Priesterweihe als Mittel gegen Klerikalismus???

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Am 20. 6. 2026 weihte Erzbischof Josef Grünwidl im Wiener Stephansdom fünf Diakone zu Priestern. Ein pointierter Satz seiner Predigt veranlasst Gerhard Hubmer zu einer kritischen Entgegnung.

Nach vielen positiven und erwartungsvollen Wortmeldungen des neuen Erzbischofs von Wien bin ich jüngst wieder auf den Boden der Realität geworfen worden: Bei der Priesterweihe im Stephansdom am 20. Juni 2026 legte Erzbischof Grünwidl dar, dass für ihn „die Priesterweihe ... das Sakrament der Immunisierung gegen jede Form des Klerikalismus“ sei.

Das ist schon ein starkes Stück Geschichts- und Realitätsverweigerung. Ehrenamtliche Gemeindeleiter nennen sich im 3. Jh. Priester nach jüdischem Vorbild – um entlohnt zu werden! Um kultisch in der römischen Gesellschaft anerkannt zu werden, müssen sie Opfer bringen – und das, obwohl es seit Jesus kein Opfer mehr gibt („Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“, Mt 9,13; vgl. Hos 6,6). Und so meinen die Priester, sie müssen täglich einen Opferritus durchführen, weil sonst – ja was sonst? Das ist zwar die harmlose Variante zum täglichen Menschenopfer der Azteken (damit täglich die Sonne aufgeht) – aber wozu?

Die selbstgemachte Funktion des Priesterstands – samt allen dem Priesterstand selbst zugedachten Privilegien – erhob nun diese weit über die Getauften. Es entstand der Klerikalismus, der die einfachen Getauften letztlich zu Christ:innen zweiter Klasse degradierte. Diese Zwei-Klassen-Gesellschaft war auch die Basis für Überhöhungen des Priesterstandes, die in Aussagen wie denjenigen des Pfarrers von Ars gipfelten: „Nach Gott ist der Priester alles… Ohne Priester würden der Tod und das Leiden unseres Herrn nichts nützen.“

Dass der Klerikalismus seine (sich selbst und nur sich selbst zugestandenen) Pfründe immer wieder verteidigt, ist im jüngsten Bescheid des zuständigen vatikanischen Dikasteriums an die deutsche Bischofskonferenz nachzulesen: Katholik:innen ohne Weihe dürfen im Rahmen einer Messe weiterhin nicht predigen.

Die Priesterweihe ist also NICHT die Immunisierung gegen Klerikalismus, sondern die "notwendige" und auch hinreichende Bedingung FÜR den Klerikalismus. Immun macht die Priesterweihe manchmal nur gegen jede Form der Kritik an der Klerikerkirche.

Ich träume davon, dass sich die Kirche vom Priesterbild in seiner gegenwärtigen Form verabschiedet und Frauen und Männer ihr Gemeindeleben als Getaufte in Eigenverantwortung gestalten, sowohl die Organisation als auch die Gottesdienste. Das ist mein Traum für unsere Kirche.

Foto: Erzdiözese Wien, Schönlaub, Stephan Schönlaub: Priesterweihe 2026