gehen Sie´s an! Kinder und/oder Partner/in sind meiner Erfahrung nach für die Kirche ohnehin nicht wirklich ein Problem (siehe auch das aktuelle Interview mit Toni Faber in der Süddeutschen). Machen Sie einen Fernkurs, lassen Sie sich weihen und schon sind Sie befähigt, am Altar zu stehen. Und, falls das Ihrem geheimen Ego guttut, können Sie nebstbei die hochwürdigen Ehren genießen und (kanonisch) legal Frauen auf den zweiten Platz verweisen und ihnen notfalls den Mund verbieten. Denn immerhin sind SIE dann der Herr Pfarrer!

Astrid Krogger