Wie lange ist das nun her? 40 Jahre? 50 Jahre? – In den Anfängen der Feministischen Theologie beschäftigten wir uns zuerst einmal intensiv mit den vielen wunderbaren Frauengestalten in der Bibel. Welche Entdeckung! Welche Bestätigung! Viele dieser Bücher stehen nach wie vor in meinem Bücherregal.
Damals wurden wir darauf aufmerksam, wie viele dieser Frauengeschichten uns in den Gottesdiensten vorenthalten wurden. Wir fügten dazu, was immer möglich war (so oft wir selbst am Ambo standen). Als ich beim Magnifikat einmal ergänzte: „Abraham und Sara und ihren Nachkommen auf ewig“, gratulierte mir anschließend unser Pfarrer. Immer wieder gab es freilich auch Menschen, die entsetzt waren über die Anmaßung, den biblischen Text zu verändern – sofern es ihnen überhaupt auffiel.
Diese Leerstelle, was biblische Frauen betraf, würde wohl bald gefüllt werden, hofften wir. Aber weit gefehlt!
Nun hat Annette Jantzen, Pastoralreferentin und Frauenseelsorgerin in Aachen, wieder einmal zusammengefasst, was uns fehlt: weibliche Identifikationsfiguren aus der Bibel in unseren Gottesdiensten. In den offiziellen liturgischen Texten spiegelt sich das offizielle katholische Frauenbild. Leider.
Mich macht natürlich besonders die Martha-Geschichte betroffen: das wunderschöne Messias-Bekenntnis von Martha wird selten gelesen: „Ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt.“ (Joh 11,27) Ein ähnliches Bekenntnis gibt es nur noch von Petrus (Mt 16,16). Petrus wird wegen dieser Aussage zum „Fels, auf dem die Kirche gebaut wird“, Martha bleibt in der Tradition weiterhin die, die den falschen Teil erwählt hat.
Was bleibt also zu tun, solange wir nicht selbst mitentscheiden können, welche Texte gelesen werden? - Ich schlage vor, dass wir uns jedes Mal wieder beim zuständigen Liturgen beschweren, wenn biblische Frauengestalten ignoriert wurden. Und dass wir das neue Buch von Annette Jantzen lesen: Die ignorierten Frauen der Bibel. Was im Gottesdienst nicht gelesen wird (Herder 2026).
Martha Heizer
Bild: KI