Es steht ja jedem und jeder frei, die eine oder andere Gender-Schreibweise zu wählen. Ob eine/r nun ein Binnen-I schreibt oder nach einem Doppelpunkt mit der weiblichen Form fortfährt oder sonst eine Variante wählt - Hauptsache gegendert könnte man sagen. Der Wille zählt fürs Werk. Und welche Gender-Schreibweise genau wofür steht und welche deshalb eher goutiert oder aber eher abzulehnen ist, ist ja tatsächlich nicht so einfach zu entscheiden. Aber gar nicht gendern?: Geht gar nicht!
Und doch geriert sich der Vatikan immer wieder in sturer Gender-Verweigerung: Vor kurzem konnte man vielleicht noch schmunzeln, als die italienischsprachige Ausgabe von Radio Vatikan berichtete, der Papst habe "al nuovo arcivescovo di Canterbury“ gratuliert, „dem Erzbischof von Canterbury“ - obwohl das ganz normale Alltagsitalienisch durchaus auch die weibliche Form „vescova“ - Bischöfin - kennt. Kirchenreformerische Kreise wiesen damals augenzwinkernd darauf hin, dass der Vatikan damit wohl unterstreichen wollte, dass es nicht wichtig ist, ob ein Bischof ein Mann oder eine Frau ist; nur deshalb eben habe die Gratulation des Papstes "dem neuen Erzbischof" gegolten, obwohl dieser eine Frau ist. Manchmal lacht man halt über etwas, um nicht darüber weinen zu müssen.
Aber dass dieser Tage die hochoffizielle vatikanische Ernennung einer Frau ebenfalls in sturer Maskulinität durchgezogen wurde, macht dann doch etwas sprachlos: Die Italienerin Andreina Rita wurde zum "Scriptor latinus", zum "lateinischen Schreiber" ernannt, in welcher Funktion sie nun für die Bewahrung und Erschließung der lateinischen Schriften im Vatikan zuständig ist. Aber: Andreina Rita ist eine Frau. Die korrekte Bezeichnung müsste also - berücksichtigend, dass der Begriff nicht im Kontext der klassischen lateinischen Periode, sondern im Kontext des Jahres 2026 steht - "scriptrix" oder eventuell auch "libreria" heißen. Aber "scriptor" hat halt einen anderen Klang. Tradition schwingt da mit und Stolz. Männlichkeit eben. Wenn das Weibliche schon sein darf, soll es nach Möglichkeit wenigstens noch kaschiert werden.
Wie wird das eines Tages werden, wenn es eine Frau in der Kirche zum ersten Mal nach ganz oben schafft? In der Geschichtswissenschaft spricht man immerhin von "Päpstin Johanna" - freilich nicht wissend, ob es sie wirklich gegeben hat oder sie nur ein fantastisches Gebilde war - Sehnsuchtsgedanke der einen, Schreckgespenst der anderen. Aber immerhin: "Päpstin". Würde hingegen im nächsten Konklave eine Frau gewählt, wäre zu befürchten, dass sie nur "Papst" wäre: Papst Johanna oder Papst Junia vielleicht. Aber Papst. Und die kirchenreformerischen Kreise würden vielleicht wieder sagen: Ist ja gar nicht so wichtig, ob Mann oder Frau. Und rechten hätten sie. Aber sprachlich gesehen hätte ich es doch gern etwas korrekter.
Roman Fürst