Was der Eiffelturm und der Diakonat gemeinsam haben

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Ein diskriminierendes Agreement mit einer Besuchergruppe löste am Eiffelturm einen Skandal und einen Streik aus. Doch Ähnliches gibt es auch in der Katholischen Kirche.

Wenn der Eiffelturm in einen religiösen Konnex gestellt wird, dann meistens, um die Mär zu widerlegen, er wäre das meistbesuchte Wahrzeichen von Paris. Ist er nämlich nicht: Während es das fantastische Bauwerk von Gustave Eiffel jährlich nämlich „nur“ auf knapp sieben Millionen Besucher:innen bringt, darf sich die Kathedrale im Herzen von Paris über jährlich elf Millionen Besucher:innen freuen. Zugegeben: Der Besuch des Eiffelturms kostet Geld, der Besuch von Notre-Dame ist - wie es bei Kirchen auch sein sollte - unentgeltlich.

Jüngst aber rückte der Eiffelturm wegen einer anderen Geschichte in die Nähe der katholischen Religion: Mitte September nämlich stattete eine konservativ-hinduistische Delegation von ca. 100 Personen dem Pariser Wahrzeichen einen Besuch ab, für den sie im Vorfeld offensichtlich eine besondere Kondition erbeten und bewilligt bekommen hatte: Bei der Führung sollte es nur eigeschränkten „Kontakt zu Frauen“ geben. Wie orf.at berichtete, zog das aber unerwartete Konsequenzen nach sich: Als weibliche Angestellte von ihren Positionen abgezogen wurden und die Anweisung erhielten, „bestimmte Bereiche während der Anwesenheit der Delegation nicht zu betreten“, solidarisierten sich deren männliche Kollegen und legten als Zeichen ihres Protestes die Arbeit nieder. Die Folge waren ein Streik und ein geschlossener Eiffelturm. Erst am Dienstagmorgen konnte das Wahrzeichen wieder besucht werden, während in Frankreich eine lebhafte Diskussion über die republikanischen Werte und die Gleichstellung von Frauen und Männern losbrach.

Was das alles mit der katholischen Kirche zu tun hat? Nun: Auch bei uns werden Frauen unsichtbar gemacht und auch bei uns treten Gruppen in Erscheinung, die in bestimmten Bereichen keine Frauen sehen wollen. Aber das ist - Gott sei Dank - nicht alles: Nein! Denn auch bei uns gibt es das, was der Eiffelturm und seine Besucher:innen nun erlebt haben: Solidarität!!

Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Ständigen Diakonat (wieder)eingeführt und für diesen keinen Zölibat vorgeschrieben. Aber eben nur für Männer. Seither gibt es insbesondere im deutschsprachigen Raum viele großteils ehrenamtlich tätige Diakone, die sich in der Seelsorge engagieren und durch ihren Einsatz den leidigen Priestermangel einigermaßen abfedern. Aber: Viele, sehr viele fertig ausgebildete Theologen verweigern sich der Diakonatsweihe aus Solidarität mit ihren Kolleginnen, denen dieser Weg von Geschlechts wegen nicht offensteht!

Man sitzt ja in Hörsälen und bei Seminaren nebeneinander, man lernt miteinander, man geht miteinander zu Prüfungen, man feiert miteinander Studienerfolge und theologisch-philosophische Abschlüsse - aber dann wird plötzlich jemand ausrangiert, weil das Geschlecht nicht passt? Studienerfolg, soziale Eignung, persönliche Spiritualität, pfarrliches Engagement - alles der Geschlechterfrage nachgeordnet?? „Das kann doch nicht sein!“ sagen da viele - ja: die meisten - auch der männlichen Theologieabsolventen und lassen sich daher nicht weihen.

Mag sein, dass sich der eine oder andere von ihnen zwar zur Weihe berufen fühlte. Aber noch mehr berufen fühlen sich diese Männer zu Wahrheit und Gerechtigkeit. Deswegen bleiben sie das, was sie vorher schon waren: einfache getaufte Christen. In ihrem Nein zur Diakonatsweihe aber legen sie ein Zeugnis ab für christliche Solidarität und für die unbedingte Gleichwertigkeit von Mann und Frau.

Nicht nur am Eiffelturm also gibt es Geschlechter-Solidarität, sondern auch in der katholischen Kirche. Gott sei Dank!

Roman Fürst, 21.9.2026