Wenig Sinn für die Schöpfung

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In vielen Kirchen werden immer noch Opferlichter mit Plastikhülle verkauft. Ein Urlaubskommentar von Harald Prinz.

Wir hatten einen Papst, der nannte sich Franziskus. Wir haben eine Enzyklika, die heißt "Laudato si’". Und wir haben einen Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung, der alle Christ:innen zu Schöpfungsverantwortung und Schöpfungsgerechtigkeit einladen will.

Am 1. Oktober wird es wieder so weit sein, dass dem Wunsch von Papst Franziskus entsprechend in zahlreichen Kirchen für die Bewahrung der Schöpfung gebetet wird. Vielleicht in Form einer allgemeinen Fürbitte, vielleicht aber auch in der Form, dass "wir" - also die Betenden - im eigenen Leben mutige Schritte zur Bewahrung der Schöpfung setzen mögen.

Mein Urlaub führt mich gerade quer durch Süddeutschland und Ostfrankreich. Zahlreiche Kirchen liegen da auf dem Weg, große Wallfahrtsorte und Kathedralen ebenso wie kleine Kapellen und einfache Dorfkirchen. Was für eine Freude, wenn eine Kirche geöffnet ist! Es bedeutet ein Eintauchen in die Kultur des Ortes und in die Geschichte der Gegend, wenn man eine Kirche (oder auch einen Friedhof) ausführlich besichtigen kann. Und es bedeutet einen Augenblick des Gebetes und des Denkens an liebe Menschen.

Wie oft aber empfinde ich dann zuerst einmal Ärger, wenn ich vor dem Opferkerzenständer stehe! Nicht, dass ich grundsätzlich gegen Kerzen wäre. Aber dass auch im Jahr 2026 - und damit elf Jahre nach Erscheinen der Umweltenzyklika von Papst Franziskus - in den meisten Kirchen und gerade auch in den großen Wallfahrtszentren Kerzen in der Plastikhülle zum Anzünden bereit stehen, kann und will ich nicht begreifen: Es gibt längst halbwegs gute Alternativen, insbesondere Opferlichter im Glas, deren Hüllen ausgewaschen und wieder verwendet werden können. Auf dieses Kerzerlangebot umzustellen wäre ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Vor allem in den großen Wallfahrtszentren, wo man oft geradezu vor einem Meer an Kerzen betet, würden Unmengen an Plastikabfall eingespart. Es wäre interessant, einmal zu erheben, wieviele Tonnen Plastik Jahr für Jahr aufgrund der frommen Übung des Kerzerlanzündens da entsorgt werden müssen! Aber selbst in Rom vor der Haustür und im unmittelbaren Einflussbereich des Papstes werden vielerorts nach wie vor Kerzerl in der Plastikhülle verkauft. Der Grund dafür ist da wie dort einfach: Sie sind deutlich billiger. Weil Wegwerfen in unserer Welt eben leider immer noch weniger kostet als Wiederverwenden. Das ist die Ungerechtigkeit und der Wahnsinn unserer Wegwerfgesellschaft. Ob aber nicht gerade wir als Kirche da einen Auftrag hätten, es trotzdem anders zu machen?

Aus meiner eigenen Pfarrkirche weiß ich, dass die Umstellung ganz leicht geht. Die Spanne zwischen dem, was ein Kerzerl im Einkauf kostet und dem, was in der Kirche von den Gläubigen dafür erbeten wird, ist ohnehin so groß, dass sich der Umstieg finanziell leicht ausgeht. Die Einnahmen werden halt ein bisschen weniger - sind aber immer noch groß genug.

Als Kirche stünde es uns gut an, Zeichen wie diese zu setzen. Sie würden zeigen, dass wir auf unsere Schöpfung aufpassen wollen, auch in kleinen Schritten. Und es hätte auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun, wenn wir ein Gebet für die Bewahrung der Schöpfung sprechen und dazu ein Kerzerl im wiederverwendbaren Glas anzünden.

Harald Prinz, 14.8.2026