Sind Sie ein Laie? Eine Laiin? Wenn ja, auf welchem Gebiet? Unser herkömmliches Verständnis meint mit diesem Begriff jemanden, der von einer bestimmten Sache, in einem bestimmten Fach wenig bis keine Ahnung, keine professionelle Ausbildung hat. Ich selbst bin also in sehr vielen Bereichen eine Laiin.
Das Wort kommt aus dem Griechischen - laos - und meint ursprünglich einfach „Volk“, auch „eine Menge“, eine „Versammlung vieler“. Schon spannend, welchen Bedeutungswandel das Wort im Laufe der Jahrhunderte erfahren hat. Bald schon ist das Wort „laos“ auf das „Volk Gottes“, also das „Kirchenvolk“ ausgedehnt worden. Zum Volk Gottes gehören natürlich alle Getauften, also solche mit Priesterweihe und solche ohne.
Dann gab es einen weiteren Bedeutungswandel. Das Wort Laie wurde verwendet, um den Klerus vom übrigen „Volk Gottes“ zu unterscheiden. Demnach wären die Laien nur jene, die nicht geweiht sind (außer durch die Taufe), die wenig bis keine Ahnung von der Lehre unseres Glaubens haben, unabhängig davon, wie tief ihr persönlicher Glaube ist und wie viel sie von Gott erzählen können. Doch: Wenig Ahnung von Theologie? – Das mag über Jahrhunderte gestimmt haben, solange nur Priesteramtskandidaten zum Theologiestudium zugelassen waren.
Aber das hat sich geändert. An unseren Theologischen Fakultäten bilden jene Frauen und Männer, die keine Priesterweihe anstreben oder zu dieser nicht zugelassen werden, die deutliche Mehrheit. Auch außerhalb der Universitäten bilden sich viele theologisch weiter, und Möglichkeiten dafür gilt es ausreichend. Die Erfahrung zeigt, dass es Wissende und Unwissende unter den Klerikern wie auch unter den Laien/Laiinnen gibt.
Und so beißt sich unser herkömmliches Verständnis von „Laie“ als einer Person, die sich nicht auskennt, mit dem heutigen kirchlichen Verständnis von „Laie“ als einer Person, die theologisch gebildet ist, aber nicht Priester werden will oder darf. Deshalb spreizt sich etwas in uns, im kirchlichen Kontext überhaupt noch von „Laien/Laiinnen“ zu reden.
Wie aber sonst?
Wenn wir diese Unterscheidung von Klerus und „Laien“ aufheben wollen, könnten wir natürlich von „Taufgeweihten“ reden, denn alle Getauften haben eine Weihe erfahren - man sehe sich den Taufritus an. Helmut Schüller hat den Begriff „Kirchenbürger und -bürgerinnen“ ins Spiel gebracht. Sperrig sind wohl beide Begriffe. „Volk Gottes“ ist vermutlich noch der geläufigste Begriff für uns alle, die wir Kirche sind.
Was aber, wenn wir im Laufe unserer Reformbewegungen auf die derzeitige Unterscheidung zwischen „Klerus“ und „Laien“ Bezug nehmen wollen?! Anlässe dafür gibt es leider immer noch genug. Wie nennen wir dann die „Laien“? Sie einfach als Nicht-Kleriker, Nichtpriester zu bezeichnen, definiert sie negativ und wieder über den Klerus. Ähnlich ist es, wenn wir von „Menschen mit Priesterweihe und Menschen ohne“ reden.
Ein Sprachfindungsproblem, das nichts mit unserem Alter zu tun hat. Wir überlegen weiter. Und bleiben dran, solange es diese Unterscheidung noch braucht.
Martha Heizer, 29.9.2026