Wo sind die Seelsorger:innen?

Kommentare   |
In ihrer Berichterstattung über die Kirche legen die Medien den Fokus immer noch auf die Pfarrer. Frauen und nicht geweihte Männer werden weitgehend ausgeblendet. Ein Kommentar von Roman Fürst.

Am 28.8.2026 berichtete orf.at unter der Überschrift "Priestermangel: Ehrenamtliche unterstützen", dass sich in Österreich im vergangenen Jahr noch weniger Männer zu Priestern weihen ließen als in den Jahren davor und dass es in den oberösterreichischen Pfarren im nun startenden neuen Arbeitsjahr keinen einzigen Neupriester geben wird. Und dann wörtlich: "Die Folge: Immer weniger Priester sind für immer mehr katholische Pfarrgemeinden verantwortlich."

Hier liegt schon die erste Unschärfe der Berichterstattung: In Oberösterreich gibt es seit vielen Jahrzehnten Frauen und Männer in der Seelsorge, die als Pastoralassistent:innen, Pfarrassistent:innen oder anderweitige Seelsorger:innen wertvolle Arbeit leisten. Die Pfarrassistent:innen haben in ihren Pfarren explizite Leitungsaufgaben und in manchen dieser Pfarren kommt der Priester äußerst selten vorbei, manchmal nur ein oder zwei Mal pro Monat für einen Gottesdienst; die reale Verantwortung für Pfarre und Seelsorge trägt der Pfarrassistent oder die Pfarrassistentin.

Die Diözese Linz steht momentan in einer großen Umstrukturierung der Pfarrseelsorge. Das hat auch mit dem Priestermangel zu tun. Aus den Dekanaten werden Pfarren, ca. 10 bis 15 Pfarrgemeinden werden so unter ein gemeinsamen Dach von Pfarre zusammengeführt. An der Spitze dieser Pfarre steht ein Dreier-Vorstand: Pfarrer, Pastoralvorstand oder -vorständin und Verwaltungsvorstand oder -vorständin. Und obwohl sich orf.at in seinem Artikel explizit auf eine dieser neu geschaffenen Pfarren - nämlich Steyr - bezieht, ist dort nur vom "Pfarrer" die Rede, der mit seiner aktuellen Rolle offensichtlich nicht ganz glücklich ist. Dass ihm aber eine studierte Theologin als Pastoralvorständin, ein Verwaltungsvorstand und darüber hinaus ein Team von Priestern und weiteren Seelsorger:innen zur Seite steht, kommt mit keinem Wort zur Sprache.

Zu Wort kommt hingegen einer der Priester aus dem Team der neuen großen Pfarre. Der Priester aus Nigeria ist in drei Pfarrgemeinden der großen Pfarre Steyr im Einsatz und scheint seinen Dienst gern zu machen. Aber auch hier kein Hinweis auf die weiteren Seelsorgerinnen und Seelsorger, die in der großen Pfarre Steyr und zum Teil auch in den erwähnten Pfarrgemeinden ihren Dienst tun: in den Pfarrgemeinden als hauptamtliche Ansprechpersonen, in der Jugendarbeit, in der Kategoriellen Seelsorge. So als ob es sie alle gar nicht geben würde!

Mag sein, dass der Artikel nicht so gut recherchiert ist, wie man es von orf.at erwarten dürfte. Aber das Problem liegt wohl doch eher auf der Seite der Kirche: Sie präsentiert sich immer noch als Pfarrer- und Priesterkirche, Priesterweihen werden zum Volksfest hochstilisiert, bei Priesterjubiläen wird manchmal schon bis zur Peinlichkeit hin gefeiert. Wie ist das, wenn eine Seelsorgerin in den kirchlichen Dienst eintritt? Oder ein verheirateter Seelsorger den 25. Jahrestag seines Beginns im kirchlichen Dienst begeht?

Die Kirche muss an ihrer öffentlichen Selbstdarstellung arbeiten und die Neuerungen in der Seelsorge offensiv "vermarkten". Ansonsten wird sie zunehmend nur mehr als Mangel-Kirche wahrgenommen: "Wir haben gar keinen eigenen Pfarrer mehr!", heißt es dann, oder "Wir sind gar keine eigene Pfarre mehr!", "Bei uns wird die Messe nicht einmal mehr von einem Pfarrer gefeiert!".

Aus einem Interesse an unserer Kirche heraus muss es uns ein Anliegen sein, die vielen positiven Entwicklungen im Schatten des Priestermangels öffentlich wahrnehmbar zu machen. Damit auch die (mediale) Öffentlichkeit erfährt, dass in der Kirche Neues und Gutes möglich ist.

Roman Fürst, 29.8.2026

Foto: Diözese Linz / Laurenz Kaiser