Sieben suspendierte Priester in Afrika - und was das mit Europa zu tun hat

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Der Bischof von Maralal (Kenia) hat sieben Priester seiner Diözese suspendiert. Harald Prinz sieht darin auch ein Thema für die europäische Kirche.

Ein Bischof suspendiert ein Fünftel oder Sechstel seiner Priester und erlässt für alle anderen rigide Regeln, die ihnen den Konsum von Alkohol ebenso verbieten wie die Teilnahme an liturgischen Feiern unter Alkoholeinfluss oder in verkatertem Zustand. Auch der Umgang mit Besitz wird neu geregelt; so dürfen Geistliche in der Diözese von Hieronymus Emusugut Joya nun keine Unternehmen mehr besitzen und für Verwandte keine Immobilien erwerben. So weit, so klar. Skuriller wird es, wenn sich der Bischof an die Frauen in seiner Diözese wendet und diese ermahnt, Priester nicht in Versuchung zu führen und sie "zu Affären zu zwingen."

Zum Schmunzeln und Lachen ist das alles aber nicht. Man mag darüber diskutieren, ob der Bischof den Ton richtig getroffen hat und die Maßnahmen geeignet sind, Besserung oder wenigstens Linderung herbeizuführen. Aber man wird - wenn man dem Bischof nicht grundsätzliche Inkompetenz unterstellen will - nicht umhinkommen, das Problem etwas tiefer zu beleuchten.

Die Grundfrage muss wohl lauten: "Warum will in diesem Land jemand Priester werden?" - Man möge sich hüten, alle Seminaristen und Priester dieser Diözese oder dieses Landes unter einen Generalverdacht zu stellen: Es wird wohl auch jene geben, die aus einer persönlichen Glaubenserfahrung heraus handeln und den Weg zum Priestertum einschlagen, weil sie Jesus Christus nachfolgen wollen. Gerade aber auch um diese zu schützen, muss diese Frage gestellt werden: "Warum will jemand Priester werden?" Denn es gibt auch die anderen: Die, die aus niedrigen Motiven heraus handeln, denen es nicht um das Evangelium geht, sondern um persönliches Prestige, um Anerkennung, Geld und Reichtum.

Ich erinnere mich an einen jugendlichen Burschen in Rumänien, der mir einmal erzählte, dass er nach Deutschland gehen wolle, um dort Priester zu werden. Ich fragte ihn, warum unbedingt in Deutschland, wo es in Rumänien doch genug Arbeit für Priester gebe. Seine Antwort war ebenso ehrlich wie bezeichnend: In Deutschland könne er dann einen Mercedes fahren.

Dort in Rumänien war ich oft auch mit einer alten Klosterschwester beisammen, die lange Jahre ihres Lebens in der Mission in Afrika gearbeitet hatte. Von einem ihrer Einsatzorte erzählte sie mir, dass die Priester dort praktisch alle Kinder gehabt hätten, manchmal sogar von mehreren Frauen, weil das Vatersein in der dortigen Kultur für die Männer ganz grundsätzlich eine so tief verankerte Bedeutung habe, dass der Zölibat, wie er von der Kirche gedacht werde, von den meisten gar nicht verstanden werden könne.

All das geht mir durch den Kopf, wenn ich von den Disziplinarmaßnahmen des Bischofs von Maralal höre. Es relativiert, was bei uns gern über die afrikanische Kirche und ihre vollen Priesterseminare erzählt wird. Auch deswegen möchte ich, dass man genau hinschaut und fragt, warum dort jemand Priester werden will: weil man die vollen Priesterseminare Afrikas gern den Kirchenreformbestrebungen auf anderen Kontinenten entgegenhält, um zu demonstrieren, dass das herkömmliche Priestertum in Afrika doch so wunderbar funktioniere. Mit Maralal ist dieses Narrativ sehr hohl geworden. Es scheint, dass die afrikanische Kirche die Krise des Priestertums auch nicht für uns lösen wird.

Harald Prinz, 20.7.2026