Wie verdächtige Pakete

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Pakete, die an öffentlichen Orten verdächtig sind, werden mitunter gesprengt. Ganz ähnlich geht Rom mit Reformen um, findet Peter Otten.

Es gibt Nachrichten aus Rom, die einem das beruhigende Gefühl geben, dass sich manche Dinge in dieser Welt niemals ändern werden. Während künstliche Intelligenzen Gedichte schreiben, Autos selbst fahren, Menschen auf dem Mars landen wollen und in Frankreich ein neues Mozart-Stück in einer Schublade entdeckt wird beschäftigt sich der Vatikan weiterhin mit der Frage, wer in einer Messe über das Evangelium sprechen darf. Die Antwort lautet auch 2026: möglichst nicht die Leute, die es können.

Die deutschen Bischöfe hatten die wahnwitzige Idee, qualifizierte Frauen und Männer ohne Priesterweihe predigen zu lassen. Also Menschen mit Theologiestudium, Seelsorgeerfahrung und oft jahrzehntelanger Praxis. Dafür wollten sie in Rom um Erlaubnis bitten. Aber dass es so kommt bleibt so gewiss wie ein Weber-Grill-Seminar im Petersdom.

Man muss die katholische Kirche bewundern. Sie hat eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, Reformen so zu behandeln, als handele es sich um verdächtige Pakete am Flughafen. Zunächst werden sie sorgfältig untersucht. Dann werden sie isoliert. Bevor sie von einem Roboter in die Luft gesprengt werden.

Wo kämen wir auch hin: Wenn eine Pastoralreferentin zwanzig Jahre lang Menschen begleitet, Krisen durchsteht, Beerdigungen vorbereitet, Glaubenskurse leitet und wahrscheinlich mehr Bibelkenntnisse besitzt als der durchschnittliche Weihbischof, darf sie in der Eucharistiefeier trotzdem nicht die Predigt halten. Gott bewahre! Ein Eingriff in die kosmische Ordnung! Es erinnert an deutsche Parkanlagen der siebziger Jahre: Man darf überall hin, nur nicht auf den Rasen. Warum? Weil das der Rasen ist.

Vielleicht liegt aber genau darin die eigentliche Stärke der Institution. Während draußen die Welt hektisch nach allen möglichen Lösungen für aberwitzige Probleme sucht, pflegt Rom die Kunst des majestätischen Nichtstuns. Wo andere reformieren, prüft man. Wo andere entscheiden, differenziert man. Und wo andere sagen: „Es funktioniert doch längst“, antwortet man: „Genau deshalb müssen wir vorsichtig sein.“ Und wenn die Kirche irgendwann wegen Bedeutungslosigkeit, Überforderung und allgemeinem Kopfschütteln "ausgezehrt" ist (wie frühere Generationen vornehm formuliert haben) - dann hat - kommt und seht! - Gott sei Dank immerhin keiner versehentlich darüber gepredigt.

Peter Otten