Die „Weltkirche“ im Blick zu haben, ist ein Argument FÜR Reformen in der katholischen Kirche, nicht dagegen. Das beweist u.a. ein Interview der Zeitschrift „jesuitenweltweit“ (Herbst 2026). Dort bekräftigt der Jesuit Pater Heinz Hamm, der seit Jahrzehnten in Japan lebt, wie fundamental wichtig Veränderungen innerhalb der Kirche auch für die Katholiken und Katholikinnen in Japan sind. Wenn die Rede vom „Volk Gottes“ (Zweites Vatikanisches Konzil) tatsächlich ernst genommen würde, käme die hierarchische Pyramide ins Wanken, sagt er. „Autorität käme nicht automatisch durch Weihe oder Titel. Entscheidend wäre die Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, zuzuhören und eine Gemeinschaft geistlich zu führen.“ Er spricht auch von Einheit und notwendiger Vielfalt. „Einheit bedeutet nicht, dass überall dieselben Formen gelten müssen“.
Wenn liturgische Sprache, Leitungsformen und Pastoral nicht aus den jeweiligen Kulturen kämen, bliebe „die Kirche ein europäischer Exportartikel“. Japanische Liturgie zB dürfe durchaus anders aussehen als europäische. Damit käme den Ortskirchen eine viel wichtigere Rolle zu und die Fixierung auf den Papst könnte sich lockern. Hamm beklagt den Zustand, dass viele hochgebildete, beruflich erfahrene und geistlich engagierte Frauen aus kirchlichen Entscheidungsprozessen weitgehend ausgeschlossen bleiben. „Das ist nicht nur ungerecht, sondern selbstzerstörerisch. Es gäbe genügend Frauen, die Gemeinden leiten könnten. Die Kirche muss aufhören, Begabung und Berufung am Geschlecht zu messen.“ Sein Resümee erinnert stark an unseren – alten – Forderungskatalog des Kirchenvolks- Begehrens: „Die Zukunft der Kirche liegt deshalb weder in einem starken Papst noch in nostalgischen Formen.
Sie beginnt dort, wo Gemeinden den Menschen etwas zutrauen, Frauen und Männer gleichrangig behandeln und unterschiedliche Kulturen ihre eigene christliche Sprache finden. Dann könnte die Kirche wieder ein Leuchtturm sein, nicht weil sie herrscht, sondern weil sie zeigt, wie Gemeinschaft in Verschiedenheit gelingt.“ Wie war das noch gleich mit dem Argument, das uns so oft entgegengehalten wird, dass nämlich Reformen ach so schwierig seien, weil man doch die Weltkirche im Blick haben müsse? Genauso, wie man beim Rekurs auf „Tradition“ immer fragen muss, welche denn damit gemeint sei, muss man auch immer fragen, welche „Weltkirche“ denn?
Martha Heizer, 20.9.2026