Wie sag ich´s dem Papst?

Kommentare   |
Papst Leo wollte von den slowenischen Bischöfen die Gründe für den prekären Rückgang an Priesterberufungen wissen. Dass deren Antwort nicht bekannt gegeben wurde, lässt Raum für Spekulationen. Und für einen Vorschlag zur Rechenschaftspflicht der Bischöfe.

Für Papst Leo XIV. war es der erste Ad Limina-Besuch als Papst, weil die routinemäßigen Treffen zwischen Papst und Bischofskonferenzen während des Heiligen Jahres ausgesetzt waren. Die slowenischen Bischöfe machten nun am 16. 1. 2026 den Anfang und ihr Vorsitzender berichtete im Anschluss von einer "brüderlichen Begegnung ohne Berührungsängste". Themen der dreistündigen Unterredung seien u.a. das Erbe des Kommunismus in Slowenien gewesen, aber auch Evangelisierung, Synodalität sowie Sexueller Missbrauch in der Kirche. Das letztgenannte Thema hat eine besondere Brisanz, weil der Vatikan aktuell einen Prozess gegen den aus dem Jesuitenorden ausgeschlossenen Priester Marko Rupnik führt, der seit 2023 offiziell Priester des slowenischen Bistums Koper ist.

Der Umgang mit Marko Rupnik fordert die Kirche seit Jahren heraus. Als Mosaikkünstler hat er Darstellungen für Kirchen und Kapellen in aller Welt geschaffen, lang schon bevor die Vorwürfe gegen ihn publik wurden und er im Zusammenhang mit sexuellen Vergehen zeitweise sogar exkommuniziert war. Nun steht man vor der schwierigen Frage, wie man mit diesen Kunstwerken umgehen solle. Vielerorts wurden sie verhängt, andernorts sind sie weiter zu sehen. Vielleicht wird sich das Ergebnis des Prozesses im Vatikan auch auf den Umgang mit Rupniks Kunst niederschlagen. Aus den Vatikanmedien auf alle Fälle verschwanden seine Bilder bereits ein Monat nach dem Antsantritt von Papst Leo.

Ein anderes Thema, das Papst und Bischöfe in ihrer Unterredung bewegte, war die "prekäre Situation bei den Priesterberufungen", wie VATICAN-NEWS berichtet. Laut dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz erkundigte sich Papst Leo konkret nach den Gründen für den Rückgang der Zahlen im Vergleich zu früheren Jahrzehnten. Über eine Antwort auf diese Frage des Papstes wird indes nicht berichtet, sodass man nur spekulieren kann. Ob die Bischöfe dem Papst wohl ehrlich und ungeschminkt geantwortet haben? Oder haben sie - wie es so oft geschieht in hohen Kirchenkreisen - wieder nur den Glaubensverlust unserer Zeit bejammert und die Gründe für den vermeintlichen Rückgang an Berufungen außerhalb des kirchlichen Einflussbereichs verortet?

Schade, dass Papst Leo diese Frage nicht den kirchlichen Reformbewegungen stellt. Diese hätten Antworten darauf - angefangen von der Weigerung der Amtskirche, die Berufungen von Frauen zum Priesteramt anzuerkennen, über den vielfach als unselig erlebten Zwang zum Zölibat und damit zu lebenslanger Ehe- und Familienlosigkeit bis hin zu ganz grundsätzlichen Überlegungen bezüglich des Amtsvertsändnisses der Kirche.

So drängt sich angesichts dieser Spekulation also eine Frage auf: Sollten Bischöfe nach einem solchen Besuch beim Papst ihren Gläubigen zuhause nicht in aller Ausführlichkeit und Öffentlichkeit rechenschafts- und berichtspflichtig sein über das, was sie dem Papst und seiner Kurie erzählt haben? Davon würde nicht nur die Kirche vor Ort profitieren, sondern auch der Papst selbst. Denn dann könnten sich die Bischöfe nicht mit womöglich weichgespülten Worten und schöngeredeten Statements durchschummeln, sondern wären aufgrund von Transparenz und Öffentlichkeit zum Klartext gezwungen. Zu Worten, die Gewicht haben und auf denen man aufbauen kann. Vielleicht wäre das ganz oben ein Beitrag zu mehr Synodalität in der Kirche.

Roman Fürst