Trump und der offensichtliche Missbrauch des Christlichen

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Was wir aus dem Clash zwischen Trump und Papst Leo und noch mehr aus der messianischen Selbstinszenierung des US-Präsidenten lernen können. Ein Kommentar von Harald Prinz.

Es ist nichts Neues, dass politische Bewegungen Religionen vor ihren Karren zu spannen versuchen, um damit Menschen für ihre Ideen und Ideologien zu vereinnahmen. Und ein explizit christliches Problem ist es auch keineswegs, wie wir aus Iran und Afghanistan wissen. Aber was Donald Trump dieser Tage vorgelegt hat, erweckt den Eindruck als würden gerade alle diesbezüglichen Dämme brechen. Dabei ist die Auseinandersetzung zwischen Präsident und Papst fast noch das gelindere Problem. Man wundert sich bloß über den Stil, der im Weißen Haus möglich geworden ist.

Doch dass Trump sich in einem KI-generierten Bild als eine Art Messias darstellen ließ und dieses Bild in seinem social-media-account auch noch teilte, führt nun aller Welt vor Augen, wie es der US-Präsident wirklich mit der Religion hält: Er braucht Religion nur als Steigbügelhalterin, etwas anderes will er nicht von ihr, etwas anderes gesteht er ihr auch nicht zu. Daher sein Konflikt mit dem Papst. Trump kann keinen Papst brauchen, der ihm sagt, was christlich ist. Denn das will er selbst definieren. Nach seinem eigenen Gutdünken und zu seinem eigenen Vorteil. Trump ist sich sein eigener Gott. Christentum und Bibel, Kreuz und Gebet: Wie sehr er auch darauf geschworen hat - jetzt offenbart sich, dass all das für ihn nur Showzutat war, Mittel zum Zweck. Ein Werkzeug, das man zweckentfremden kann und nach dem Gebrauch billig entsorgt.

Man sollte es aber nicht dabei belassen, ungläubig bloß den Kopf zu schütteln ob des geoffenbarten Größenwahns des US-Präsidenten und der dabei zutage getretenen Blasphemie. Sondern man sollte klar hinschauen auf die Gefahr, die das Liebäugeln christlicher Kräfte mit der politischen Rechten für Welt und Kirche bedeuten. Wurde in Münster nicht erst vor kurzem der Josef-Pieper-Preis an einen amerikanischen Bischof verliehen, der bis vor wenigen Tagen noch ein Naheverhältnis zu Trump pflegte? Und streute diesem anlässlich der Ehrung der Bischof von Passau gemeinsam mit anderen katholischen Würdenträgern nicht Rosen über Rosen, Pontifikalamt und Festakt im Bischöflichen Priesterseminar eingeschlossen, während eine überschaubare Gruppe von Demonstrierenden - unter ihnen auch Vertreter:innen der Theologischen Fakultät und Ordensleute - die Dinge bereits wesentlich kritischer betrachteten? Aber auch in anderen Ländern wie etwa in Ungarn müssen Kirche und Christentum auf neue Weise lernen, kritische Distanz zu vereinnahmender politischer Agenda zu halten. Man erinnere sich an die ergreifende Rede der ungarischen Theologin Rita Perintfalvi bei der Verleihung des Herbert-Haag-Preises in Luzern im März 2026.

Dabei kommen wir nicht umhin, bereits den Anfängen wehren zu müssen. Das Beispiel Trump macht es vor: Nicht erst seit dem Eklat mit Papst Leo und schon gar nicht erst seit dem Post seines messianischen Selbstbildnisses ist klar, wohin die Reise geht. Viel früher schon haben einzelne Theolog:innen die religiös verbrämte Sprache Trumps analysiert und eine messianische Selbstinszenierung prognostiziert, politische Folgen eingeschlossen. Aber so viele wollten darauf nicht hören! Selbst Trumps Grundhaltung der Rücksichtslosigkeit, seine Rhethorik des Krieges und schließlich seine Politik des Krieges konnten sie nicht davon abhalten, auf ihn zu setzen und ihn als Politiker anzupreisen, von dem die Rettung für unsere Zeit kommen würde. Ob es da nicht auch auf dieser Seite eine gewisse messianische, religiös inakzeptable Heilserwartung gab?

Wer von diesen Steigbügelhaltern aber wird nun Verantwortung übernehmen? Und wer von ihnen wird für die Zukunft lernen? Es mag gegenwärtig beruhigend wirken, dass sich Bischof Oster und sogar Bischof Barron anlässlich der jetzigen Kontroverse zu Trump kritisch geäußert haben und letzterer sogar eine Entschuldigung des US-Präsidenten an den Papst angemessen fände. Aber das Grundproblem wird damit beileibe nicht angegangen. Das Grundproblem nämlich ist die Versuchung, sich als Kirche vor den Karren von Macht und Erfolg spannen zu lassen, selbst wenn der woanders hinfährt als es das Evangelium und die christliche Soziallehre angezeigt lassen. Solange wir dieses Grundproblem nicht angehen, haben es Männer wie Trump leicht mit der Religion.

Harald Prinz